Zahnarzt und Schalke-Fan Dr. Oliver Moritz würde Menschen gegen das Coronavirus impfen - wenn er denn dürfte. © privat
Coronavirus

Immer mehr Impfangebote in Dorsten – doch die Zahnärzte dürfen nicht

Dorsten hat ein eigenes Impfzentrum. In Arztpraxen wird geimpft, im Atlantis auch, demnächst sogar bei einem Friseur. Ein Zahnarzt aus Wulfen würde auch gerne impfen, darf es aber nicht.

Hausarztpraxen sind überlaufen. Das Impfzentrum im Treffpunkt Altstadt ist bis Jahresende ausgebucht. Ein Orthopäde impft die Menschen an den nächsten beiden Samstagen in einem Friseursalon in der Innenstadt. Im Atlantis gibt es eine Impfaktion speziell für Jugendliche und junge Erwachsene.

Dorsten macht Tempo beim Impfen. „Super“ findet das Dr. Oliver Moritz. Der Zahnarzt aus Wulfen würde auch gerne helfen und Menschen gegen das Coronavirus impfen. „Aber ich darf ja nicht …“ Denn Arzt ist nicht gleich Arzt. Das muss Oliver Moritz manchmal auch seinen Patienten erklären, wenn sie in seiner Praxis an der Fritz-Eggeling-Allee auf dem Stuhl sitzen.

„Ein Zahnarzt ist kein Facharzt“

Zahnärzte in Deutschland dürfen tatsächlich nicht impfen – im Gegensatz zu anderen fachlich spezialisierten Ärzten wie Gynäkologen, Orthopäden oder Augenärzten. So steht es im Infektionsschutzgesetz. Darin heißt es aber auch: „Zur Durchführung von Schutzimpfungen ist jeder Arzt berechtigt. Fachärzte dürfen Schutzimpfungen unabhängig von den Grenzen der Ausübung ihrer fachärztlichen Tätigkeit durchführen.“

Ist aber nicht auch ein Zahnarzt ein Facharzt? „Nein“, teilte das NRW-Gesundheitsministerium auf Anfrage mit. Bei Hautärzten, Gynäkologen, Urologen und anderen handle es sich um „fachärztliche Weiterbildungsbezeichnungen, diese dürfen als approbierte Ärztinnen und Ärzte ebenfalls Schutzimpfungen durchführen.“ Zahnärzte nicht. Obwohl sie auch ein Staatsexamen besitzen.

Oliver Moritz und manche seiner Kollegen wundern sich. Denn auch sie setzen ja täglich Spritzen, dazu noch in einem hochsensiblen Bereich. „Ich denke schon, dass ich eine ruhige Hand habe“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Aber das reicht dem Gesetzgeber nicht.

Unterstützung gegenüber der Politik deutlich gemacht

Die Zahnärztekammer Westfalen-Lippe spricht ebenfalls von „rechtlichen Gründen“, dass die Zahnärzte derzeit keine Corona-Impfungen durchführen dürfen. Bereits zum Start der Impfkampagne im vergangenen Jahr hätten jedoch beide Kammern (Westfalen-Lippe und Nordrhein) die Unterstützung der Zahnärzteschaft gegenüber der Politik deutlich gemacht.

Oliver Moritz spürt, dass in den letzten Tagen politisch endlich Bewegung in die Sache kommt. Doch er glaubt nicht an eine schnelle Lösung. „Dazu müsste erst mal das Gesetz geändert werden, und das dauert bekanntermaßen.“

Der Zahnarzt stünde jedenfalls bereit, zumindest seine Patienten zu impfen, wenn sie bei ihm in der Praxis sind. „Die kenne ich schließlich.“ Der organisatorische Aufwand sei überschaubar, denn „bei uns ist der Durchfluss sicherlich nicht so groß wie in einer Hausarztpraxis“.

In seiner Freizeit würde Oliver Moritz aber auch andere Menschen impfen, wenn seine Hilfe erwünscht ist – und erlaubt.

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Veränderungen gab es immer, doch nie waren sie so gravierend. Und nie so spannend. Die Digitalisierung ist für mich auch eine Chance. Meine journalistischen Grundsätze gelten weiterhin, mein Bauchgefühl bleibt wichtig, aber ich weiß nun, ob es mich nicht trügt. Das sagen mir Datenanalysten. Ich berichte also über das, was Menschen wirklich bewegt.
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Stefan Diebäcker
Redakteur
Ulrich Breulmann, Jahrgang 1962, ist Diplom-Theologe. Nach seinem Volontariat arbeitete er zunächst sechseinhalb Jahre in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten, bevor er als Redaktionsleiter in verschiedenen Städten des Münsterlandes und in Dortmund eingesetzt war. Seit Dezember 2019 ist er als Investigativ-Reporter im Einsatz.
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Ulrich Breulmann

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