Ein Jahr lang litt eine Mutter in Dorsten unter einer traumatischen Beziehung. (Symbolbild) © picture alliance / dpa
Gerichtsprozess

Immer drohte die Pistole: Mann macht Partnerin das Leben zur Hölle

Ein Jahr lang litt eine Mutter in Dorsten unter einer traumatischen Beziehung. Ihr Freund bedrohte sie immer wieder mit einer Waffe. Dabei kam es zu körperlichen und seelischen Übergriffen.

Schon am Anfang ihrer Beziehung hatte der 38-jährige Angeklagte seiner neuen Freundin gezeigt, was passieren würde, wenn sie ihm nicht gehorcht: Er hielt ihr in ihrer Wohnung in Wulfen eine Pistole unter die Nase und drohte, die Waffe gegen sie einzusetzen, wenn es nötig sei.

Beginn einer äußerst unglücklichen Liaison, in der der Mann dem 35-jährigen Opfer ein Jahr lang die Hölle heiß gemacht hat. Wegen mehrerer Fälle von häuslicher Gewalt musste sich der 38-Jährige am Mittwoch vor dem Dorstener Schöffengericht verantworten.

Plastikflache geworfen

Laut Anklage soll er eine leere Plastik-Flasche nach ihr geworfen und sie dabei an der Hand getroffen habe, auch eine „Powerbank“ nutze er als Wurfgeschoss, verfehlte die Frau aber.

Er beleidigte sie mehrfach und spuckte sie an, mehrfach schubste er sie so, dass sie sich dabei leicht verletzte. Zum Arzt ging sie aber nicht. „Das hat er mir verboten“, erklärte sie vor Gericht. Warum sie ihn denn nicht schon eher verlassen oder ihre Familie und Freunde ins Vertrauen gezogen habe? „Aus Angst“, sagte sie.

Ihr Lebensgefährte habe ihr nämlich auch angedroht, beim Jugendamt dafür zu sorgen, dass ihr die Tochter weggenommen würde. Außerdem habe er auf ihren Namen Betrugsdelikte begangen, damit hätte er sie ins Gefängnis bringen wollen.

Im Badezimmer verschanzt

Erst als sie nach einer neuerlichen Attacke ein Taubheitsgefühl im Bein spürte, rief sie ihre Freundin an, die umgehend die Polizei informierte. Bis die Beamten an der Barkenberger Wohnung eingetroffen waren, verschanzte sich das Opfer mit der Tochter im Badezimmer.

Nach dem Beziehungs-Aus wurde dem Täter gerichtlich verboten, weiterhin Kontakt mit der Frau aufzunehmen oder sich ihr zu nähern. Daran hielt er sich aber nicht. Über Facebook und per E-Mail schrieb er seine Ex an. Allerdings nicht, um ihr zu drohen, sondern um sich wortreich zu entschuldigen.

Psychische Störung

Der 38-Jährige, der an einer psychischen Störung (Borderline-Syndrom) leidet, ist nämlich inzwischen von einem Arzt medikamentös so eingestellt worden, dass er sein bisherigen Leben in den Griff bekommen hat. Auch eine Entgiftung steht an. Vorher hatte er laut Aussage des Opfers 1.000 Euro im Monat allein für Drogen ausgegeben.

Der Staatsanwalt sprach von einer „schlimmen Geschichte“, meinte aber, das Opfer habe die „körperlichen Übergriffe gravierender wahrgenommen“ als sie wohl tatsächlich geschehen seien. Der Anwalt, der die Frau als Nebenklägerin vertrat, fand diese Aussage irritierend und verwies auf die „seelische Gewalt“, der die Frau ausgesetzt war.

Das Urteil des Schöffengericht: sechs Monate, die zur Bewährung ausgesetzt wurden.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Geboren 1961 in Dorsten. Hier auch aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach erfolgreich abgebrochenem Studium in Münster und Marburg und lang-jährigem Aufenthalt in der Wahlheimat Bochum nach Dorsten zurückgekehrt. Jazz-Fan mit großem Interesse an kulturellen Themen und an der Stadtentwicklung Dorstens.
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Michael Klein

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