Imkerin Karina Möllers über den Wandel der Arbeiterinnen und das lange Leben der Königin

dzBienenkunde

Seit 2012 imkert die Dorstenerin Karina Möllers. Sie hat einige spannende Fakten zusammengestellt, um auch andere Menschen für die Bienen zu begeistern.

Dorsten

, 12.04.2019, 11:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mich faszinieren Bienen, das soziale Leben und die abgestimmte Aufgabenteilung innerhalb des Volkes. Das Summen der Bienen vor dem Flugloch hat eine beruhigende Wirkung“, sagt Karina Möllers.

Der Wandel einer Arbeiterin

Es gibt Sommerbienen und Winterbienen. Die Sommerbienen werden jetzt gerade produziert. Die Arbeiterin lebt bis zu 42 Tage und durchläuft in der Zeit mehrere Funktionen. Sie schlüpft als Ammenbiene. „Sie putzt die Zellen aus, damit die Königin ihre Eier in saubere Zellen legen kann.“ Weitere Aufgaben sind das Wärmen und Füttern der Brut sowie das Abnehmen und Einlagern des Nektars und Pollens.

Danach wird die Ammenbiene zur Baubiene. „Am Unterleib haben die Bienen Drüsen. Darüber schwitzen sie Wachs aus und bauen daraus die sechseckigen Waben. Wie sie es schaffen, genau solche Waben zu bauen, wissen Wissenschaftler noch nicht genau.“ Alte Waben schmelzen Imker für Kerzen ein. „Ein Wachsplättchen wiegt 0,0008 Gramm. Für 1 Kilo Wachs braucht man 1,25 Millionen Wachsblättchen. Die Bienen haben also ganz schön viel Arbeit. Daran kann man beim Abbrennen einer Kerze denken.“

Imkerin Karina Möllers über den Wandel der Arbeiterinnen und das lange Leben der Königin

© Jennifer Uhlenbruch

Dann wird aus der Baubiene die Wächterbiene. „Sie verteidigt das Volk gegen Eindringlinge, also andere Bienen, Wespen, Hornissen.“ Danach wird aus ihr eine Flugbiene, die Nektar, Wasser und Pollen sammelt.

Die Winterbiene kann bis zu neun Monate alt werden. „Weil sie zunächst auf dem Stand der Ammenbiene stehen bleibt und nur die Brut pflegt.“ Wenn die Sommerbiene dann schlüpft, stirbt die Winterbiene. „Denn wenn das Brutgeschäft im Januar/Februar wieder losgeht, durchlebt die Winterbiene die anderen Aufgaben, sie ist dann praktisch abgearbeitet und stirbt.“

Das lange Leben der Königin

Königinnen können bis zu fünf Jahre alt werden. Das hängt unter anderem von der Gesundheit ihres Volkes ab. Wenn alle Arbeiterinnen sterben, zum Beispiel wegen der Varroamilbe, dann stirbt auch die Königin. Zum einen, weil sie nicht mehr gefüttert wird, zum anderen, weil die Temperatur im Volk nicht mehr reguliert wird. Die Arbeiterbienen sorgen durch Vibrieren für Wärme ­– dafür klinken sie die Flügel aus, durch das Zittern der Muskeln entsteht Wärme. Wenn es zu warm wird, sind sie durch das Flügelschlagen eine Klimaanlage. „Die Bienen können 15.000-mal pro Minute mit den Flügeln schlagen und so Kühlung erzeugen“, sagt Karina Möllers.

Imkerin Karina Möllers über den Wandel der Arbeiterinnen und das lange Leben der Königin

Königin (größer, mit rotem Punkt auf Futterwabe) © Karina Möllers

Die Königin selbst verlässt das Volk nur einmal, und zwar zum Hochzeitsflug. Bei dem lässt sie sich von verschiedenen Drohnen begatten. „Das reicht dann, um ihr ganzes Leben lang Eier zu legen.“ Im Sommer legt die Königin 2000 Eier am Tag. „Das wäre so, als ob eine Frau acht Babys am Tag bekommen würde.“ Im Winter legt die Königin so gut wie gar keine Eier. Für den Drohn endet der Paarungsakt übrigens tödlich. „Der Begattungsapparat wird dabei herausgerissen und der Drohn stirbt.“

Der Weg zum Honig

Bienen haben einen Honigmagen. Sie sammeln bei ihren Flügen Nektar von Feldern und aus Gärten. „Für ein Glas Honig muss eine Biene dreimal um die Erde fliegen“, macht Karina Möllers den Arbeitsaufwand deutlich. Zurück im Volk geben die Bienen den Nektar von Biene zu Biene. Dabei wird er mit Enzymen vermengt und getrocknet. „Wenn die Bienen den Honig sammeln, liegt die Feuchtigkeit bei 90 Prozent. Wenn ich den Honig ernte, hat er nur noch 15 bis 20 Prozent.“

Durch das Trocknen und den hohen Zuckergehalt wird der Honig haltbar gemacht. „Man hat Honig in Pyramiden gefunden, der heute noch essbar wäre“, erklärt Karina Möllers, wie gut die Haltbarmachung funktioniert. Die Bienen lagern den Honig ein und nutzen ihn als Futter und Flugtreibstoff. „Deswegen verhungern Bienen auch nicht so schnell wie Hummeln, die keine Vorräte anlegen.“ Imker sammeln die Überschüsse des Honigs aus den Waben. „Sie nehmen natürlich nicht alles. Sie wollen ja nicht, dass ihr Volk verhungert.“

Der faszinierende Schwänzeltanz

Unter den Flugbienen gibt es Spurbienen. Sie finden eine Nahrungsquelle und wollen dann so viele andere Sammelbienen wie möglich auf ihre Seite ziehen. Sie geben mit dem Schwänzel- oder Rundtanz an, wie weit die Nahrungsquelle weg ist, was es dort gibt und wie viel. Sie kommunizieren nicht nur mit dem Tanz, sondern auch u.a. durch Vibrationen auf den Waben.

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