Kangal beißt Yorkshire tot: Wie gefährlich sind die Herdenschutzhunde?

dzHundeangriffe in Dorsten

Ein freilaufender Kangal beißt einen Yorkshire in Tönsholt tot. Trotzdem sagt eine Dorstener Hundetrainerin: „Kangals sind tolle Hunde.“ Allerdings nur, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Dorsten

, 02.07.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein ausgewachsener Kangal ist schnell. Bis zu 50 km/h werden ihm nachgesagt. Er kann über 60 Kilogramm auf die Waage bringen und bis zu 86 Zentimeter Stockmaß erreichen. Ein furchteinflößender Anblick nicht nur für einen kleinen Yorkshire-Terrier, der am Sonntag von solch einem Herdenschutzhund in Tönsholt tot gebissen worden ist.

Hundetrainerin Melanie Jordan mit ihrem deutsch-belgischen Schäferhundmix Milow. Jordan hat zwei Kangals als Hunde gehalten und kennt sich gut mit der Rasse aus.

Hundetrainerin Melanie Jordan mit ihrem deutsch-belgischen Schäferhundmix Milow. Jordan hat zwei Kangals als Hunde gehalten und kennt sich gut mit der Rasse aus. © privat

Die Dorstenerin Melanie Jordan, zertifizierte Hundetrainerin, kennt diese besondere Hunderasse sehr gut. Sie selbst hatte zwei Kangals, Jeff und Boris, beide nach einem langen Hundeleben mittlerweile tot. Jeff und Boris hat Melanie Jordan als treue, wenngleich anspruchsvolle Begleiter zu schätzen gelernt: „Kangals sind tolle Familienmitglieder, wenn sie richtig sozialisiert und gehalten werden“, sagt die Fachfrau.

Sie charakterisiert den aus der Türkei kommenden Kangal als „sehr eigenständig“. Er sei ein Hund, „der selbst entscheidet, wer böse ist oder nicht, außerdem ist er ein Hund mit einem ausgeprägten Territorialverhalten“.

Beide Kangals waren aus dem Tierheim

Melanie Jordan hat ihre beiden Kangals aus Tierheimen zu sich geholt. Dort landen Kangals des Öfteren: „Einer lebt seit Jahren im Dorstener Tierheim. Und das Gelsenkirchener Tierheim ist voll mit Kangals, weil einem Züchter eine Reihe von Jungtieren weggenommen worden sind“, sagt Melanie Jordan.

In Kreisen von türkischstämmigen Menschen gelten Kangals als Statussymbol, weil die Hunde groß, stark und stattlich daherkommen und Respekt gebieten. Der Kangal kommt ursprünglich aus der Türkei und wurde als Herdenschutzhund gezüchtet und eingesetzt.

Dass diese Rasse ihre besonderen Bedürfnisse hat, direkte Bezugspersonen braucht und eine gute Sozialisation, um als Familienmitglied zu taugen, wissen viele Halter augenscheinlich nicht.

Eigentümer mussten ihre Kangals abgeben

Die ursprünglichen Eigentümer von Jeff und Boris mussten ihre Hunde aus unterschiedlichen Gründen abgeben. „Boris wurde von den Behörden beschlagnahmt. Eine Familie hat ihn aus der Türkei mit nach Deutschland gebracht und in einem viel zu kleinen Zwinger gehalten.“ Jeff wurde ebenfalls als Welpe aus der Türkei nach Deutschland mitgenommen - als sein Eigentümer ihn in falsche Hände weitergab, wurde er zum Problemfall.

Melanie Jordan hat viele Stunden mit ihren Kangas verbracht und mit ihnen trainiert. „Der Herdenschutz ist tief in den Genen dieser Hunde verankert und muss von erfahrenen Menschen gelenkt werden. Raustrainieren kann man ihn nicht vollständig“, sagt sie. Ganz wichtig sei, dass diese Hunde nicht alleine vor sich hinvegetieren. „Diese Hunde brauchen Sozialkontakte.“

Das erwartet die Stadt von Hundehaltern

  • In Dorsten gilt eine Anleinpflicht für Hunde. Das bedeutet, dass Hunde in umfriedeten Park- und Grünanlagen an der Leine gehen müssen.
  • Diese Anleinpflicht bedeutet nicht, dass Hunde überall im Stadtgebiet von Dorsten angeleint laufen müssen, sie dürfen sehr wohl - so der Zugriff auf den Hund gewährleistet ist - auch unangeleint spazieren gehen. Wichtig bleibt jedoch immer: Der Mensch, der mit dem Hund spazieren geht, muss den Hund unter Kontrolle haben. Wenn das ohne Leine funktioniert, ist es an vielen Stellen möglich, dem Hund Auslauf zu gewähren. Klar aber ist auch das Hunde, die nicht auf Zuruf reagieren, andere Menschen oder Hunde angreifen oder eventuell Wildtieren hinterher jagen usw., an die Leine gehören.
  • Anzuleinen ist der Hund natürlich auch in der Stadt und in Wohngebieten. Anzuleinen ist der Hund ebenfalls in Naturschutzgebieten, wie etwa den Lippeauen, die einem besonderen Schutz unterliegen.
  • Im Wald darf der Hund auf Wegen unangeleint laufen. Herrchen und Frauchen müssen aber sicherstellen, dass der geliebte Vierbeiner dennoch „geführt“ werden kann - d.h., er bleibt auf Befehl „bei Fuß“ und kann sofort angeleint werden. Jagd der Hund jedoch leidenschaftlich gerne, stöbert Tiere im Untergehölz auf usw., gehört der Hund an die Leine, denn zum Schutze der wild lebenden Tiere ist es Hunden nicht erlaubt, ihren Jagdtrieb im Wald auszuleben. Verantwortungsvolle Hundehalter wissen das.
  • Ähnliches gilt für Äcker und Wiesen. Diese unterliegen weder dem Landesforstgesetz, noch fallen sie grundsätzlich unter die Verordnung über die Anleinpflicht. Ebenso die Feldwege: sie dürfen zwar betreten werden, die anrainenden landwirtschaftlichen Nutzflächen sind jedoch Privatbesitz. Nebenbei - das Queren der Äcker und Wiesen außerhalb der Wege ist natürlich tabu - auch wenn der Hund liebend gerne durch die Runkelblätter rennt oder in der Wiese Hasen und Kaninchen vermutet. Hier gilt: Den Hund auf landwirtschaftlichen Wegen in unmittelbarer Reichweite „bei Fuß“ laufen lassen und unter Umständen sofort anleinen.
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