Hürfeld-Halde in Dorsten: Umstrittene Deponie-Pläne rücken näher

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Die noch längst nicht fertig aufgeschüttete Hürfeld-Halde in Dorsten ist als Deponie-Standort im Gespräch. Inzwischen haben die möglichen Betreiber dafür einen ersten Fuß in die Tür gesetzt.

Dorsten, Altendorf-Ulfkotte

, 14.07.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als die Ruhrkohle AG (RAG) unlängst verkündete, dass sie fast alle ihrer 23 nach dem Ende der Steinkohlen-Ära nicht mehr benötigen Halden an den Regionalverband Ruhrgebiet (RVR) abgeben wolle, waren drei Schütt-Bauwerke nicht Teil der Verkaufs-Masse - darunter auch die nur teilbegrünte Hürfeld-Halde in Dorsten.

Denn die ist bekanntlich als Deponie-Standort im Gespräch, hier könnte noch jahrelang Bauschutt der Deponieklasse I in das bestehende riesige und unaufgefüllte Halden-Loch eingebracht werden.

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Die vor allem bei der Bevölkerung im Stadtteil Altendorf-Ulfkotte umstrittenen Deponie-Pläne rücken näher. Denn die möglichen Deponie-Betreiber haben für ihre Planungen der Halde, die bis Ende 2018 für den Abraum des Bergwerks Prosper-Haniel Bottrop genutzt worden war, bei der für die Genehmigung zuständigen Bezirksregierung Münster inzwischen einen ersten Fuß in die Tür gesetzt.

Unterlagen an Bezirksregierung

Denn das Unternehmen DAH1, das zu gleichen Teilen Eigentum der RAG Montan Immobilien und der Abfallentsorgungs-Gesellschaft Ruhrgebiet (AGR) ist, hat der Landesbehörde die Unterlagen für das „Scoping-Verfahren“ zur Verfügung gestellt. Darüber informierte Dagmar Stobbe vom Technischen Dezernat der Stadt kürzlich die Dorstener Politik.

Die Halde darf nicht betreten werden.

Die Halde darf nicht betreten werden. © Michael Klein

In dem Scoping-Prozess geht es vor dem eigentlichen Antrags- und Planfeststellungsverfahren unter anderem um die Festlegung des Untersuchungsrahmens der Umweltverträglichkeitsprüfung und um die Unterrichtung und Beteiligung der Fachbehörden.

Deponie-Kapazitäten nötig

Die Stadt wünsche sich keinen Deponie-Standort vor der Haustür, könne aber vor den Argumenten nicht die Augen verschließen, betont Stadtbaurat Holger Lohse gegenüber unserer Zeitung. Zusätzliche Deponiekapazitäten in NRW seien laut Landesregierung dringend erforderlich, die Hürfeld-Halde habe noch erheblichen Platz.

Eine Deponie auf einer bestehenden Halde sei einer neuen Deponie auf grüner Wiese vorzuziehen. Eine Einschätzung, die auch Holger Lohse nicht von der Hand weisen kann. Zumal in Dorsten eine bestehende und praktikable Verkehrsanbindung über die A 52 gegeben ist.

Keine große Hoffnung

Große Hoffnungen, eine Deponie zu verhindern, habe die Stadt angesichts dieser Voraussetzungen nicht. Allerdings könne die Stadt in den Gesprächen mit der RAG einen Trumpf ausspielen - und habe damit die Möglichkeit strategischer Optionen.

Die Hürfeld-Halde von der Altendorfer Straße aus gesehen.

Die Ausläufer der Hürfeld-Halde von der Altendorfer Straße aus gesehen. © Michael Klein

Und zwar wegen des in den 1980er-Jahren unter dem Druck einer Bürgerinitiative zwischen Stadt und RAG abgeschlossenen Haldenvertrags, der unter anderem Schütt-Obergrenzen beinhaltet. Der biete so viel rechtliche Sicherheit, dass „die Stadt bei einer Klage genug in der Hand hat“, so Lohse.

Dass die RAG womöglich ein langwieriges Gerichtsverfahren mit für sie ungewissem Ausgang scheuen würde, könnte die Verhandlungsposition der Stadt stärken. Die Stadt will nämlich feste Grenzen setzen.

Schüttmenge und -dauer begrenzen

Bei der Schüttmenge und -dauer möchte sie beispielsweise nicht über die derzeit von „DAH1“ angestrebten fünf bis sechs Millionen Tonnen und die Verfülldauer von rund 15 Jahren hinausgehen. Hinzu kämen für die Stadt bestimmte Stäube und Schlämme als Verfüllmaterialien ebensowenig in Frage wie asbesthaltiger Bauschutt.

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Bei der späteren Nachfolgenutzung fordert die Stadt, dass die Halde als extensiver Freizeitbereich mit hoher Aufenthaltsqualität hergestellt wird, mit Spazierwegen, eventuellen Mountainbike-Trails oder Platz für andere Sportarten.. Die Bürger sollen in die Planungen eingebunden werden. Flächen für Windenergie oder Solar nicht ausgeschlossen.

Bevor die RAG möglicherweise unerwünschte Fakten schafft, wäre es laut Dagmar Stobbbe von Vorteil, dass die RAG ihre Flächen am Fuße der Halde an Landwirte und Waldbauern verkauft, um einen räumlichen „Kragen“ zu schaffen.

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