Holzpreise befinden sich ein Jahr nach Sturm Friederike im freien Fall

dzForstwirtschaft

Auch ein Jahr nach Orkantief Friederike ist die Forstwirtschaft mit den Sturmschäden beschäftigt. Der Holzpreis ist im Keller. Aber der Sturm birgt auch Chancen.

Dorsten

, 16.01.2019 / Lesedauer: 3 min

Anfang 2018 fegte Friederike übers Land und richtete in den Wäldern erheblichen Schaden an. Auch ein Jahr später sind noch nicht alle beschädigten Bäume aus Dorstens Wäldern verschwunden. Die Dürre und die rasante Ausbreitung des Borkenkäfers im vergangenen Jahr haben die Situation verschlimmert.

„In meinem Gebiet sind rund 15.000 Festmeter (1 Festmeter = 1 Kubikmeter Holz) aufgearbeitet worden“, sagt der für die Waldgebiete Hohe Mark in Dorsten und Haltern zuständige Förster Michael Reidemeister von RVR Ruhr Grün. „Damit sind wir zu 90 Prozent durch. Aktuell sind wir vorrangig dabei, Borkenkäfer-Schäden zu beseitigen - sonst wären wir mit Friederike schon fertig.“

Abnehmer für das Holz fehlen

In den übrigen Dorstener Waldgebieten ist die Situation ähnlich. „Wir haben beschädigte Bäume in den Wäldern, die aus Forstschutzgründen dringend abgeholzt werden müssen“, sagt Dorstens Revierförster Christian Pfeifer. Das Problem: Schon die für den Abtransport benötigten Lkw stehen nicht zur Verfügung. Allgemein fehle es an Forstunternehmen, die das Sturm- und Käferholz aufnehmen.

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Der Markt ist derzeit überschwemmt mit Holz. Das lässt die Preise purzeln. Im Herbst 2018 sei der durchschnittliche Preis pro Festmeter Holz auf 40 Euro gefallen, sagt Christian Pfeifer. „Im Laufe dieses Jahres wird das wohl noch auf 10 Euro runtergehen. Für die Waldbesitzer ist das finanziell eine Riesenkatastrophe.“ Während die Laubholz-Preise relativ stabil sind, sinken die für Nadelholz teilweise um 75 Prozent.

Jetzt kommen klimastabile Wälder

Christian Pfeifer hat aber auch positive Aspekte ausgemacht. „Nun sollte wirklich jedem bewusst geworden sein, dass der Klimawandel vor der Tür steht“, sagt er. Außerdem sei man nun gezwungen, früher klimastabile Wälder auf den Weg zu bringen.

Damit hat Pfeifer Erfahrung. Vor zehn Jahren, im Nachgang zu Orkan Kyrill, entstand in seinem damaligen Revier in Alpen im Kreis Wesel der erste Klimawald Nordrhein-Westfalens - mit viel Laub- und wenig Nadelholz. Esskastanien, Baumhasel und Co werden in einigen Jahren auch das Dorstener Waldbild prägen. Gemeinsam mit Kindern hat Pfeifer schon die ersten 50 Bäume gepflanzt. Tausende werden folgen.

Auch in der Hohen Mark werden bevorzugt Laubbäume wie Eichen, Buchen oder Ahorn gepflanzt. Einige Flächen seien schon geräumt und für die nächste Pflanzung vorbereitet, so Revierleiter Michael Reidemeister. „Alles auf einmal geht allerdings nicht. Wir werden das alles über die nächsten Jahre verteilen.“

Ideal wäre ohnehin, wenn jeder selbst einen Baum pflanzen würde, sagt Christian Pfeifer. „Das ist das Beste, was man machen kann, denn Bäume speichern CO2 und produzieren Sauerstoff.“ Friederike werde die Förster in der Region sicherlich noch das ganze Jahr 2019 und wohl auch 2020 beschäftigen.

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