Der Holocaust-Gedenktag in Dorsten wird digital

Holocaust-Gedenktag

Das Coronavirus lässt geplante Präsenz-Veranstaltungen für Schüler zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar nicht zu. Aber es gibt digitale Alternativen.

Dorsten

von Dorstener Zeitung

, 23.01.2021, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Präsenzveranstaltungen zum Holocaust-Gedenktag für Schüler in Dorsten finden in diesem Jahr nicht statt. Es gibt aber digitale Alternativen. (Symbolbild)

Präsenzveranstaltungen zum Holocaust-Gedenktag für Schüler in Dorsten finden in diesem Jahr nicht statt. Es gibt aber digitale Alternativen. (Symbolbild) © dpa

Der Holocaust-Gedenktag am 27. Januar erinnert alljährlich an die Opfer des Nationalsozialismus, darunter rund sechs Millionen ermordete Juden. Er bezieht sich als Gedenktag auf den 27. Januar 1945, den Tag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz.

Auch in Dorsten wurden Juden verfolgt, geächtet, deportiert. Im Gedenkkalender der Stadt hat dieser Tag einen festen Platz. Seit Jahren ist es gute Tradition, dass das Amt für Schule und Weiterbildung in Kooperation mit hiesigen Schulen Veranstaltungen organisiert.

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Doch in diesem Jahr macht Corona die Präsenz-Vorhaben zunichte: „Die geplanten Schulaufführungen, die das Landestheater Detmold mit einem schülerspezifischen Ansatz zum Leben von Anne Frank aufführen wollte, müssen entfallen, aber am Gedenken wollen wir trotzdem festhalten“, sagt Amtsleiterin Sabine Podlaha.

Videokonferenz: „Jüdisches Leben in Dorsten“

Und zwar mit digitalen Alternativen: Anstelle des Theaterbesuchs sind Schüler und Schülerinnen der beiden Dorstener Gymnasien eingeladen, an einer Video-Konferenz über „Jüdisches Leben in Dorsten“ teilzunehmen. Darin wird Stadtinfo-Mitarbeiterin Barbara Seppi jüdische Spuren sichtbar machen, die Einblicke in das Leben der einstigen jüdischen Mitbürger Dorstens geben. „Anschließend stehe ich natürlich noch für Fragen zur Verfügung“, freut sich Barbara Seppi auf einen regen Austausch.

Normalerweise treffen sich Schüler am Holocaust-Gedenktag im Jüdischen Museum, wie auf diesem Archivfoto, und machen von dort aus einen ganz realen Stadtrundgang zum Thema „Jüdisches Leben in Dorsten" - dieses Jahr geht es nur digital.

Normalerweise treffen sich Schüler am Holocaust-Gedenktag im Jüdischen Museum, wie auf diesem Archivfoto, und machen von dort aus einen ganz realen Stadtrundgang zum Thema „Jüdisches Leben in Dorsten" - dieses Jahr geht es nur digital. © Ronny von Wangenheim (Archiv)

Ein weiteres digitales Angebot nimmt alle weiterführenden Schulen Dorstens in den Blick: „Wir haben den Schulleitungen eine Video-Reihe ans Herz gelegt, die vom Anne-Frank-Haus in Amsterdam entwickelt wurde“, berichtet Sabine Podlaha. In 15 Folgen wird das Tagebuch der Anne Frank – das wohl eindringlichste Dokument der Judenverfolgung im Nationalsozialismus – auf YouTube gezeigt.

Luna Cruz Perez teilt in der Rolle von Anne Frank ihr Leben, ihre Gedanken und Gefühle im Hinterhaus mithilfe einer Kamera. Alle Personen, Orte und Ereignisse basieren auf Anne Franks Tagebuchbriefen.

Stockhoff: „Spüren, dass Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit zunehmen“

„Eine anachronistische Herangehensweise, von der sich Jugendliche sehr angesprochen fühlen“, ist Sabine Podlaha überzeugt und verweist damit auf einen weiteren Aspekt des Holocaust-Gedenktages, der über das Gedenken der Opfer hinausreicht: „Er dient auch dazu, auf aktuelle Tendenzen von Antisemitismus, Fremden- und Menschenfeindlichkeit aufmerksam zu machen, um ihnen frühzeitig begegnen zu können.“

Bürgermeister Tobias Stockhoff, der alljährlich an den Veranstaltungen zum Holocaust-Gedenktag teilnimmt, freut sich, dass diese digitalen Angebote entwickelt wurden. „Wir spüren leider in unserer Gesellschaft, dass Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit zunehmen und einige sogar versuchen, diese Tendenzen – als angebliche Meinung – wieder salonfähig zu machen. Das wirksamste Mittel dagegen bleibt der offene Blick auf die dunklen Kapitel unserer Geschichte und die Lehren, die wir daraus ziehen können.“

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