Eine Besucherin unterhält sich im Besuchsraum eines Altenheimes mit ihrer Angehörigen. Dabei werden sie von einer Scheibe getrennt. © picture alliance/dpa
Coronavirus

Hohe Inzidenzwerte: Besuche in Altenheimen unter Auflagen möglich

Im Dorstener Krankenhaus gelten wieder verschärfte Besuchsregeln. Wenngleich die Bewohner von Altenheimen und Pflegeeinrichtungen ebenfalls zur Risikogruppe zählen, ist die Situation anders.

Das Ziel ist eindeutig und wird in der „Corona-Allgemeinverfügung Pflege und Besuche“ von August mit dem Recht auf Teilhabe und soziale Kontakte begründet:„Auch vor dem Hintergrund der erheblichen Gefahren, die das SARS-CoV-2-Virus für die Bewohnerinnen und Bewohner der stationären Pflegeeinrichtungen bedeutet, sind diese vor sozialer Isolation zu bewahren, da damit ebenfalls erhebliche gesundheitliche Gefährdungen verbunden wären.“

Nur in Ausnahmefällen, beispielsweise bei einer Infektion mit dem Virus, dürfe die betroffene Person für eine möglichst kurze Zeit isoliert werden.

Ohne Screening kommt keiner rein

Auch Einrichtungen in Dorsten lassen Besuche unter den vom Robert-Koch-Institut empfohlenen Maßnahmen zu. „Wir haben seit dem Lockdown nie ganz geöffnet“, erklärt Diana Lange, Einrichtungsleiterin des Altenzentrums Maria Lindenhof. Ein kurzes „Screening“ der Besucher ist gängige Praxis. „Ohne Screening kommt keiner ins Haus“, stellt der Caritas-Geschäftsführer Klaus Schrudde klar.

Zum Screening zählen neben der Temperatur-Messung auch das Ausfüllen eines Formulars, das im Falle des Falles der Kontaktnachverfolgung dient. Außerdem müssen Besucher dort Angaben zu Erkältungssymptomen innerhalb der vergangenen 14 Tage machen und versichern, dass sie keinen Kontakt zu einem Corona-Patienten hatten.

Caritas-Wohnprojekt in Dorsten
Caritas-Geschäftsführer Klaus Schrudde freut sich, dass das Interesse an den barrierefreien Wohnungen auf dem alten Ölmühlen-Gelände so groß ist. In den vergangenen Wochen hatte er beinahe täglich Besichtigungstermine. © Stefan Diebäcker © Stefan Diebäcker

Dann folgt noch die Einweisung in die Hygienemaßnahmen, die übrigens von Besucher und Einrichtung protokolliert wird. Im Altenzentrum Maria Lindenhof sind dafür extra „Besuchslotsen“ im Sommer eingestellt worden.

Seitdem die Zahlen im Kreis stark angestiegen sind, bittet das Altenzentrum Maria Lindenhof die Besucher, FFP2-Masken zu tragen, wenn sie engen Kontakten zu den Bewohnern haben. Diana Lange erklärt außerdem: „Wir weisen daraufhin, dass handgenähte Masken wenig sinnvoll sind.“

Die Besucherzahl ist außerdem weiterhin begrenzt. Im Altenzentrum Maria Lindenhof dürfen Bewohner vor- und nachmittags je einen Besucher in ihrem Zimmer empfangen. Im Seniorenzentrum St. Marien sind maximal drei Besucher pro Station erlaubt.

Die Situation ist für alle Beteiligten schmerzhaft

Schrudde befürwortet, dass Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen unterschiedliche Besuchsregeln anwenden. Krankenhaus-Patienten seien schließlich nur eine begrenzte Zeit dort, um „geheilt“ zu werden. Anders sei es in Pflegeheimen: „Das ist kein kurzer Aufenthalt.“

„Der Schutz unserer Bewohner, deren Angehörigen und unserer Mitarbeiter ist unserer höchstes Gut“, stellt der Geschäftsführer der Caritas klar. Für alle Beteiligten sei es schwierig. Für die Bewohner sei es schmerzhaft, nicht mehr die gewohnten sozialen Kontakte im gleichen Ausmaß wie vor der Pandemie pflegen zu können.

Und für die Mitarbeiter sei der Pflegeaufwand und die psychische Belastung um ein Vielfaches gestiegen. „Die Sondergratifikation ist mehr als berechtigt“, findet Schrudde und spielt damit auf den Pflegebonus für Pflegekräfte im Krankenhaus und Beschäftigte in der Altenpflege an.

Als „systemrelevant“ will er die Pflege aber nicht verstanden wissen. „Für mich ist das ein verbrannter Begriff aus der Bankenwelt. Wir sind relevant für das Fortbestehen der Gesellschaft und nicht für ein System.“

Über die Autorin
Volontärin
Geboren und aufgewachsen im Bergischen Land, fürs Studium ins Rheinland gezogen und schließlich das Ruhrgebiet lieben gelernt. Meine ersten journalistischen Schritte ging ich beim Remscheider General-Anzeiger als junge Studentin. Meine Wahlheimat Ruhrgebiet habe ich als freie Mitarbeiterin der WAZ schätzen gelernt. Das Ruhrgebiet erkunde ich am liebsten mit dem Rennrad oder als Reporterin.
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