Im Kirchentresor von St. Agatha in Dorsten wurde eine 500 Jahre alte Bibel aufbewahrt. Jetzt ist sie restauriert worden und soll ausgestellt werden. © privat
Gemeinde St. Agatha

Historischer Schatz in einem Kirchentresor in Dorsten entdeckt

In einem Tresor der St.-Agatha-Gemeinde in Dorsten ist durch Zufall ein historischer Schatz entdeckt worden. Der Pfarrer spricht von einem „sehr hohen materiellen und ideellen Wert“.

Das Pergament brüchig, die Seiten zerfranst, der Einband verstaubt und in Teilen zerstört: In diesem Zustand entdeckte Pfarrer Dr. Stephan Rüdiger im Frühjahr 2020 im Tresor der Agathakirche eine exakt 500 Jahre alte Bibel. „Ein Zufall“, bestätigte der Geistliche jetzt, „die Heilige Schrift war über die Jahre wohl in Vergessenheit geraten.“

Handschriftliche Notizen von den Vorgängern

Die Bibel in lateinischer Sprache und mit vielen historischen Stichen wurde 1521 im französischen Lyon verfasst und später der Dorstener Gemeinde geschenkt. „Viele meiner Vorgänger haben dort im Laufe der Jahrhunderte handschriftliche Notizen zu Psalmen und Versen gemacht. Das beweist, das sie in der Liturgie verwendet wurde“, sagt Stephan Rüdiger, der im vergangenen Jahr als Nachfolger von Ulrich Franke Pfarrer in St. Agatha wurde und seit wenigen Wochen auch Dechant des Dekanats Dorsten ist.

Der Zustand der Heiligen Schrift war bedenklich, als sie im Frühjahr 2020 entdeckt wurde. © privat © privat

Stephan Rüdiger spricht von einem „sehr hohen materiellen und ideellen Wert“, den diese Heilige Schrift für die Dorstener Gemeinde hat. Und deshalb hat er seine Kontakte zur Abtei St. Hildegard in Rüdesheim genutzt, um die alte Bibel zu bewahren. Die Werkstatt der dortigen Benediktinerinnen hat einen Auftrag der Deutschen Bischofkonferenz, alte Schriften zu restaurieren.

„Das war eine große Freude“

Nach einem Jahr konnte eine kleine Delegation der St.-Agatha-Gemeinde am vergangenen Wochenende das alte, neue Werk besichtigen und wieder mit nach Dorsten nehmen. „Das war eine große Freude“, berichtet der Dechant.

Pfarrer Dr. Stephan Rüdiger freut sich mit Äbtissin Mutter Dorothea Flandera von der Abtei St. Hildegard in Rüdesheim, dass die alte Bibel restauriert werden konnte. © privat © privat

Die Buchseiten, die über die lange Zeit doch sehr gelitten hatten, wurden in mühevoller Handarbeit mit wertvollem japanischen Papier wiederhergestellt, der Einband ist ebenfalls erneuert worden. Für den Pfarrer ist diese Bibel „ein Zeugnis unserer lebendigen Geschichte“. Die Herausforderung sei es nun, „die Vergangenheit mit der Zukunft zu verbinden, die wir als Kirche gestalten müssen“.

Wie dieses „schöne Zeichen“ in das Leben der Gemeinde integriert werden kann, diskutiert Stephan Rüdiger derzeit intensiv mit dem Kirchenvorstand und dem Pfarreirat. Denn nach den Ostertagen 2022 soll das Gotteshaus in der Dorstener Altstadt umfassend saniert werden.

Agathakirche wird ein halbes Jahr saniert

Binnen eines halben Jahres wird die komplette Elektrotechnik der Agathakirche erneuert, ein neues Lichtkonzept installiert und auch der Altarraum ein wenig verändert werden. „Unsere Kirche soll freundlicher werden, aber schlicht bleiben“, beschreibt Stephan Rüdiger die Pläne, deren Finanzierung gerade noch mit dem Bistum abgestimmt werden.

Viele zerfranste Seiten der Heiligen Schrift wurden mit wertvollem Japan-Papier wiederhergestellt. © privat © privat

Auch für die alte Bibel wird sich anschließend wohl ein würdiger Platz außerhalb eines Tresors finden, möglicherweise in einer Vitrine mit UV-Schutz, damit die Gläubigen stets einen Blick werfen können auf einen bedeutenden historischen Schatz ihrer Gemeinde mit beständigem Wert in für die Katholische Kirche unruhigen Zeiten.

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Veränderungen gab es immer, doch nie waren sie so gravierend. Und nie so spannend. Die Digitalisierung ist für mich auch eine Chance. Meine journalistischen Grundsätze gelten weiterhin, mein Bauchgefühl bleibt wichtig, aber ich weiß nun, ob es mich nicht trügt. Das sagen mir Datenanalysten. Ich berichte also über das, was Menschen wirklich bewegt.
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Stefan Diebäcker

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