Uta und Ina Schulte freuen sich über die Hilfsbereitschaft ihrer Nachbarin Marion Berndt (rechts). © Bastian Becker
Nachbar des Jahres

Hilfsbereit in der Not: Marion Berndt unterstützt ihre Nachbarin

„Sie hilft, wo sie kann“: So beschreibt Uta Schulte ihre Nachbarin Marion Berndt, für sie die „Nachbarin des Jahres“. Das stellte diese vor allem im Frühjahr in einer Notlage unter Beweis.

Marion Berndt ist eine Frau, die anpackt. „Was gemacht werden muss, muss gemacht werden“, sagt die Hervesterin ganz pragmatisch. Davon profitierten in einer schwierigen Situation im vergangenen Frühjahr ihre Nachbarin Uta Schulte und ihre Familie.

Seit dreieinhalb Jahren wohnt Marion Berndt mit ihrem Mann am Hellweg. „Wir haben geklingelt und uns allen Nachbarn vorgestellt, wie man das so macht“, erinnert sie sich. „Wir haben uns vom ersten Tag an gut verstanden“, betonen beide Nachbarinnen. Uta Schultes Sohn Marvin und ihre Tochter Ina „kommen, wenn sie Langeweile haben, auch mal rüber“, wie Marion Berndt erklärt.

Plötzlicher Krankenhausaufenthalt: Nachbarin springt ein

Anfang April, kurz nach Beginn des ersten Lockdowns, ging dann alles ganz schnell. „Mein Mann kam von der Arbeit und hat mir gesagt, Uta ist im Krankenhaus“, erzählt Marion Berndt. „Ich musste vom Arzt direkt in die Klinik, das ging ratzfatz“, blickt Uta Schulte zurück. Der anfängliche Corona-Verdacht bewahrheitete sich nicht, aber mit einer Lungenentzündung verbrachte sie zwei Wochen im Krankenhaus.

Ihre Nachbarin, die im Lockdown zu Hause war, sprang ein und kümmerte sich um Kinder, Haus, Wäsche, Hund und Katze. „Das ging ganz automatisch, es ist einfach passiert“, meint Marion Berndt. „Ich habe gefragt: Ich habe Bohnen, mögen die Kinder das?“ Gemeinsam mit den beiden Nachbarskindern verbrachte sie dann die nächsten zwei Wochen, kochte und verbrachte Zeit mit ihnen.

Gemeinsame Gartenarbeit mit Nachbarskindern

„Das war gut. Ich hätte es nicht gut gefunden, wenn wir ganz alleine geblieben wären“, freut sich Ina. „Unsere Tochter hat gerne einen Anlaufpunkt“, erklärt Uta Schulte. Ihr Mann war während dieser Zeit im Schichtbetrieb beschäftigt und konnte nur schwer zu Hause bleiben.

„Ich hatte im ersten Lockdown ganz viel Zeit“, erläutert Marion Berndt. Üblicherweise geht sie einem Vollzeitjob nach, in diesem Fall war sie glücklicherweise zu Hause. Gemeinsam mit den beiden Kindern nutzte sie die Zeit, um alles für die Rückkehr der Erkrankten vorzubereiten. „Im Krankenhaus kriegte ich Fotos zugeschickt, wie die Terrasse geschrubbt und die letzten Blumen gestutzt wurden“, war Uta Schulte erstaunt.

Hilfe auch nach der Rückkehr

Die Idee hätten die Kinder gehabt, um ihre Mutter zu empfangen, meint Marion Berndt. Sie habe die beiden nur dabei unterstützt. Die zwölfjährige Ina nickt. Aber auch nach der Rückkehr aus dem Krankenhaus mit großem Empfang im geschmückten Haus konnte Uta Schulte zunächst wenig machen. Als Hochrisikopatientin in der Corona-Zeit musste sie aufpassen. Deswegen kochte Marion Berndt nun auch für ihre Nachbarin mit. „Die Kinder sind rübergekommen und haben das Essen mitgenommen“, erinnert sie sich.

Für Uta Schulte und ihre Familie ist Marion Berndt wegen ihrer großartigen Hilfsbereitschaft die Nachbarin des Jahres. „Sie hilft, wo sie kann, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Das würde sie nicht nur für uns machen, das ist eine Grundeinstellung“, stellt die mittlerweile wieder gesunde Mutter heraus. „Das ist eigentlich selbstverständlich, dass wir uns unterstützen“, findet die so Gelobte. Den Einwand von Uta Schulte, dass die Schultes noch nicht so viel unterstützen konnten, lässt sie nicht gelten. „Ina backt gerne und bringt uns immer mal Kuchen oder Muffins rüber“, erzählt sie.

Verlässlichkeit macht gute Nachbarn aus

Was macht für die beiden Frauen gute Nachbarschaft aus? „Dass man immer jemanden hat, der verlässlich in der Nähe ist und bei dem man sich keine Gedanken machen muss, auch nachts mal an der Tür zu klingeln“, antwortet Uta Schulte. „Nachbarn sind Menschen, die einen ganz besonderen Stellenwert haben. Man kriegt gegenseitig eine Menge mit und weiß, dass jemand in der Not da ist“, ergänzt Marion Berndt. Sie freut sich deswegen darüber, dass Uta Schulte sagt, dass man sich auf sie verlassen kann. Das sei eigentlich selbstverständlich, aber nicht unbedingt die Regel, sind sich beide Frauen einig.

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Bastian Becker

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