Hausärzte hoffen, dass sie demnächst größere Impfstoffmengen bekommen. © dpa
Coronavirus

Hausarzt hofft auf größere Lieferungen: „Her mit dem Impfstoff!“

Viele Hausärzte würden gern viel mehr impfen, wenn sie mehr Impfstoff bekämen. Trotz der Knappheit sind ihre Patienten wählerisch. Da ist Überzeugungsarbeit durch die Mediziner gefragt.

Vor dem Impfen steht das Reden. „Das Telefon ist bei uns gerade dauerbesetzt“, berichtet Hausarzt Dr. Markus Jordan. „Acht von zehn Telefonaten drehen sich ums Impfen.“ Die Hausärzte haben auf den Startschuss zum Impfen in ihren Praxen ebenso sehnlich gewartet wie viele Patienten, aber es sei dennoch „schwierig“, verrät Jordan, dessen Hausärztliche Gemeinschaftspraxis drei Standorte in Dorsten und Gladbeck betreibt.

Erstens gebe es noch zu wenig Impfstoff für die Praxen, zweitens zu wenig Vertrauen in den Impfstoff von Astrazeneca. Die Praxen können mehr von dem Vektorimpfstoff ordern als vom MRNA-Vakzin. 30 Dosen Biontech/Pfizer und 50 Dosen Astrazeneca pro Woche sind das Bestellmaximum. „Wie viel man tatsächlich bekommt, erfährt man per E-Mail eine bis zwei Wochen vorher“, berichtet Dr. Jordan. An die Höchstmengen komme man in der Regel noch nicht ran.

Auch die Praxen dürfen nicht impfen, wen sie wollen

Sobald die Liefermenge feststeht, werden die Patienten informiert. Weil sich die Ärzte an die vorgeschriebene Impfreihenfolge halten müssen, haben sie ihre Patienten zuvor „gefiltert“. Die Praxen wissen, wer demnach dran wäre und es am nötigsten hätte, aber sie wissen zum Beispiel nicht, ob ihre Patienten nicht vielleicht schon längst einen Termin im Impfzentrum oder in einer anderen Praxis hatten.

Dr. Markus Jordan
Dr. Markus Jordan betreibt mit Kollegen eine Hausärztliche Gemeinschaftspraxis. © privat © privat

Dann wird die Warteliste weiter abtelefoniert: Der Nächste bitte!

„Wir wissen vor allem nicht, wer bereit ist, sich mit dem Impfstoff von Astrazeneca impfen zu lassen“, erzählt Markus Jordan, „da müssen wir derzeit sehr viel Überzeugungsarbeit leisten.“ Jordan und seine Kollegen impfen aus voller Überzeugung mit Astrazeneca, investieren deshalb auch gerne Zeit in die Patienteninformation.

„Diese Naturgewalt besiegen wir nur durchs Impfen“

„Als Hausarzt hat man ja meist ein langjähriges Vertrauensverhältnis zu den Patienten aufgebaut und kann ihre Sorgen mit sachlichen Informationen oft zerstreuen“, sagt Jordan, „aber das kostet gerade sehr viel Zeit und Geduld.“ Da Impfen allerdings das wirksamste Mittel zur Eindämmung der Pandemie darstelle, sei es jede Diskussion wert. „Corona ist eine Naturgewalt, die wir nur durchs Impfen besiegen können“, sagt der Mediziner, der im Januar selbst an Covid 19 erkrankt war.

Hausärzte bekommen übrigens pro Impfung 20 Euro. Für ein Impfgespräch, das nicht in einen Piks mündet, werden 10 Euro vergütet. Ist für die Impfung ein Hausbesuch notwendig, gibt es 35 Euro. Das Geld stehe jedoch nicht im Vordergrund, betont der Mediziner: „Wir brauchen so schnell wie möglich genügend Impfstoff. Den Rest kriegen wir dann in Praxen und Impfzentren schon hin.“

Über die Autorin
Redaktion Dorsten
Geboren und geblieben im Pott, seit 1982 in verschiedenen Redaktionen des Medienhauses Lensing tätig. Interessiert an Menschen und allem, was sie anstellen, denken und sagen.
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Petra Berkenbusch

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