Hausarzt Dr. Voigt telefoniert seit fast einem Jahr seinem Glasfaser-Anschluss hinterher

dzDeutsche Glasfaser

Eigentlich möchte Internist Dr. Voigt nur einen Glasfaser-Anschluss, doch nach einem Jahr des Wartens und Telefonierens hat er schon fast aufgegeben.

Östrich

, 31.01.2019 / Lesedauer: 3 min

Wie oft Dr. med. Jan-Gerrit Voigt und sein Nachbar Jonas Engelmeier schon mit der Hotline der Deutschen Glasfaser telefoniert haben, das wissen sie nicht mehr. Unzählige Male waren es. Passiert ist jedoch bis heute nichts.

Seinen Lauf nahm die „Provinzposse“, wie Engelmeier das Ärgernis bezeichnet, vor ziemlich genau einem Jahr: Engelmeier und seine Nachbarn von der Hardtstraße 8 in Östrich schließen im Januar 2018 während der Nachfragebündelung einen Vertrag mit der Deutschen Glasfaser. Auch Internist Dr. Voigt interessiert sich dafür und erkundigt sich an einem Info-Stand über einen Anschluss für Arztpraxen. Ihm wird dazu geraten, noch etwas zu warten, da eine intermediäre Lösung zwischen privatem und gewerblichem Anschluss in Planung sei.

Arzt beantragt schriftlich einen privaten Anschluss

Im März, nach erfolgreicher Nachfragebündelung, erhält der Arzt von der Hotline der Deutschen Glasfaser die Auskunft, dass man von einem intermediären Anschluss nichts wüsste und er einen privaten beantragen solle - was er im Anschluss schriftlich tut.

Im Juni 2018 beginnen die Tiefbauer mit der Verlegung der Leerrohre für die Glasfaser. Alle Bewohner des Hauses erhalten ihre Auftragsbestätigung - Dr. Voigt nicht. Auf telefonische Nachfrage wird ihm eine Kundennummer mitgeteilt. Die Bestätigung komme in den nächsten Tagen, heißt es.

Im Vorgarten werden nur zwei Leerrohre verlegt

Im Juli werden die Leerrohre im Vorgarten vergraben - allerdings nur zwei, anstelle der drei benötigten. Jonas Engelmeier, der sich für seinen Nachbarn Voigt dem Problem annimmt, erfährt durch die Hotline der Glasfaser, dass man keinen Dr. Voigt in der Liste habe, zur Not könne man aber auch zwei Glasfasern in ein Leerrohr einblasen.

Auch bei den nächsten Hotline-Telefonaten kann der Arzt unter der Kundennummer nicht gefunden werden, es werden aber mehrere sogenannte „Tickets“ mit der Problemschilderung angelegt und man verspricht, sich zu kümmern.

Anfragen werden monatelang nicht bearbeitet

Im September werden die Glasfasern in die Leerrohre eingeblasen - erneut sind es zwei, anstelle von drei. Die Monteure beteuern, auf ihrer Liste stünden nur zwei Anschlüsse. Auch eine Auftragsbestätigung hat Dr. Voigt bislang nicht erhalten. Bis Dezember telefonieren Voigt und Engelmeier mehrfach mit der Deutschen Glasfaser. Immer wird festgestellt, dass die alten Anfragen nicht bearbeitet wurden.

Am 28. Januar stehen die Arbeiter vor der Tür und wollen die Hausanschlüsse legen. Als Engelmeier ihnen erklärt, dass eine dritte Glasfaser noch fehle, ziehen diese wieder ab. Aussage eines Arbeiters laut Engelmeier: „Ich kann das Haus erst anbohren, wenn alle Fasern da sind.“

Hausarzt Dr. Voigt telefoniert seit fast einem Jahr seinem Glasfaser-Anschluss hinterher

Dr. med. Jan-Gerrit Voigt telefoniert seit fast einem Jahr seinem Glasfaser-Anschluss hinterher. © Manuela Hollstegge

Bis heute hat sich nichts geändert. Nur, dass jetzt nicht nur Dr. Voigt auf seinen Anschluss wartet, sondern auch seine Nachbarn. „Dieses ganze Konstrukt aus General-, Sub- und Subsub-Unternehmern ist eine einzige Katastrophe“, sagt Jonas Engelmeier im Gespräch mit der Redaktion. Und auch Jan-Gerrit Voigt ist sauer: „Das ist einfach nur grotesk. Es gab immer nur Tickets und ein Jahr lang ist nichts passiert. Da kann man nichts mehr zu sagen.“

Sprecher der Glasfaser gibt „Kommunikationsungenauigkeiten“ zu

Doch nun soll tatsächlich etwas geschehen. „Der Bauprojektleiter ist informiert. Die dritte Glasfaser wird in ein vorhandenes Leerrohr eingeblasen und es wird einen neuen Termin für die Hausanschlüsse geben“, versprach Dennis Slobodian, Sprecher der Deutschen Glasfaser, am Donnerstag (31. Januar). Tatsächlich sei der Fall „etwas vertrakt“. Slobodian spricht von „Kommunikationsungenauigkeiten“.

Hauptgrund dafür sei der intermediäre Tarif gewesen. Dieser sei genau zu dem Zeitpunkt im Januar 2018 eingeführt worden, als Dr. Voigt ihn beantragen wollte. Slobodian vermutet, dass einige Servicemitarbeiter zu diesem Zeitpunkt noch nicht im Bezug auf den neuen Tarif gebrieft waren.

Privater Anschluss kann noch umgeändert werden

„Ein Häkchen wurde dort unglücklicherweise nicht gemacht. Ich vermute auch, dass Herr Voigt aufgrund der unterschiedlichen Tarife unter doppelter Kundennummer geführt wurde“, versuchte der Glasfaser-Sprecher, das Durcheinander zu erklären. Zunächst werde Voigt einen privaten Anschluss erhalten, diesen könne er aber jederzeit auf einen intermediären umändern.

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