Gruppenvergewaltigung nicht nachweisbar – Angeklagte zahlen trotzdem

dzLandgericht Essen

Vom Vorwurf der Gruppenvergewaltigung ist am Ende nichts übriggeblieben. Ganz spurlos ist der Prozess an fünf Fußballern aus Dorsten, Essen und Bochum trotzdem nicht vorbeigegangen.

Dorsten/ Essen

, 25.09.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Anklage hatte es in sich, übriggeblieben ist fast nichts: Im Prozess um eine angebliche Gruppenvergewaltigung konnten die fünf angeklagten Fußballer aus Dorsten, Essen und Bochum das Essener Landgericht am Freitag ohne Verurteilung verlassen. Das Verfahren wurde eingestellt. Wäre es rechtlich möglich gewesen, wären sie sogar freigesprochen worden.

Stundenlang war die heute 22-jährige Kosmetikerin aus Essen als Zeugin vernommen worden. Es waren Tränen geflossen und intime Details zur Sprache gekommen. Am Ende waren sich Richter, Staatsanwalt und Verteidiger allerdings einig: Für eine Verurteilung der 22- bis 26-jährigen Angeklagten reicht ihre Aussage nicht aus. Zu viele offene Fragen, zu viele Widersprüche.

„Es gibt erhebliche Zweifel“

„An einer Vergewaltigung gibt es erhebliche Zweifel“, so der Staatsanwalt. Das Kerngeschehen sei vor Gericht anders beschrieben worden als noch bei der Polizei. Dass die 22-Jährige komplett gelogen habe, glauben Staatsanwalt und Richter allerdings auch nicht. Ganz spurlos ist das Strafverfahren trotzdem nicht an den Angeklagten vorbeigegangen. Ihnen war außerdem vorgeworfen worden, die sexuellen Handlungen in einer Essener WG fotografiert und die Bilder anschließend in Chat-Gruppen geteilt zu haben.

Fotos in Chat-Gruppen geteilt

Diese „Aufgabe“ hatte der in Holsterhausen wohnende Angeklagte übernommen, der sich in jener Nacht auf den 13. Mai 2019 ansonsten komplett zurückgehalten hatte. Er war erst später dazugekommen, als seine Freunde mit der heute 22-Jährigen schon in einem der Zimmer waren.

„Ich habe sie nicht gefragt, ob ich die Bilder machen darf“, sagte er den Richtern am Freitag. „Es tut mir leid.“ Wie er selbst zugab, hatte er die Fotos später nicht nur an die Mitangeklagten verschickt, sondern auch an viele andere.

Auch dieser Vorwurf wurde jedoch am Ende eingestellt. Im Gegenzug haben sich die Angeklagten bereit erklärt, insgesamt 15.000 Euro zu zahlen. Davon gehen 2250 Euro an die 22-Jährige – als eine Art Wiedergutmachung. Der Rest kommt der Landeskasse zugute.

Angeklagte erleichtert

Auch die angehende Kosmetikerin hatte überraschend zugestimmt, das Strafverfahren so zu beenden. „Sie will damit abschießen“, so ihr Anwalt Burkhard Benecken später.

Den Angeklagten selbst reagierten erleichtert. „Es war für uns alle unbegreiflich, wie solche Vorwürfe zustande kommen konnten“, sagte einer von ihnen den Richtern und kämpfte dabei mit den Tränen. „Ich bin ein umgänglicher, familiärer und lieber Mensch.“ Dass er vor Gericht gekommen sei, sei das Schlimmste gewesen, was ihm passiert sei.

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