Das Soziokulturelle Zentrum Leo soll vorübergehend eine Kita-Gruppe beherbergen. © Archiv
Kita-Kinder ziehen ein

Gruppen kritisieren „Vertreibung“ aus dem Hervester Bürgerzentrum Leo

Der Umzug einer provisorischen Kita-Gruppe von der Altstadt ins Leo sorgt für Kritik. Nutzer des Bürgersaals fühlen sich übergangen und machen sich Sorgen um ihre Zukunft ihrer Gruppen.

Die Hervest-Konferenz wird sich am 7. Juli mit dem Thema befassen. Ein Hervester Bürger hat sogar einen Brief an Heimatministerin Ina Scharrenbach geschrieben. Der bevorstehende Einzug einer Kindergartengruppe ins Bürgerhaus Leo findet nicht überall Freunde, denn der Bürgersaal wird mehr als ein Jahr nicht für die vielen Gruppen nutzbar sein, die dort eine Heimat gefunden haben.

Zum Beispiel die Spielegruppe für Seniorinnen, die die Frau von Dr. Jörg Rippe vom Bergbauverein dort bis zum Corona-Ausbruch und in der Lockdown-Pause im vorigen Sommer koordiniert hat. Niemand habe mit der Gruppe gesprochen, klagt Rippe: „Es gibt keine Termine mehr und aus. Da werden bürgerschaftliches Engagement und bestehende Infrastrukturen mutwillig zerstört.“ Und das, wo viele Gruppen nach der Corona-Pause ohnehin vor einem schwierigen Neustart stünden.

Einige Gruppen wechseln vorübergehend zum Treffpunkt Altstadt

Rippes Sorge um den Zusammenhalt der Gruppen teilt Norbert Holz von der Hervest-Konferenz: „Können alle nach Corona und nach einer weiteren Zwangspause einfach so wieder an ihre Arbeit anknüpfen?“

Die Stadt weist Vorwürfe, man habe die Nutzergruppen nicht hinreichend informiert, zurück. Auf Anfrage unserer Redaktion hieß es: „Das Leo hat allen Gruppen angeboten, ab Herbst Räume im Treffpunkt Altstadt zu nutzen, das Team hat auch einige Ortsbegehungen im Treffpunkt durchgeführt, um die Einrichtung und die Räume vorzustellen. Die meisten Gruppen wechseln ab Herbst zunächst in den Treffpunkt und kehren nach Auszug der Kita ins Leo zurück. Vereinzelte Gruppen haben von dem Angebot keinen Gebrauch gemacht und für sich selbst Alternativen gefunden. Beim Leo hat sich bis dato keine Gruppe gemeldet, dass sie noch unversorgt sei und weitere Unterstützung bei der Raumsuche benötigt.“

Mr. Trucker sucht geeigneten Raum für die Tombola

Die Stadt appelliert an alle „unversorgten“ Gruppen, sich beim Leo-Team zu melden. Im Leo treffen sich zum Beispiel Selbsthilfegruppen, Tanzgruppen, Demenz-Café, Repair-Café regelmäßig, Kindergeburtstage, Angebote der Schulen und auch eigene Angebote des Leo finden dort ebenso statt. Die städtische Pressestelle erklärt: „In vielen Fällen ist es gelungen, dass die Gruppen andere Räumlichkeiten nutzen können.“

Weil das Gelände der Agathaschule verkauft wird, müssen die Kinder aus dem einstigen OGS-Gebäude wieder raus.
Weil das Gelände der Agathaschule verkauft wird, müssen die Kinder aus dem einstigen OGS-Gebäude wieder raus. © Claudia Engel (A) © Claudia Engel (A)

Auf eine Lösung hofft auch noch die Mr. Trucker Kinderhilfe, die im Rahmen ihres Weihnachtsmarktes den Bürgersaal stets einige Tage für ihre große Tombola nutzt. Vorsitzender Norbert Holz: „Wir hoffen, dass wir den Weihnachtsmarkt in diesem Jahr wieder veranstalten können und für die Tombola eine geeignete und möglichst kostengünstige Unterbringung finden.“

Kritik: Fördergelder werden zweckentfremdet

Die neue Kita an der Ziegelstraße soll Ende 2022 fertig sein und dann auch die Kinder aus dem Leo aufnehmen, das hätte für Mr. Trucker nicht nur Auswirkungen auf den Weihnachtsmarkt 2021. „Provisorien haben die schlechte Angewohnheit, dass sie gern länger bleiben“, sagt Norbert Holz. Er hofft, dass ein Vertreter der Stadt bei der nächsten Hervest-Konferenz Rede und Antwort steht. „Wir würden auch gern mal wissen, ob für die Kita-Gruppe alle möglichen Alternativen geprüft worden sind.“

Jörg Rippe geht sogar noch weiter. Er zweifelt die Eignung des Leo für die Kita-Gruppe generell an. Kindgerechte Sanitäranlagen und geeignete Außenspielflächen seien nicht vorhanden. „Die Fluchttüren gehen ungeschützt auf einen gepflasterten Platz auf und dann auf eine Straße.“ Er hält das Ganze nicht nur für einen Schildbürgerstreich, sondern auch für eine unerlaubte Zweckentfremdung des öffentlich geförderten Bürgerzentrums, die „mit einer Ablösung der Fördermittel einhergehen müsste.“ Die Nutzung sei mit der Bezirksregierung Münster als Fördermittelgeber abgesprochen, erklärt Stadtbaurat Holger Lohse dazu.

Rippe befürchtet zudem, dass Eltern aus der Altstadt künftig zum Abholen und Bringen über die Baustelle an der Kanalbrücke fahren müssen. Da gibt die Stadt Entwarnung: Zwei Drittel der Familien, deren Kinder derzeit die Kita-Gruppe am Voßkamp besuchen, wohnen in Hervest oder Holsterhausen näher am Leo als in der Altstadt.

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Redaktion Dorsten
Geboren und geblieben im Pott, seit 1982 in verschiedenen Redaktionen des Medienhauses Lensing tätig. Interessiert an Menschen und allem, was sie anstellen, denken und sagen.
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Petra Berkenbusch

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