Die Sekundarschule hat alle Kinder des fünften und sechsten Jahrgangs nach einem wissenschaftlich fundierten Intelligenztest getestet. Die Kinder stecken gerne ihre Köpfe zusammen. © Claudia Engel
Begabtenförderung Neue Schule

Grundschule musterte Mädchen aus – dabei ist es hochbegabt

Das ist neu. Das ist besonders. Und das zeichnet die Neue Schule Dorsten aus: ihre Förderung hochbegabter Kinder. Sie filtert aus jedem Jahrgang alle klugen Köpfe heraus.

Die Schülerin der Neuen Schule brachte von ihrer Grundschule eine Empfehlung für die Hauptschule mit. Außerdem sahen die Grundschulpädagogen sonderpädagogischen Förderbedarf im Bereich Sprache gegeben. Nach ausgiebiger Testung mithilfe wissenschaftlich belastbarer Methoden stellte sich an der Neuen Schule heraus: „Das Mädchen hat überragende kognitive Fähigkeiten, ist weit intelligenter als der Durchschnitt und für die besondere Förderung im Begabtenprogramm HerausForderung der Neuen Schule geeignet.“

Stefanie Marzian bei der Arbeit mit einer Schülergruppe. © Claudia Engel © Claudia Engel

Das Kind spreche wenig, erfasse aber blitzschnell Sachverhalte und Zusammenhänge. Das sagt Dr. Stefanie Marzian, die zusammen mit Daniela Kasche die besonders klugen Köpfe unter den Schülern der Neuen Schule unter ihre Fittiche nimmt. Die Neue Schule Dorsten ist die erste Sekundarschule in Dorsten.

Testsystem bei Aufnahme

Stefanie Marzian ist selbst hochbegabt. Sie ist zwar nicht pädagogisch ausgebildet, aber promovierte Neurophysiologin. Sie hat ein wissenschaftlich validiertes Testsystem für die Neuaufnahmen an der Neuen Schule entwickelt. So werden Kinder mit besonderen Begabungen aus jedem Jahrgang sorgfältig herausgefiltert und in das Programm „HerausForderung“ der Neuen Schule aufgenommen.

„Kein Kind soll durchs Netz fallen. Wir wollen systemische Diskriminierung vermeiden“, sagt Marzian. Und fügt hinzu: „Wir alle haben einen blinden Fleck und sortieren Menschen oft nach Äußerlichkeiten und sozialer Herkunft ein und aus.“ Das führe oftmals dazu, dass Kinder trotz ihrer Fähigkeiten aus dem Schulsystem herausgefiltert werden und nicht die Förderung bekommen, die sie verdient hätten.

Zwei, die besonders gefördert werden im Rahmen des Programms HerausForderung der Neuen Schule. © Claudia Engel © Claudia Engel

Da das Schulkonzept der Neuen Schule Dorsten auf Inklusion ausgerichtet ist – also auf Akzeptanz von Verschiedenheit – ist klar, dass auch „kognitiv besonders begabte Kinder gezielt in den Blick genommen werden“. Unter der Leitung von Daniela Kasche und Stefanie Marzian entstand mit einem engagierten Team so das Begabtenförderprogramm HerausForderung. Dafür hat die Neue Schule Dorsten den deutschen IQ-Preis des Mensavereins bekommen. Der Mensaverein ist die Organisation für hochbegabte Menschen in Deutschland.

„Nach der Verleihung des deutschen IQ-Preises im Oktober 2020 haben uns weit über die Neue Schule Dorsten hinaus Familien um Beratung und Schulen und Lehrkräfte um Fortbildung gebeten“, sagt Daniela Kasche. Sie freut sich, dass sie mit Stefanie Marzian offene Türen einrennt.

Doch mit dem IQ-Preis und dem zunehmenden Bekanntheitsgrad des Förderprogramms der Neuen Schule hätten sich neue Herausforderungen ergeben: „Wie können über die Neue Schule Dorsten hinaus Fortbildungen von pädagogischem Personal realisiert werden?

Weitere Informationen rund um das Begabtenförderprogramm finden Interessierte unter www.neueschuledorsten.de/begabtenfoerderung. Interessierte Eltern sind herzlich zum Infoabend des Begabtenförderprogramms am 9.11. (Dienstag) um 19 Uhr in der Neuen Schule Dorsten, Pliesterbecker Straße, eingeladen. Es gelten die 3 G-Regeln.

Daniela Kasche und Dr. Stefanie Marzian haben mit einigen Mitstreitern den gemeinnützigen Verein HerausForderung e.V. gegründet. So können sie weiteres Know-how nach Dorsten holen. Sie vernetzen sich mit Wissenschaftlern und studieren selbst berufsbegleitend in der Schweiz „Integrative Begabungs- und Begabtenpädagogik“.

In der Schweiz, weil es in Deutschland keinen passenden Studiengang gibt. „Die Intelligenz von Kindern hängt nicht am sozio-ökonomischen Status ihrer Eltern – die Identifikation und Förderung ihres Potenzials häufig schon. Das packen wir mit unserer Arbeit an“, fasst Stefanie Marzian zusammen.

Gibt der Begabtenförderung an der Neuen Schule neuen Schwung: Die Kooperation von Dr. Stefanie Marzian mit Prof. Ricarda Steinmayr, Fakultät für Erziehungswissenschaften TU Dortmund, und Daniela Kasche (v.l.) zielt auf die Förderung begabter Kinder ab, die normalerweise durchs Netz des deutschen Bildungssystems fallen. © privat © privat

Das Begabtenförderprogramm HerausForderung wird zudem seit August 2021 von Prof. Ricarda Steinmayr von der Fakultät Erziehungswissenschaft, Psychologie und Bildungsforschung der TU Dortmund begleitet. Die einzelnen Bausteine von HerausForderung sind bereits wissenschaftlich auf ihre Wirksamkeit geprüft. Gemeinsam gehen Ricarda Steinmayr, Stefanie Marzian und Daniela Kasche nun den nächsten Schritt: „Ein gutes Begabtenförderprogramm muss sich daran messen lassen, ob es die Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention voranbringt.“

So werden laut Auskunft von Marzian und Kasche bei HerausForderung „die persönliche Entwicklung, die Lern- und Leistungsmotivation, das schulische Wohlbefinden und die soziale Integration der kognitiv besonders begabten Kinder und Jugendlichen untersucht“. Schulleiterin Susanne Bender freut sich über die wissenschaftliche Begleitung. Inklusion und Bildungsgerechtigkeit für alle Schüler sind ihr ein wichtiges Anliegen.

Viele Partner fördern HerausForderung in Dorsten

Die Arbeit von HerausForderung e.V. wird durch die Unterstützung von vielen „Herausforderern“ möglich: Dorsten dankt dir e.V. und die Metallwerk Franz Kleinken GmbH finanzierten die Gründungsphase, die Volksbank Dorsten wurde zum Kooperationspartner, unterstützt durch die Mr. Trucker Kinderhilfe findet bereits begabtenpädagogische Familienberatung statt, die ersten Fortbildung von pädagogischem Personal konnten durchgeführt werden und nun steigt auch die Evonik-Stiftung in die Förderung von HerausForderung e.V. ein. In Dorsten entsteht so mit vielen Partnern ein deutschlandweit einzigartiges Netzwerk für Kinder und Jugendliche mit kognitiver Hochbegabung.

„Es scheitert für kein Kind am Geld und es scheitert für kein Kind am Weg – das ist unser Ziel“, so Daniela Kasche.

HerausForderung e. V. freut sich über Spenden

HerausForderung e.V. benötigt weitere Unterstützung. Dr. Stefanie Marzian und Daniela Kasche arbeiten ehrenamtlich – und investieren jede Woche viele Stunden Arbeit, um unkomplizierte Ansprechpartner für betroffenen Familien und pädagogisches Personal zu sein, mit Stiftungen und Wissenschaftlern zu beraten und sich parallel selbst fortzubilden. Die Arbeit finanziert sich komplett über Spenden von Privatpersonen, Firmen und Stiftungen. Viele Dorstener haben schon geholfen. Es gibt zwei Wege, HerausForderung zu unterstützen.

1. durch Spenden: Spendenkonto: HerausForderung e.V. IBAN DE67 4265 0150 1000 6866 40.

2. Gemeinsam mit der Stiftung „Its for Kids – weil jedes Kind eine Chance verdient hat“ sammelt HerausForderung e.V. alte Handys (Marke und Alter egal, kann auch defekt sein) und Münzen (Währung und Alter egal, Reste aus der Urlaubskasse sind willkommen).

Wer sein altes Gerät oder Münzen spenden möchten, kann sie beim Lichterfest am 7. November (Sonntag) am Stand des Vereins HerausForderung abgeben. Dort stehen Sammelbehälter bereit. www.herausforderung.online

Über die Autorin
Redaktion Dorsten
Seit 20 Jahren als Lokalredakteurin in Dorsten tätig. Immer ein offenes Ohr für die Menschen in dieser Stadt, die nicht meine Geburtsstadt ist. Das ist Essen. Ehefrau, dreifache Mutter, zweifache Oma. Konfliktfähig und meinungsfreudig. Wichtige Kriterien für meine Arbeit als Lokalreporterin. Das kommt nicht immer gut an. Muss es auch nicht. Die Leser und ihre Anliegen sind mir wichtig.
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Claudia Engel

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