Homeschooling ist gerade für Schüler mit Lernschwierigkeiten problematisch. © picture alliance/dpa
Homeschooling

Grundschüler mit Zukunftsängsten: Dorstener Lerntherapeutin berichtet

Das Homeschooling ist für Schüler und Eltern eine Belastungsprobe. Das gilt besonders für Schüler mit Lernschwierigkeiten. Eine Lerntherapeutin erzählt, welche Probleme sie wahrnimmt.

Dr. Simone Kauer nimmt die Auswirkungen des Lockdowns und des damit verbundenen Homeschoolings jeden Tag wahr und das von zwei Seiten. Einerseits hat die Dorstenerin selbst drei Kinder an drei verschiedenen Schulen und erlebt so mit, welche Herausforderungen der Alltag mit sich bringt. Andererseits leitet sie das Duden Institut für Lerntherapie in Wesel.

Dort werden Schüler aller Altersstufen mit Lernschwierigkeiten betreut. „In der Schule haben diese Schüler Hilfe durch den Lehrer, aber auch durch ihre Klassenkameraden, denen sie Fragen stellen können. Alleine am heimischen PC zu sitzen, ist für sie eine Riesenherausforderung“, macht Simone Kauer deutlich.

Eltern werden zu „Übersetzern“

Weil die Schüler Probleme haben, sich selbst zu organisieren und zu motivieren, komme es stark darauf an, wie die Eltern sie unterstützen können. „Die Eltern sind quasi als Übersetzer gefragt“, veranschaulicht die Lerntherapeutin. Gerade Kinder mit Lese-Rechtschreib-Schwäche brauchen noch einmal genaue Informationen zu den Aufgaben.

„Die Kinder brauchen meist deutlich länger. Die Eltern fühlen sich verpflichtet, daneben zu sitzen, bis sie fertig sind. Das sorgt nicht unbedingt für gute Stimmung“, berichtet Simone Kauer. Die Schüler sprechen im Gespräch mit ihr häufig ihre Sorgen an. Kinder und Jugendliche, die den ersten Lockdown bereits miterlebt haben, könnten offener über das Thema reden. So sagten auch Grundschüler bereits: „Ich habe Angst, ins Hintertreffen zu geraten.“

Ängste der Eltern nehmen zu

Man dürfe nicht unterschätzen, wie sehr sich Kinder an ihren Leistungen messen und das Gefühl, nicht gut zu sein, auch in andere Lebensbereiche, etwa den Sport, mitnehmen. „Die Schüler ziehen sich eher zurück und verlieren ihre Selbstsicherheit. Es wird ein großes Problem, das aufzuholen“, beobachtet Simone Kauer.

Dr. Simone Kauer aus Dorsten ist Lerntherapeutin und hat tagtäglich mit Schülern und deren Eltern zu tun.
Dr. Simone Kauer aus Dorsten ist Lerntherapeutin und hat tagtäglich mit Schülern und deren Eltern zu tun. © privat © privat

In den Gesprächen mit den Eltern nimmt sie wahr, dass diese deutlich größere Angst als noch im ersten Lockdown haben, dass ihre Kinder viel Unterrichtsstoff verpassen. „Es entstehen extreme Ängste. Ich kenne kein Elternpaar, das sagen könnte, dass ihr Kind ohne Einbußen durch die Zeit gekommen ist“, unterstreicht Simone Kauer.

Teilweise eskaliert die Situation

Die Eltern fühlten sich teilweise sehr überfordert. Sie seien zwar geübter als im vergangenen Frühling, aber auch genervter. „In einigen Haushalten eskaliert die Situation. Die Eltern sagen: Das kann ich mit drei Kindern im Homeschooling nicht stemmen“, bekommt Simone Kauer mit. Dabei würden dann ältere Kinder häufig weniger berücksichtigt.

Auch die Politik habe zuletzt wenig zur Entspannung der Eltern beigetragen. „Es ist eine ganz große Verunsicherung entstanden, wann und wie die Kinder zur Schule gehen. Es fehlt Kontinuität“, stellt die Dorstenerin fest.

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Bastian Becker

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