Diana Einhaus muss ihren Glückauf-Grill in Hervest schließen. Den Imbiss hatte sie einst von ihrer langjährigen Chefin Marlies Rosin übernommen. © Robert Wojtasik
Coronakrise

Glückauf-Grill in Dorsten: Insolventer Kult-Imbiss muss schließen

Die Coronakrise fordert ein prominentes Opfer: Der weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Kult-Imbiss „Glückauf-Grill“ ist insolvent. Bis Jahresende will die Inhaberin noch durchhalten.

In Dorsten geht ein Stück Imbiss-Geschichte zu Ende. Der Glückauf-Grill in Hervest ist insolvent. Wann genau Diana Einhaus zum letzten Mal die Tür abschließt, ist noch offen. Zurzeit steht erst mal viel Papierkram an.

„Beim ersten Termin mit dem Anwalt habe ich kein Wort rausbekommen“, sagt die Imbiss-Inhaberin. „Ich hab‘ einfach nur geheult.“ Bis Jahresende würde sie gern noch durchhalten. Ob das klappt, kann sie aber noch nicht sagen.

Mit der Soforthilfe im Frühjahr konnte Einhaus noch etwas überbrücken. Nun kommt schon eine ganze Weile nur noch die Hälfte von dem rein, was benötigt wird, um den Laden am Laufen zu halten und auch selbst einigermaßen davon leben zu können.

Zuletzt quasi alles alleine gemacht

„Ich bin ja auch Einzelkämpferin“, sagt die 53-Jährige. „Hier für den Unterhalt sorgen, zu Hause für den Unterhalt sorgen – das wird allein irgendwann schwierig. Aber es hat immer Spaß gemacht.“ Um Kosten zu sparen, hat sie zuletzt fast alles alleine gemacht. Löhne für ihre drei Mitarbeiterinnen sei sie aber nicht schuldig geblieben.

Für viele gehört der Glückauf-Grill zu Hervest wie die Zeche oder die Josefskirche. Über die Jahre hat sich der kleine Imbiss aber auch über die Stadtgrenzen hinaus einen Namen gemacht.

Ein Stammkunde hat dieses Miniatur-Modell angefertigt. Es war ein Geschenk für die Wirtin.
Ein Stammkunde hat dieses Miniatur-Modell angefertigt. Es war ein Geschenk für die Wirtin. © Robert Wojtasik © Robert Wojtasik

Als eine der 50 kultigsten Imbissbuden im Revier hat der Glückauf-Grill es in den Pommesführer Ruhr geschafft. Jon Flemming Olsen, bekannt als Imbisswirt Ingo in Olli Dittrichs „Dittsche“, schrieb ein ganzes Buch als Liebeserklärung an die deutsche Imbisskultur – und widmete dem Glückauf-Grill ein eigenes Kapitel.

Kultcharakter hat der Glückauf-Grill vor allem, weil die Zeit dort stehen geblieben zu sein scheint. Alles so lassen, wie es ist, hat Diana Einhaus einmal auf die Frage nach ihrem Geheimrezept geantwortet. Deshalb gibt es auch bis heute noch die bunte Tüte, was vor allem jüngere Kunden zu schätzen wissen. Auf der Karte mag die Hühnerleber irgendwann einmal der Frühlingsrolle gewichen sein, aber im Grunde steht noch genau das drauf, was Marlies Rosin ihren Gästen schon in den Siebzigern servierte.

Marlies Rosin (Mitte), hier auf einem Archivbild mit ihren Mitarbeiterinnen Wally Schliesing und Sabrina Seidel, eröffnete den Glückauf-Grill im Jahr 1976.
Marlies Rosin (Mitte), hier auf einem Archivbild mit ihren Mitarbeiterinnen Wally Schliesing und Sabrina Seidel, eröffnete den Glückauf-Grill im Jahr 1976. © Michael Klein (Archiv) © Michael Klein (Archiv)

Die Mutter von Sternekoch Frank Rosin eröffnete den Glückauf-Grill im Jahr 1976. Später wurde das Gebäude als Teil der Zechensiedlung unter Denkmalschutz gestellt. Die gebürtige Thüringerin Diana Einhaus arbeitete acht Jahre für Marlies Rosin, ehe sie den Betrieb im Jahr 2010 von ihrer Chefin übernahm. Bis heute stehen beide regelmäßig in Kontakt.

Denn so läuft das nun mal im Glückauf-Grill: „Kameradschaft wird hier großgeschrieben“, sagt Diana Einhaus. „Hier haben sich schon viele alte Zechenkumpel nach Jahren wiedergetroffen.“ Über ein paar Ecken kennt am Ende jeder jeden. „Das ist schon eine geile Gemeinschaft, das hast du sonst nirgendwo.“

Über den Autor
Redakteur
Einst aus Sachsen nach Westfalen rübergemacht. Dort in Münster und Bielefeld studiert und nebenbei als Sport- und Gerichtsreporter gearbeitet. Jetzt im Ruhrpott gelandet. Seit 2016 bei Lensing Media.
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Robert Wojtasik

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