Reiner Nordmann ist sauer auf die Deutsche Glasfaser. Der Schriftzug auf dem Werbeschild, das er bei Vertragsabschluss vor mehr als drei Jahren in seinen Vorgarten gesteckt wurde, ist längst verblasst. © Guido Bludau
Schnelles Internet

Glasfaser: Nach drei Jahren Warten platzt einem Betroffenen der Kragen

Seit drei Jahren wartet Reiner Nordmann wie viele Dorstener auf schnelles Internet. Jetzt platzt ihm der Kragen, die Deutsche Glasfaser reagiert dagegen einsilbig auf seine Kritik.

Es war der 5. Oktober 2018, als Reiner Nordmann den Vertrag für schnelles Internet mit der Deutschen Glasfaser unterschrieb. Jetzt ist seine Geduld erschöpft: „In unserer Stichstraße wurde bis heute nicht einmal gebuddelt. Bei uns liegt kein Leerrohr und unsere Nachfragen bei der Deutschen Glasfaser bleiben allesamt unbeantwortet“, sagt er drei Jahre später.

Werbeschild ist längst verblichen

Reiner Nordmann und seine Ehefrau wohnen am Prozessionsweg in Wulfen. Während im südlichen Bereich des Stadtteils Glasfaser-Anschlüsse verlegt wurden, warten Familie Nordmann und viele andere Wulfener, dass die Deutsche Glasfaser endlich ihren Vertrag erfüllt. Die Aufschrift auf dem kleinen Schild, das damals bei Familie Nordmann im Vorgarten platziert wurde, ist verblichen. Deutlicher könnte man den zeitlichen Verzug kaum dokumentieren.

Bei etlichen Wohnungen liegen die Leerrohre immerhin schon bis zur Haustür. Doch sehr oft fehlen die Durchbrüche ins Haus und vor allem die Glasfaser-Adern auf den letzten Metern. Die Erdarbeiten für den weiteren Glasfaserausbau in Wulfen sind völlig zum Erliegen gekommen.

Die ausführende Firma wurde seit Monaten nicht mehr gesehen. Ihr Baubüro an der B 58 ist nicht besetzt. Alle schweren Arbeitsmaschinen sind abgezogen worden. Der Bauplatz und das Kabellager am Bahnhof in Wulfen sind verwaist, die bereits gebaute Verteilerstation am Wittenbrink ist abgesperrt.

„Ostern 2019 sollte alles fertig sein“

Reiner Nordmann gehörte im Oktober 2018 nach eigenen Angaben mit zu ersten Kunden der Deutschen Glasfaser in Wulfen. „Ostern sollte alles fertig sein“, erinnert er sich. Allein in den letzten Monaten habe er 50-mal angerufen. „Teilweise wurde sogar aufgelegt. Die Kundenhotline ist ein Witz. Ich habe einen Vertrag abgeschlossen und den soll die Firma auch erfüllen.“

Teilweise werden die Anrufer an die ausführende Baufirma „Zehner“ verwiesen. „Ruft man dann diese Handynummer an, wird man auch nur vertröstet. Die Ansprechpartner wechseln ständig“, berichtet Nordmann. Einige Betroffene

möchten dem Vernehmen nach aus dem Vertrag mit der Deutschen Glasfaser auszusteigen, andere pochen auf Vertragserfüllung, auch weil sie schnelles Internet fürs Arbeiten im Homeoffice dringend benötigen.

Und die Deutsche Glasfaser? Die reagierte auf Anfrage der Redaktion einsilbig. Ein Unternehmenssprecher ließ ausrichten: „Deutsche Glasfaser steht in regelmäßiger und enger Abstimmung mit der Stadt Dorsten und arbeitet gemeinsam mit dem beauftragten Baupartner täglich daran, den Ausbau der neuen Glasfaserinfrastruktur möglichst reibungslos durchzuführen.“

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Veränderungen gab es immer, doch nie waren sie so gravierend. Und nie so spannend. Die Digitalisierung ist für mich auch eine Chance. Meine journalistischen Grundsätze gelten weiterhin, mein Bauchgefühl bleibt wichtig, aber ich weiß nun, ob es mich nicht trügt. Das sagen mir Datenanalysten. Ich berichte also über das, was Menschen wirklich bewegt.
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Stefan Diebäcker
Freier Mitarbeiter
Als „Blaulicht-Reporter“ bin ich Tag und Nacht unterwegs, um über Einsätze von Polizei und Feuerwehr seriös in Wort und (bewegten) Bildern zu informieren. Dem Stadtteil Wulfen gehört darüber hinaus meine besondere Leidenschaft. Hier bin ich verwurzelt und in verschiedenen Vereinen aktiv. Davon profitiert natürlich auch meine journalistische Arbeit.
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Guido Bludau

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