Giftige Raupe verdrängt in Dorsten das Coronavirus

dzEichenprozessionsspinner

Die Coronakrise ist noch nicht vorbei, doch viele Dorstener haben inzwischen ein dringlicheres Gesundheitsproblem: den Eichenprozessionsspinner. Der „Raupenmelder“ schlägt hundertfach Alarm.

Dorsten

, 15.06.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Aus der Corona-Hotline der Stadtverwaltung ist inzwischen eine EPS-Hotline geworden. „In 80 Prozent der Anrufe geht es um den Eichenprozessionsspinner“, bestätigte jetzt die Erste Beigeordnete Nina Laubenthal. Doch nicht nur telefonisch (02362/66 32 32) können Raupennester gemeldet werden.

Viel Lob für den Raupenmelder

Der neue Raupenmelder auf der Homepage der Stadtverwaltung (eps-raupenmelder.dorsten.de/) kommt offenbar sehr gut an. „Sehr informativ und übersichtlich, aber auch einfach in der Handhabung“ sei er nach Auffassung vieler Nutzer, sagt Nina Laubenthal. „Er wird sehr gut angenommen, das bedeutet für uns in der Abarbeitung eine enorme Erleichterung.“

Bis Mitte letzter Woche waren auf unterschiedlichen Kanälen bereits 720 EPS-Meldungen im Rathaus angekommen. Bäume an 324 Standorten waren laut Laubenthal befallen, davon seien Nester in 259 Bereiche bereits abgesaugt worden. Zum Vergleich: 2019 gab es insgesamt etwas mehr als 1000 Raupeneinsätze.

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„Die Ausbreitung ist bislang sehr verteilt, wir können nicht von sogenannten Hotspots reden“, sagt Laubenthal. Im vergangenen Jahr war die EPS-Plage in Wulfen, Hervest, Holsterhausen und in der Feldmark besonders schlimm. Es gebe nun berechtigte Hoffnungen, dass die Plage nicht so schlimm ausfalle wie im letzten Jahr. „Es fällt aber auch auf, dass die Entwicklung der Raupen, bedingt durch Nachtfrost mancherorts, sehr unterschiedlich ist.“

Schulen und Kitas haben Vorrang

Seit Ende April sind Eichen im Umfeld von Kitas und Schulen präventiv behandelt worden. Sie stehen in der Prioritätenliste ganz oben, es folgen Friedhöfe und Seniorenheime. Dieses Konzept war im letzten Jahr beschlossen worden. „Wir haben Bäume an 28 Standorten vorab behandelt, aktuell gibt es dort keine Nester“, betont die Erste Beigeordnete.

Die giftigen Härchen der kleinen Raupen können Hautreizungen, aber auch andere allergische Reaktionen und Atembeschwerden auslösen. Bäume an Spielplätzen werden übrigens nicht bevorzugt behandelt, sondern im Notfall gesperrt. Begründung: Anders als Schulen müssen Spielplätze nicht aufgesucht werden.

Wenn Bäume am Spielplätzen befallen sind, werden die Anlagen möglicherweise gesperrt. Schulen und Kitas sind in der Priorität für die Raupenbekämpfung weit oben, Spielplätze nicht.

Wenn Bäume am Spielplätzen befallen sind, werden die Anlagen möglicherweise gesperrt. Schulen und Kitas sind in der Priorität für die Raupenbekämpfung weit oben, Spielplätze nicht. © Guido Bludau (Archiv)

Was die Stadt besonders freut: Fünf Grundstückseigentümer haben sich mittlerweile gemeldet, die bereit sind, städtische Bäume in unmittelbarer Nähe ihrer Gärten auf eigene Kosten mitbehandeln zu lassen.

Alternative Methoden

Sprühen und absaugen - das sind die bekannten Methoden, den Eichenprozessionsspinner zu bekämpfen. Dorsten testet in diesem Jahr aber auch alternative Methoden, um die Ausbreitung zumindest zu verringern. In verschiedenen Stadtteilen sind Nistkästen für Meisen aufgehangen worden. Sie gelten als natürliche Feinde der kleinen Raupen.

Auf dem Friedhof Schultenfeld in Wulfen-Barkenberg wird ein Präparat namens „TP-Nema“ verwendet. Dort stehen über 100 Eichen. Das Mittel ist deutlich teurer, soll aber angeblich keine Auswirkungen auf andere Raupenarten haben. Im Barloer Busch sind in Zusammenarbeit mit dem Hegering „EPS-Fallen“ angebracht worden - kleine Beutel mit Duftstoffen, in die sich bislang aber nach Angaben von Nina Laubenthal noch keine Raupen verirrt haben.

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