Thomas und Heike Hein helfen seit Montag bei den Aufräumarbeiten in Rheinbach. Hier lebte die Schwester von Thomas Hein vor der Hochwasser-Katastrophe © privat
Hochwasser

Geschwister in Not: Dorstener helfen im Hochwassergebiet (mit Video)

Thomas Hein lebt weit weg vom Hochwasser-Gebiet. Und doch ist der Dorstener persönlich betroffen. Seine Geschwister haben alles verloren. Nun organisiert er Hilfe, nicht nur für die Familie.

Tina lebt in Rheinbach, Jürgen acht Kilometer weiter in Swisttal-Odendorf. Seit dem vergangenen Wochenende stehen diese beiden Orte stellvertretend für die verheerende Hochwasser-Katastrophe in NRW. Die Geschwister von Thomas Hein sind in Sicherheit, haben aber nahezu alles verloren.

„Das Wasser hat enorme Schäden angerichtet“

„Schrecklich!“ In einem Wort fasst Thomas Hein seine Eindrücke aus Rheinbach zusammen. Seit Montag sind der Dorstener und seine Ehefrau Heike mit anderen Helfern in dem kleinen Ort südwestlich von Bonn. 150 Kilometer sind es von Dorsten dorthin, dann ist Thomas Hein in einer anderen Welt. „Die Häuser stehen noch“, sagt er, „aber das Wasser hat enorme Schäden verursacht.“

Noch schlimmer sei es in Odendorf. Dort haben sich Schlammmassen breitgemacht und alles mitgerissen. Tim und Lena, die Kinder von Thomas Hein, packen beim Onkel mit an. Die ganze Familie Hein hält in dieser schweren Zeit zusammen.

„Wir wollten eigentlich schon am Samstag zu meiner Schwester, aber weil die Steinbachtalsperre zu brechen drohte, sind wir in Köln umgedreht“, berichtet der Dorstener. Tina ist von einem Nachbarn evakuiert worden und über Umwege zur Nichte nach Köln gelangt. Viele Hauptstraßen waren da nicht mehr befahrbar.

Am Montag sind Thomas und Heike Hein dann erstmals ins Krisengebiet gefahren. Mit dabei: Strom-Aggregate, Wasser-Pumpen, Werkzeug. „Das Ausmaß der Schäden ist immens, aber die Hilfsbereitschaft auch“, sagt der Dorstener. „Hier hilft jeder jedem.“

„Die Aufräumarbeiten werden Monate dauern“

Das Wasser hat viele Häuser geflutet. Die Keller werden leergepumpt, das zerstörte Inventar mit Transportern weggebracht. „Die Aufräumarbeiten werden Monate dauern“, glaubt Hein. Am Dienstag sind er und seiner Frau wieder ins Krisengebiet gefahren, diesmal auch mit Verpflegung. Peter Finke vom stadtbekannten Imbiss in Holsterhausen hat sich nicht lumpen lassen, damit Einwohner und Helfer bei Kräften bleiben.

In dieser Straße lebte die Schwester von Thomas Hein – bis das Wasser kam. © privat © privat

Thomas Hein weiß auch von anderen Dorstenern, die in Rheinbach anpacken wollen. Die Elektrofirma Vennemann will am Wochenende Stromleitungen legen, „denn ohne Strom geht hier gar nichts“. Die Kaffeerösterei Tempelmann hat laut Hein 100 Kilo gemahlenen Kaffee spendiert, in den nächsten Tagen wollen auch kräftige Menschen eines Dorstener Fitnessclubs im Krisengebiet mit anpacken.

Thomas Hein freut sich über die Unterstützung. Am meisten freut er sich aber, dass Bruder und Schwester die Hochwasser-Katastrophe überlebt haben.

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Redaktionsleiter in Dorsten
Veränderungen gab es immer, doch nie waren sie so gravierend. Und nie so spannend. Die Digitalisierung ist für mich auch eine Chance. Meine journalistischen Grundsätze gelten weiterhin, mein Bauchgefühl bleibt wichtig, aber ich weiß nun, ob es mich nicht trügt. Das sagen mir Datenanalysten. Ich berichte also über das, was Menschen wirklich bewegt.
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Stefan Diebäcker

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