Gericht in Dorsten beschäftigt sich mit einem delikaten Sexual-Vorwurf

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Eine Kneipenfreundschaft wurde zum Zerwürfnis, denn ein 26-Jähriger soll versucht haben, seine Bekannte mit Gewalt zum Sex zwingen. Doch was passierte wirklich? Jetzt kam es zum Prozess.

Dorsten

, 07.08.2019, 19:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Beide waren regelmäßig Gäste in einer Kneipe im Wohngebiet „In der Miere“, merkten schnell, dass sie sich gut unterhalten konnten: über das Leben im Allgemeinen und über ihre gemeinsame Herkunft aus Barkenberg im Besonderen. Aber auch die jeweilig bevorzugten sexuellen Praktiken waren gerne mal Thekengesprächsthema zwischen einem 26-jährigen Dorstener und seiner 37-jährigen Bekannten.

Doch nach einem weiteren feucht-fröhlichen Abend in dem Lokal im März des vergangenen Jahres war plötzlich Schluss mit der Verbundenheit. Denn in jener Nacht soll der Dorstener die Frau an der Kneipen-Hinterfront mit Gewalt zu sexuellen Handlungen gezwungen haben. Eine delikate und schwierige Geschichte, mit der sich das Dorstener Schöffengericht am Mittwoch beschäftigen musste.

Große Erinnerungslücken

Der Angeklagte stritt die Vorwürfe ab, „alles war einvernehmlich“, sagte er aus. Die 37-Jährige sei aus freien Stücken mitgekommen, als er um die Ecke zum Urinieren gegangen sei. Mit heruntergelassener Hose habe er sie dort geküsst, sie habe ihn am Geschlechtsteil berührt, er habe sie an den Po gefasst, mehr sei nicht passiert. „Als ich merkte, dass uns meine Freunde beobachteten und mich auslachten, habe ich mich total geschämt.“ Beim Weggehen habe er deswegen der Frau noch einen fiesen Spruch über ihr Gewicht reingedrückt, dafür entschuldigte er sich im Gerichtssaal.

Daran, dass sie von dem Angeklagten beleidigt worden war, konnte sich die Frau nicht erinnern. Überhaupt hatte sie erhebliche Erinnerungslücken an den Abend, wie sie selbst einräumte. Sie wusste im Gerichtssaal nicht einmal mehr, ob es seinerzeit überhaupt zu sexuellen Berührungen gekommen sei.

„Gegen den Willen gepackt“

In der Rückschau wusste sie nur noch, dass sie freiwillig mit dem Mann zu einer Kellertreppe gegangen sei, es zum Austausch von Küssen kam, „dann aber hat er gegen meinen Willen meinen Hals gepackt, meinen Kopf nach unten gedrückt und wollte mich so zum Oralverkehr zwingen.“ Doch weder habe sie anschließend zur Polizei noch zum Arzt gehen wollen, „man hätte mir bestimmt nicht geglaubt“, erklärte sie. Erst auf Druck einer Freundin habe sie am nächsten Tag eine Anzeige erstattet.

Aussage gegen Aussage also. Für alle Prozessbeteiligten - auch für die Anwältin der Frau als Nebenklägerin - konnte es folglich nur eine Entscheidung geben: Freispruch für den Angeklagten. Richterin Lisa Hinkers betonte aber ausdrücklich, dass die Frau das Geschehen in dem Moment sicherlich als „sehr unangenehm“ empfunden habe.

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