Geklaute Gullydeckel und Glocken: In Dorsten gehen die Metalldiebe um

dzMetalldiebstahl

Zwei spektakuläre Metalldiebstähle sorgten zuletzt für Aufsehen in Dorsten. Das Problem tritt in Phasen auf. Das Täterprofil ist vielschichtig.

Dorsten

, 29.04.2019, 04:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

Erst verschwanden über Nacht rund 50 Gullydeckel im Stadtgebiet, dann klauten dreiste Metalldiebe vorige Woche wertvolle Bronzeglocken aus der Lagerhalle der Firma Diegner & Schade an der Gelsenkirchener Straße. Metalldiebstähle von diesem Ausmaß finden öffentlich Beachtung, der Großteil dieser Delikte spielt sich aber im Verborgenen ab.

So seien etwa Friedhöfe, aber auch Neubaugebiete bevorzugte Ziele von Metalldieben, sagt Michael Franz von der Pressestelle der Kreispolizei Recklinghausen. Gestohlen wird von Grabvasen über Kupferkabel bis hin zu ganzen Rohren alles, was sich zügig zu Geld machen lässt.

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„Metall ist immer wieder bevorzugtes Diebesgut“, sagt Franz. „Das ist seit Jahren so.“ Konjunktur hat der Metalldiebstahl laut Polizei häufig dann, wenn die Diebe bei den Abnehmern hohe Preise für ihre Beute erzielen können.

Konkrete Fallzahlen sind schwer zu ermitteln. Metalldiebstähle werden in der Kriminalstatistik nicht gesondert erfasst, sondern fließen in die große Zahl der Diebstähle mit ein. Auch beim Täterprofil lassen sich kaum allgemeingültige Aussagen treffen. „Es handelt sich nicht immer um überörtliche Täter, die da agieren“, sagt Michael Franz. „Das sind zum Teil auch örtliche, die versuchen, schnell an Geld zu kommen.“

Bis zu 5 Euro für das Kilo Kupfer

Erste Anlaufstelle für die Diebe sind die Altmetallhändler. Die zahlen bis zu 5 Euro fürs Kilo Kupfer. Aufmerksame Händler spielen eine wichtige Rolle bei der Aufklärung dieser Delikte. „Da bekommen wir schon mal eine Info, wenn es sich um besondere Mengen handelt“, sagt Michael Franz.

So kam die Polizei auch einem Mann aus dem Raum Dinslaken auf die Spur, der die gestohlenen Dorstener Gullydeckel am Tag nach der Tat einem örtlichen Metallhändler anbot. Der Händler informierte die Polizei, die den mutmaßlichen Dieb festnahm. Das Ermittlungsverfahren sei auf dem Weg, heißt es von der Polizei.

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Metalldiebe haben auch der Deutschen Bahn lange zu schaffen gemacht. Bahngleise liegen oft ähnlich versteckt wie Friedhöfe, das macht sie attraktiv für die Diebe. Im Jahr 2013 entstand der Bahn nach Angaben eines Konzernsprechers bundesweit ein Schaden in Höhe von 17,8 Millionen Euro durch Metalldiebe, die es vor allem auf Kupferkabel abgesehen haben.

Dank umfassender Präventivmaßnahmen hat die Bahn das Problem größtenteils in den Griff bekommen. Die Zahl der Fälle ist in den vergangenen acht Jahren um rund 90 Prozent zurückgegangen“, so der Bahnsprecher. 2018 habe sich der bundesweite Schaden auf rund 5,6 Millionen Euro belaufen.

Unsichtbare Beschichtung auf Kupferkabeln der Bahn

Kupferkabel der Bahn enthalten eine für das menschliche Auge unsichtbare Beschichtung, die erst unter Schwarzlicht erkennbar wird. So können Metallhändler schnell feststellen, ob es sich um Diebesgut handelt. Außerdem sind Mikropartikel enthalten: Unter dem Mikroskop werden das DB-Logo sowie eine Nummer erkennbar, mit der sich das Material einem bestimmten Streckenabschnitt zuordnen lässt.

„Diebe haben dadurch zunehmend Probleme, das Material loszuwerden“, sagt der Bahnsprecher. Und die Polizei erhält anhand der Mikropartikel genaue Hinweise auf den Tatort. Darüber hinaus setzt die Bahn vermehrt auf Glasfaserkabel, die für Diebe wertlos sind. „Wir haben auch eigene Sicherheitsleute im Einsatz, die versuchen, nachts Metalldiebe auf frischer Tat zu ertappen.“

„Grundsätzlich kann jeder Opfer eines solchen Diebstahls werden“, sagt Polizeisprecher Franz. „Wichtig ist, dass Anwohner, die etwas sehen oder hören, schnell Hinweise geben.“

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