„Geheimaufträge“: Azubi soll sich an Achtjährigem vergriffen haben

dzMissbrauchs-Prozess

Trotz eines Altersunterschieds von zehn Jahren waren ein Azubi und ein Schüler in Rhade früher nachbarschaftlich gute Spielkameraden. Jetzt geht es vor Gericht um sexuellen Kindesmissbrauch.

Dorsten, Essen

, 15.05.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach einem mutmaßlichen Sex-Übergriff auf einen zur Tatzeit achtjährigen Nachbarsjungen in Dorsten-Rhade muss sich ein 20-jähriger Azubi seit Freitag vor dem Essener Landgericht verantworten. Zum Prozessauftakt gab der Angeklagte zwar zu, mit dem Grundschüler über sexuelle Themen gechattet zu haben. Gleichzeitig beteuerte er aber, dass es keine handfesten Berührungen im Intimbereich gegeben habe. „Das ist nicht richtig“, sagte der 20-Jährige.

Der inzwischen zehn Jahre alte Schüler dagegen schilderte den Essener Richtern mindestens eine Situation, bei der es vor zwei Jahren, als man sich zum Kettcarfahren und X-Box-Spielen regelmäßig getroffen habe, eine verbotene Berührung gegeben habe.

„Fotografiere doch mal Deine Mutter unter der Dusche“

Was der Junge darüber hinaus zu berichten hatte, war dem 20-jährigen Angeklagten sichtlich unangenehm. „Er hat sich immer nackt gemacht und hat gesagt, dass ihm warm ist und sich dann ausgezogen. Dabei fand ich es gar nicht so warm“, wusste der Zehnjährige zu berichten. Neben einer merkwürdigen „Nackt-Challenge“ mit Hanteln, bei der er zugesehen habe, habe er vom Angeklagten darüber hinaus auch ständig „Geheimaufträge“ erteilt bekommen. „Das hat mir aber keinen Spaß gemacht“, sagte der Schüler.

„Fotografiere doch mal Deine Mutter unter der Dusche oder auf der Toilette“. So oder so ähnlich sollen die Geheimaufträge gelautet haben. Auch an einem Bild von der Nachbarin im Schlafanzug soll der 20-Jährige angeblich brennend interessiert gewesen sein.

Außerdem sollte der Schüler nach eigenen Angaben auf Anweisung des 20-Jährigen seine Mutter in seinem Beisein einfach mal unsittlich kneifen.

Geheimaufträge sollten im Archiv verschwinden

Damit die WhatsApp-Chats mit den Geheimaufträgen nicht von den Eltern des Nachbarsjungen entdeckt werden, soll der 20-Jährige auch diese Anweisung verschickt haben: „Wir müssen den Chat immer archivieren, damit das niemand sieht!“

Das Chatten mit dem Nachbarsjungen nickte der Angeklagte nach anfänglichem Zögern als richtig ab. Seine Erklärung für die Aufträge an das Kind, die Mutter nackt zu fotografieren oder zu kneifen („Das war aber nicht ernst gemeint“) nahm ihm Richter Volker Uhlenbrock aber nicht ab.

Fühlte der 20-Jährige sich womöglich damals zu der Nachbarin hingezogen? „Nein“, behauptete der Angeklagte leise.

Die Richter haben dem Dorstener bereits signalisiert, dass sie im Falle einer Verurteilung längerfristigen Erziehungsbedarf sehen könnten.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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