Gastronomen verwirrt: Wie viele Personen dürfen sich im Café treffen?

dzCorona-Allgemeinverfügung

Was ist erlaubt, was nicht? Bei den Gastronomen in Dorsten herrscht allgemeine Verwirrung. Kreis und kommunale Ordnungsämter haben sich nun geeinigt. Das sind die Regeln – vorerst.

Dorsten

, 16.10.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Noch am Mittwoch (14.10.) hatte der Kreis Recklinghausen erklärt, dass die Fünf-Personen-Regel auch für Gastronomiebesuche gelte. Denn in der Allgemeinverfügung von Dienstag (13.10.) wurde die 10-Personen-Regel der landesweit geltenden Coronaschutzverordnung aufgehoben: „Abweichend von § 1 Abs. 2 S. 1 Nr. 5 CoronaSchVO darf eine Gruppe im öffentlichen Raum höchstens aus fünf Personen bestehen.“

Was ist der öffentliche Raum?

An diesem Satz entzündete sich eine Diskussion über die Definition vom „öffentlichen Raum“. Der Kreis meinte damit auch Treffen in Restaurants und Cafés, die Kommunalen Ordnungsdienste (KOD) jedoch nicht.

Am Donnerstag berieten sich Kreis und KOD laut Kreissprecherin Svenja Küchmeister, um eine einheitliche Linie zu finden. Allgemein gefasst, gilt die NRW-Coronaschutzverordnung nun in Bezug auf Personengruppen in der Gastronomie und die Allgemeinverfügung des Kreises für Zusammentreffen von Gruppen in der Öffentlichkeit.

„Zeig Anstand, Halt Abstand", darum bittet die Stadt ihre Bürger, um das Coronavirus einzudämmen. Die Erinnerung hängt im Fenster einer Eisdiele.

„Zeig Anstand, Halt Abstand", darum bittet die Stadt ihre Bürger, um das Coronavirus einzudämmen. Die Erinnerung hängt im Fenster einer Eisdiele. © Lydia Heuser

Koch Sebastian Surray vom Restaurant Maas-Timpert freut sich über die Regelung, die er durch die Redaktion erfuhr. Er hatte schon begonnen, zwei Reservierungen mit je sechs Personen umzuplanen und den Gästen zwei Tische mit 1,50 Meter Abstand anzubieten. „Zuerst dachten wir, dass wir nicht zum öffentlichen Raum dazuzählen. Dann meinten befreundete Gastronomen, dass nur noch Fünfergruppen bewirtet werden dürfen und nun ist es doch anders.“

Auch Martin Böhmer, der mit seiner Ehefrau das Café Böhmer‘s in Lembeck betreibt, ist genervt. „Ich kann doch nicht alle halbe Stunde bei der Stadt anrufen und fragen, welche Regeln gelten.“

Am Donnerstag erst wendete er sich an die Hotline, weil er am Wochenende eine Trauergesellschaft bewirten will. 52 Gäste waren angekündigt. „Die Dame am Telefon wusste erst auch nicht, was gilt.“ Zwei Minuten später habe sie sich gemeldet: 25 Gäste seien erlaubt. In diesem Fall greift die Allgemeinverfügung, §1, Nr. 5, die Feste und Feiern regelt, die nicht in einer privaten Wohnung stattfinden.

Jetzt lesen

Das sind die möglichen Gruppenkonstellationen im Überblick

Aber: „Diese Regeln gelten im Moment“, schränkt Kreissprecherin Svenja Küchmeister ein, „noch haben wir die Regelungen, die von Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten vereinbart wurden, nicht schriftlich.“ Dann könne sich wieder etwas ändern. Zuerst müssen die übergeordneten Behörden die Vereinbarungen vorbereiten, damit Kreise und Kommunen schließlich darauf reagieren können. Das könne bis Anfang kommender Woche dauern.

Im Moment gilt:

  • Draußen dürfen sich fünf Personen aus fünf unterschiedlichen Haushalten treffen.
  • Im Restaurant können sich maximal zehn Personen aus zehn Haushalten treffen, es sei denn, es handelt sich um Verwandte. Treffen sich beispielsweise zwei Großfamilien, die zusammen eine Gruppe größer als zehn Personen bilden, ist das zulässig.
  • Und auch hier sind mehr als zehn Personen erlaubt: „Verwandte in gerader Linie, Geschwister, Ehegatten, Lebenspartnerinnen und Lebenspartner“ können laut Coronaschutzverordnung unabhängig davon, ob sie in einer häuslichen Gemeinschaft leben, gemeinsam ins Restaurant gehen und sich in der Öffentlichkeit treffen.
  • Draußen dürfen sich aus zwei Haushalten auch mehr als fünf Personen treffen.
  • Svenja Küchmeister gibt noch ein Beispiel: „Zwei Erzieherinnen dürfen mit zehn Kindern, die sie betreuen, ebenfalls draußen unterwegs sein.“ Der Grund: Sie gelten als feste Gruppe.

Bleibt die Frage, wie Gastronomen die Regeln kontrollieren sollen. Die Stadt verweist auf Nachfrage der Redaktion auf die Überprüfung der Kontaktlisten. Falls Zweifel bestünden, habe der Wirt das Recht, sich den Ausweis zeigen zu lassen. Zusätzlich würde das Ordnungsamt aktiv. Die Pressestelle gibt dazu bekannt: „Es finden stichprobenhafte Kontrollen der zu führenden Kontaktlisten statt.“

Lesen Sie jetzt