Ein Bankkunde hebt mit seiner Girokarte Bargeld von einem Geldautomaten ab. (Symbolbild) © picture alliance / dpa
Gerichtsprozess

Ganz miese Nummer: Konto einer 85-Jährigen komplett leer geräumt

Es waren zwei ziemliche Hammer, die sich ein Mann aus Dorsten erlaubte. Er räumte im Auftrag einer Bande das Konto einer alten Frau leer. Und ging extrem aggressiv auf Polizisten los.

Als die 85-Jährige auf wackligen Beinen, von ihrer Tochter begleitet und auf einen Rollator gestützt, den Saal 105 des Dorstener Amtsgerichts betrat, war dem Angeklagten die ganze Tragweite seiner Tat bewusst. „Wenn ich geahnt hätte, dass es eine so alte Frau ist, hätte ich das niemals getan“, schämte sich der 27-jährige Dorstener.

„Das war eine ganz miese Nummer“, warf ihm die Staatsanwältin vor. Denn der Angeklagte hatte sich im Oktober 2019 als Handlanger einer Bande verdingt, die mithilfe des Polizeitricks ihre Opfer um ihre Ersparnisse bringt. Er habe da mitgewirkt, weil die Hintermänner drohten, seiner Familie etwas anzutun, so der Dorstener.

EC-Karte vor die Haustür gelegt

Wegen schwerer familiärer Probleme sei er in diese kriminelle Szene gekommen.

Ein Bekannter bot ihm Geld an, wenn er mitmachen würde. Nach einem Anruf eines unbekannten Auftraggebers sei er bei der Seniorin vorgefahren, die auf Geheiß eines vermeintlichen Polizisten ihre EC-Karte samt PIN-Nummer vor die Haustür gelegt hatte.

Mit der Bankkarte räumte er dann an mehreren Volksbank-Geldautomaten nachts das Konto des Opfers komplett leer. Schaden: 5.000 Euro, die Hälfte davon musste der Dorstener an seinen Auftraggeber übergeben.

Mit Weinflasche in der Hand

Und dann der Vorfall vom März 2020 in einem Treppenhaus in Holsterhausen. Auch ein „ziemlicher Hammer“, wie Strafrichterin Lisa Hinkers meinte. Der in einer früheren französischen Kolonie geborene 27-Jährige hatte dort so lautstark randaliert, dass Nachbarn die Polizei riefen. Mit einer Weinflasche in der Hand fuchtelte er wild gestikulierend und verbal aggressiv in Richtung der Beamten.

„Das war ziemlich extrem“

„Das war ziemlich extrem“, sagte ein Polizist im Gerichtssaal aus. Denn der Angeklagte beschimpfte in einem wirren Sprachen-Mix eine Beamtin (die der französischen Sprache mächtig ist) mit übelsten Worten. Außerdem versuchte er, mit der Weinflasche auf den Polizisten einzuschlagen. Doch dessen Kollegin zückte rechtzeitig Pfefferspray und setzt ihn so außer Gefecht.

„Ich hatte getrunken und Kokain genommen“, so der Angeklagte. „Ich war wie von Sinnen.“ Das sei nach seinen Angaben schon daran zu erkennen zu gewesen, dass er als dunkelhäutiger Mann die weißen Einsatzkräfte als „Neger“ tituliert habe. Das hätte er doch normalerweise nicht gemacht, meinte er, weil: „Das ergibt doch gar keinen Sinn.“

Ein Jahr und sechs Monate

Da er die Taten während zweier laufender Bewährungstrafen begangen hatte, kam für das Schöffengericht diesmal nur eine Haftstrafe in Frage: ein Jahr und sechs Monate.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Geboren 1961 in Dorsten. Hier auch aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach erfolgreich abgebrochenem Studium in Münster und Marburg und lang-jährigem Aufenthalt in der Wahlheimat Bochum nach Dorsten zurückgekehrt. Jazz-Fan mit großem Interesse an kulturellen Themen und an der Stadtentwicklung Dorstens.
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Michael Klein

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