Für Leonore Henschel dreht sich (fast) alles um gutes Essen

Zum Tee bei...

Dass am Dorstener Gourmet-Himmel Sterne blinken, ist hinlänglich bekannt. In diesem kulinarischen Universum strahlt aber schon lange eine Sonne, die Leonore Henschel heißt und seit 1963 am Gemeindedreieck mit ihrem gleichnamigen „Restaurant Henschel“ beheimatet ist.

DORSTEN

17.04.2012, 15:28 Uhr / Lesedauer: 3 min
Für Leonore Henschel dreht sich (fast) alles um gutes Essen

Leonore Henschel an einer der festlich gedeckten Tafeln in ihrem Restaurant - "hier sitze ich doch nie" wehrt sie erst ab und schenkt uns dann doch ein Tässchen Tee ein.

Nicht wirklich. Hier steh ich von früh bis spät und es macht mir einfach Freude. Ich kenn‘ das gar nicht anders. Freude bei der Arbeit von früh bis spät, das klingt sehr verführerisch, für manche nicht vorstellbar, man möchte fragen: Kann man das Rezept dazu haben? Mein Mann und ich wollten immer selbstständig in der Gastronomie sein und daran haben wir hart gearbeitet. Da hat uns keiner etwas geschenkt. Es gibt dazu kein Rezept, aber es gab bei uns immer den Wunsch weiterzukommen, auf der Höhe der Zeit zu sein, modern zu bleiben.

Natürlich. Ich habe dort ja schon als junges Mädchen mitgeholfen. Am Anfang hatten wir unweit davon eine Konditorei, die Backstube war mein zweites Zuhause.

So würde ich das nicht sagen, aber wir haben eine treue Kundschaft und die kam von Beginn an aus allen Himmelsrichtungen. Diese zum Teil 30 Jahre alten Kontakte hegen wir auch bewusst. Wir machen ja so gut wie keine Werbung, aber unsere Kundenkartei wird sorgsam gepflegt und die Stamm-Gäste laden wir immer wieder zu kulinarischen Ereignissen, wie unseren speziellen „Menüwochen“ ein.

Angefangen hat das alles vor Jahren mit den besonderen „Festen“ im Haus, zu denen wir immer ein neues Gericht vorgestellt haben und das musste dann an dem Abend von allen Gästen gekostet werden. Das war unser spezieller Test für die Speisekarte. Diese Idee haben wir weiterentwickelt und bieten nun eine Woche lang ein 5-Gänge-Menü zu einem reduzierten Preis an. Das ist interessant für uns alle, die Gäste sind neugierig und genießen die Atmosphäre des Besonderen und wir können schauen, wie etwas Neues angenommen wird.

Davon habe ich gar nichts gewusst, ich habe es erst am nächsten Tag in Ihrer Zeitung gelesen.

Nein, gar nicht. Ich habe wirklich soviel zu tun, da bin ich froh, wenn ich mich auf die Aufgaben hier konzentrieren kann. Ich führe dieses Haus, ich koche alles selber, ich organisiere den Einkauf, denke mir neue Gerichte aus, ich versorge zwischendurch noch meinen Mann, der seit einem Jahr krank daniederliegt… Wissen Sie, bei mir ist sogar die Führerscheinprüfung irgendwann auf der Strecke geblieben, weil dazu nie Zeit war.

Ich liebe die Stille und in der Küche spricht keiner mit mir. Wunderbar. Natürlich ist es da umso schöner, dass mein Sohn Marco so tüchtig im Geschäft mitarbeitet, wenn auch mehr im Restaurantbereich. Wir sind ein gutes Team.

Ja, wir erfinden auch neue Sachen zusammen. Er hat ja auch Koch gelernt, im Sheraton in Essen. Unsere Speisekarte ist meist zwei Wochen lang gültig, in der Zwischenzeit müssen neue Ideen her. Das ist ein Prozess, der nie endet im Kopf. Es gibt immer etwas zu tun.

Ja, auch mal vor Mitternacht die Küche zu verlassen. Dann setze ich mich nach oben zu meinem Mann ans Bett und genieße das Zusammensein. So war es unser ganzes Leben, wir haben alles gemeinsam aufgebaut – hart gearbeitet, aber auch immer viel Freude gehabt.

Steckrübeneintopf. Köstlich. Den müssen Sie probieren!

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