Für die Viertklässler endet die Corona-Pause am 4. Mai - aber wie?

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Die Corona-Zwangspause ist für einen Teil der Grundschüler am 4. Mai vorbei. Wie genau ihr Schulalltag dann aussehen soll, steht noch nicht fest. Die Schulen warten auf Anweisungen.

Dorsten

, 22.04.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Am 4. Mai sollen die Viertklässler wieder in die Schule zurückkehren. Ihre Lehrerinnen und Lehrer sollen höchstens Gruppen von 15 Jungen und Mädchen unterrichten, die jeweils allein an einem Doppeltisch sitzen. Die Lehrkräfte in Dorsten werden den Kindern wohl zeitweise mit einer Mund-Nasen-Maske gegenübertreten.

Was machen die Kinder in den Pausen? Wie kommen sie zur Schule? Welche Fächer werden unterrichtet? Welche fallen weiterhin aus? Stehen überhaupt genügend Lehrkräfte zur Verfügung, die nicht zu den anerkannten Risikogruppen gehören? Fragen über Fragen, deren Beantwortung sich Herbert Rentmeister von der Dorstener Agathaschule in dieser Woche wünscht, damit Stadt und Schule wenigstens eine Woche Zeit hätten, sich auf die Wiederaufnahme des Schulbetriebs vorzubereiten.

Das Hygienekonzept für die Dorstener Schulen steht

Dabei sind manche Bereiche schon längst organisiert. Auch, so Schulleiter Rentmeister, weil die Stadt Dorsten über ein hervorragendes Krisenmanagement verfüge. So habe man an beiden Schulstandorten schon die hygienischen Voraussetzungen für den Schulbesuch schaffen können. Die Stadt Dorsten teilte dazu am Dienstag mit, sie habe sich in enger Abstimmung zwischen Schulleitungen, Zentralem Gebäudemanagement und Schulverwaltung darauf vorbereitet, die Gebäude entsprechend auszustatten und den Betrieb zu organisieren. Der Infektionsschutz sei sichergestellt.

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In diesem Zusammenhang gibt Rentmeister einen großen Dank an Hausmeister und Reinigungskräfte weiter: „Die machen gerade echt einen tollen Job und ziehen mit uns an einem Strang.“ Das gelte auch für die Eltern, die eine große Hilfsbereitschaft an den Tag legten, um Lehrern und Kindern die schrittweise Rückkehr in den Schulalltag zu ermöglichen.

Reichen die Lehrkräfte für Notfallbetreuung und Unterricht?

Herbert Rentmeister hat seine Schulgemeinde während der bisher fünfwöchigen Corona-Krise stets auf dem Laufenden gehalten. Der Pädagoge: „Transparenz ist wichtig, deshalb haben wir jede neue Entwicklung auf unserer Homepage veröffentlicht.“ Zuletzt am Montag dieser Woche. In diesem Elternbrief ging es zum Beispiel um die Notbetreuung. Nach den Lockerungsbeschlüssen der Bundes- und Landesregierung haben mehr Familien darauf Anspruch.

Gleichzeitig gehören viele Lehrkräfte und OGS-Betreuungspersonal der Risikogruppe an. Rentmeister: „Sollten deutlich mehr Eltern als jetzt Kinder in die Notfallbetreuung geben, ist unser System an der Agathaschule personell überfordert. Eine Betreuungsgruppe darf fünf Kinder nicht überschreiten. Es müssen immer zwei Betreuungspersonen da sein.“

Herbert Rentmeister

Herbert Rentmeister © Foto Klapsing-Reich

Er appelliert deshalb an alle Eltern, ihr Kind wirklich nur dann in die Notfallbetreuung zu geben, wenn es keine andere Lösung gibt. Denn mit dem Start der Viertklässler am 4. Mai werde sich die Situation verschärfen, denn dann beginnt der Unterricht in zwei Lerngruppen pro Klasse. Das bindet ja auch mehr Lehrkräfte als üblich und Unterricht hat Vorrang vor Betreuung.

Schulleiter klagt: „Schule ohne Kinder ist gruselig“

Bei allen Schwierigkeiten: Rentmeister ist froh, dass sich zumindest für einige Kinder der Ausnahmezustand bald lockert. „Schule ohne Kinder ist gruselig“, sagt der erfahrene Pädagoge, der sich vor allem Sorgen um die psychisch-emotionale Situation seiner Schülerinnen und Schüler macht. „Kinder brauchen den Kontakt zu den Gleichaltrigen, das fehlt jetzt seit Wochen in Schule und Freizeit.“ Dieses Defizit treibe ihn mehr um als die Sorge um Fehlzeiten und Lehrstoff, sagt Rentmeister. „Die Fehlzeiten gelten ja für alle gleichermaßen. Sie bedeuten nicht den Untergang des Abendlandes.“

Bis die 3c wieder aufs Whiteboard gucken kann, wird noch etwas Zeit vergehen.

Bis die 3c wieder aufs Whiteboard gucken kann, wird noch etwas Zeit vergehen. © Stadt Dorsten

Er ist zuversichtlich, dass verpasster Stoff aufgeholt und kompensiert werden könne. „Das schaffen die Lehrkräfte.“ Wenn die Erstklässler diesmal nicht wie vorgesehen alle Laute im ersten Schuljahr lernen, werde der Rest eben im zweiten Schuljahr nach- und aufgeholt. Und auch die Viertklässler, die nach den Sommerferien zu weiterführenden Schulen wechseln, träfen dort ja auf Schulkameraden, die ebenfalls in der vierten Klasse wegen der Coronakrise was verpasst hätten.

Sorge um die Bildungsgerechtigkeit, nicht um den Lernstoff

Da sei alles zu schaffen. Wenn die Krise aber noch länger dauere, werde die Gerechtigkeitslücke bei der Bildung immer größer. Denn nicht alle Eltern seien gleichermaßen in der Lage, mit ihren Kindern für die Schule zu arbeiten. „Da wird die Kluft größer“, sagt der Rektor, der seinen Schülern schon 16 Briefe auf die Homepage gestellt hat, zusätzlich zu den Aufgaben und Materialien, die das Kollegium den Familien regelmäßig zukommen lässt.

Wann die Schüler der ersten, zweiten und dritten Klassen auch wieder in der Schule lernen dürfen, gehört zu den vielen unsicheren Faktoren beim Blick in die nahe Zukunft. Rentmeister: „Fest steht, die Zeit wird knapp. Vom 4. Mai bis zum Beginn der Sommerferien sind es nur 33 Schultage.“ Ob man in dieser Zeit wirklich alle Mädchen und Jungen wieder „an Bord“ nehmen kann, wagt auch der Schulleiter nicht zu prognostizieren. „Schön wär’s“, sagt er auch mit Hinblick auf so wichtige Rituale im Kinderleben wie Abschiede am letzten Schultag, aber die Verhinderung der Ausbreitung des Virus‘ gehe weiterhin vor.

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