Dechant Dr. Stephan Rüdiger weiß um die große Herausforderung, die pastoralen Räume in Dorsten mit neuem Leben zu füllen. Er sieht sich aber nicht als alleinigen Organisator. „Da sind alle mit im Boot." © Stefan Diebäcker (A)
Priestermangel

„Fünf vor Zwölf“: Katholischen Gemeinden in Dorsten gehen die Pfarrer aus

Den katholischen Gemeinden in Dorsten gehen in den nächsten Jahren die Pfarrer aus. Der Dechant sagt: „Es ist fünf vor Zwölf!“ Der Bischof nimmt den Gläubigen zumindest zwei Sorgen.

Das Foto, das nach dem Treffen in Dorsten verschickt wurde, zeigt drei lächelnde Männer. Das Gespräch zuvor im Pfarrhaus von St. Agatha mag in großer Harmonie verlaufen sein, die Inhalte waren jedoch ernster Natur. Es ging um Priestermangel, die künftige Zusammenarbeit der katholischen Gemeinden und die „Entkirchlichung“ der Menschen.

Auf ihrer Tour durch das Kreisdekanat Recklinghausen machten Bischof Dr. Felix Genn und Weihbischof Rolf Lohmann in dieser Woche auch Station in Dorsten. Vor allem Genn, das geistliche Oberhaupt des Bistums Münster, ist ein eher seltener Gast in der Lippestadt. Und so war das Bedürfnis groß, mehr zu erfahren über das kirchliche Leben und die Strukturen in Dorsten. Und manche Probleme konkret anzusprechen.

Zum Abschluss der Tour durch das Kreisdekanat Recklinghausen kamen Dechant Dr. Stephan Rüdiger, Bischof Dr. Felix Genn und Weihbischof Rolf Lohmann (von links) im Pfarrhaus St. Agatha zusammen. © St. Agatha Dorsten

„Dorsten steht vor einem gravierenden Priestermangel“, bestätigte Dechant Dr. Stephan Rüdiger (St. Agatha) nach der Zusammenkunft. Der Bischof habe in dem einstündigen Gespräch deutlich gemacht, dass freiwerdende Stellen nicht wieder besetzt werden können. Weil es schlicht keine Kandidaten gibt.

Erster Pfarrer geht in den Ruhestand

Im nächsten Jahr geht Pfarrer Damian Varga (St. Agatha) in den Ruhestand, auch Alfred Voss (St. Laurentius) und Martin Peters (St. Matthäus) beispielsweise werden nicht mehr „ewig“ predigen. Stephan Rüdiger, deutlich jünger, ist sich sicher, dass auf die Gemeinden in Dorsten spätestens im nächsten Jahrzehnt große Veränderungen zukommen. Viel Zeit also noch, um sich neu zu strukturieren? „Nein“, sagt der Dechant, „es ist fünf vor Zwölf.“

Bischof Felix Genn hat den katholischen Gläubigen in Dorsten aber zwei Sorgen genommen. Weitere Fusionen wird es laut Pfarrer Rüdiger nicht geben. Und das Bistum denkt nicht daran, die strukturellen Veränderungen „von oben“ zu diktieren. „Wie Zusammenarbeit und Kooperationen eines Tages funktionieren könnten, soll in Arbeitsgruppen vor Ort entwickelt werden. Da sind alle mit im Boot.“

Die Katholiken in Dorsten haben es also selbst in der Hand, die neu zu schaffenden pastoralen Räume mit Leben zu füllen. „Wir wollen und müssen die Menschen wieder neu für unsere Botschaften begeistern“, waren sich Rüdiger und Genn einig. Kein einfaches Unterfangen jedoch nach Missbrauchsskandalen, massenhaften Austritten und in Zeiten, in denen ein Virus seit zwei Jahren vieles erschwert oder unmöglich macht.

Mit Unterstützung von Ehrenamtlichen nötig

Die Zukunft muss, so viel ist sicher, nur mit wenigen Hauptamtlichen und noch mehr ehrenamtlicher Unterstützung gestaltet werden. Mit Pastoralreferenten und Diakonen, die predigen zwischen Altendorf-Ulfkotte und Rhade. Der Kirche St. Agatha und dem Dechanten selbst kommen in dieser neuen Organisation zentrale Rollen zu.

Von daher verwundert es nicht, dass Felix Genn im Sechs-Augen-Gespräch der kostspieligen Sanierung von Dorstens Stadtkirche ab Ostern nochmals seinen Segen gab. Der lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Wenn nicht jetzt, wann dann?

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Redaktionsleiter in Dorsten
Veränderungen gab es immer, doch nie waren sie so gravierend. Und nie so spannend. Die Digitalisierung ist für mich auch eine Chance. Meine journalistischen Grundsätze gelten weiterhin, mein Bauchgefühl bleibt wichtig, aber ich weiß nun, ob es mich nicht trügt. Das sagen mir Datenanalysten. Ich berichte also über das, was Menschen wirklich bewegt.
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Stefan Diebäcker

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