Die Pflege der städtischen Friedhöfe in Dorsten erfordert viel mehr Personalaufwand, als die Stadtverwaltung einkalkuliert hatte. (Symbolbild) © picture alliance / dpa
Fehlkalkulation

Friedhöfe: Stadt Dorsten hat mehr als 326.000 Euro Personalkosten zu wenig kalkuliert

Die Pflege der städtischen Friedhöfe in Dorsten erfordert viel mehr Arbeitseinsatz als bislang gedacht. Um das auszugleichen, müssten die Friedhofsgebühren um 40 Prozent steigen.

Die Friedhofsgebühren in Dorsten steigen im neuen Jahr um 1,5 Prozent. So weit, so unspektakulär. Das Thema Friedhofsgebühren wird Politik und Verwaltung 2021 allerdings noch länger beschäftigen. Denn der Personaleinsatz für die Instandhaltung und Pflege der städtischen Friedhöfe ist viel höher, als bisher angenommen und kalkuliert.

„Eine vollständige Berücksichtigung des höheren Personaleinsatzes bei den Gebühren hätte eine sehr hohe Gebührenerhöhung von rund 40 Prozent zur Folge“, schreibt die Stadtverwaltung in der Beschlussvorlage zur Anpassung der Friedhofsgebühren. Im nächsten Satz schreibt sie auch, dass „dies kaum vermittelbar sein dürfte“.

16 statt 11 Vollzeitstellen

In den bisherigen Kalkulationen war die Verwaltung von einem Personaleinsatz von rund 11 Vollzeitstellen im Friedhofswesen und Personalkosten von insgesamt rund 686.600 Euro ausgegangen. Eine Auswertung ergab nun für 2019 einen Arbeitseinsatz von fast 24.500 Stunden, was laut Verwaltung 16 Vollzeitstellen entspricht. Die Personalkosten steigen dadurch gegenüber der Kalkulation 2020 um mehr als 326.000 Euro auf knapp über 1 Million Euro.

Wie man sich denn so verrechnen könne, wollten auch die Politiker im Bauausschuss wissen. „Ich war selbst erstaunt“, sagte Holger Lohse. Eine Erklärung hatte der Stadtbaurat nicht parat: „Das liegt Jahre zurück, damals hatte ich noch nicht den entsprechenden Verantwortungsbereich, um so was zu entscheiden.“

Die Verwaltung will nun prüfen, wie der deutlich höhere Arbeitseinsatz zustande gekommen ist, ob er überhaupt zu rechtfertigen ist und ob Maßnahmen ergriffen werden müssen, um den Personalaufwand zu reduzieren. Helfen soll dabei auch eine geänderte Erfassung der Arbeitszeiten ab 1. Januar 2021. Im zweiten Halbjahr 2021 soll das Thema dann wieder mit der Politik diskutiert werden.

Hohe Gebühren oder niedriger Pflegestandard?

„Es wird dann Ihre Aufgabe sein abzuwägen“, sagte Lohse in Richtung der Politiker im Bauausschuss: „Wenn wir bei den Gebühren verhaltener vorgehen, müssten wir womöglich den Pflegestandard auf den Friedhöfen absenken.“ Das wiederum täte ihm in der Seele weh, da Friedhöfe „ganz sensible Orte“ seien.

Stadtkämmerer Hubert Große-Ruiken warf noch ein, dass auch geklärt werden müsse, wie man mit der Unterdeckung in den Vorjahren umgeht und dass man das fehlende Geld normalerweise in Zukunft über die Gebühren reinholen müsse.

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Einst aus Sachsen nach Westfalen rübergemacht. Dort in Münster und Bielefeld studiert und nebenbei als Sport- und Gerichtsreporter gearbeitet. Jetzt im Ruhrpott gelandet. Seit 2016 bei Lensing Media.
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Robert Wojtasik

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