An einen Neuwagen zu kommen, ist in Dorsten aktuell nicht so einfach. Lieferengpässe bei den Herstellern führen oft zu langen Wartezeiten. © picture alliance / David Ebener/dpa
Autokauf

Folgen der Pandemie: Dorstener müssen lange auf Neuwagen warten

Dorstener Autohäuser erleben momentan eine schwierige Zeit. Oft müssen sie Käufer mit langen Wartezeiten auf Neuwagen konfrontieren. Doch nicht nur neue Autos sind betroffen.

Ende Juni hatte ein Dorstener sein neues Auto in einem Dorstener Autohaus bestellt. In acht bis zehn Wochen sollte es da sein, sagte man ihm damals. Doch die Zeit verstrich und nichts passierte. Mitte September hörte der Dorstener im Autohaus nach und erlebte eine unangenehme Überraschung: Sein Auto sei noch gar nicht gebaut, hieß es. Es gebe Lieferengpässe, der Wagen stünde frühestens Ende des Jahres auf dem Hof.

So wie ihm ergeht es derzeit einigen Dorstenern. Wer momentan ein neues Auto haben möchte, muss sich auf zum Teil lange Wartezeiten einstellen. Doch nicht nur bei den Neuwagen gibt es Probleme.

„Auf unserem Hof können Sie Fußball spielen, so leer ist der“, sagt Anton Vocks, Standortleiter beim Autohaus Audi Tiemeyer in Dorsten. Markenübergreifend gebe es momentan oft lange Lieferzeiten bei Neuwagen. Teilweise seien zudem bestimmte Ausstattungen nicht bestellbar.

„Auf unserem Hof können Sie Fußball spielen, so leer ist der“, sagt Anton Vocks, Standortleiter beim Autohaus Audi Tiemeyer in Dorsten. © privat © privat

Funkschlüssel sind bei Tiemeyer in Dorsten teilweise Mangelware

Der Grund? Der Mangel an Mikrochips. Ohne die läuft in modernen Autos jedoch nichts – sie sitzen beispielsweise in Brems- oder Fahrerassistenzsystemen, aber beispielsweise auch im Funkschlüssel. „Einige Male konnten wir dem Neuwagenkäufer erst mal nur einen statt zwei Funkschlüsseln überreichen, weil einfach nur einer ausgeliefert wurde“, erzählt Vocks.

Ein anderes Beispiel sei die Anhängerkupplung. Auch diese sei momentan oft nur schwer zu bestellen. „Denn die ist mit dem ganzen Bremssystem vernetzt und dafür braucht es die Chips“, so der Standortleiter.

Der Mangel an Mikrochips sorgt nicht nur dafür, dass Käufer lange auf ihren Neuwagen warten müssen, sondern auch dafür, dass bestimmte Ausstattungen gar nicht erst bestellt werden können. © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

Einer der Hauptgründe, warum die Mikrochips aktuell so knapp sind, ist die Pandemie. Denn sie sorgte zu Beginn für einen deutlichen Einbruch bei den Neuwagenverkäufen. Die Chip-Hersteller mussten sich also andere Abnehmer suchen – hauptsächlich Computer- und Handyhersteller. Damit fahren sie nicht schlecht, denn elektronische Endgeräte waren und sind auch in der Pandemie stark nachgefragt.

Nach dem Einbruch bei den Verkäufen folgte für die Automobilbranche jedoch ein Hoch. Viele Kunden trauen sich jetzt wieder, Geld für ein Auto auszugeben – doch nun fehlen die Chips. „Vor der Pandemie musste man auf einen Audi drei bis vier Monate warten, jetzt sind es sechs Monate bis hin zu einem dreiviertel Jahr“, erzählt Anton Vocks.

Auslaufende Leasingverträge können verlängert werden

Problematisch sei das vor allem bei Leasingwagen. Leasingverträge liefen aus, der Neuwagen sei aber noch nicht verfügbar. „Oft wird dann aber angeboten, den Vertrag zu verlängern und die Raten so lange weiter zu zahlen, bis das neue Auto da ist“, so Vocks. Bei Kunden, die zum ersten Mal ein Auto leasen würden, würden Hersteller zum Teil sogar Ersatzfahrzeuge zur Überbrückung zur Verfügung stellen.

Noch problematischer sieht Vocks jedoch die Lage bei den jungen Gebrauchtwagen: „Da herrscht absolute Ebbe.“ Oft kämen diese Autos aus dem Mietwagengeschäft. Diese Branche hatte aber enorme Einbrüche während des Lockdowns (beispielsweise durch geschlossene Flughäfen), sodass kaum junge Gebrauchte auf den Markt kämen.

Auch Werksdienstwagen gebe es kaum. „Viele Mitarbeiter waren ja sehr lange im Homeoffice“, so Vocks. Er ist sich sicher, dass sich dieses Problem noch länger hinziehen wird. Hinzu käme, dass Preissenkungen aktuell kaum möglich seien. „Früher hatten wir ein Überangebot, da wurde oft mal reduziert. Heute ist es genau anders herum.“

Thomas Ricken vom Autohaus Heddier
Thomas Ricken vom Autohaus Heddier: „Die Verfügbarkeit von Neuwagen ist – wie glaube ich in allen Häusern – teilweise stark eingeschränkt.“ © Anke Klapsing-Reich (A) © Anke Klapsing-Reich (A)

Ähnlich schwierig ist auch die Situation im Dorstener Autohaus Heddier. „Die Verfügbarkeit von Neuwagen ist – wie glaube ich in allen Häusern – teilweise stark eingeschränkt“, sagt Verkaufsleiter Thomas Ricken. Auch er sieht das Hauptproblem bei den fehlenden Mikrochips. „Viele Kunden haben Verständnis, manche stehen jedoch auch einfach ziemlich auf dem Schlauch, weil sie kein Auto mehr haben und nicht lange warten können“, so Ricken.

Über die Autorin
Redaktion Dorsten
Ich bin gebürtige Dorstenerin, lebe und arbeite hier. Dorsten und vor allem die Menschen der Stadt liegen mir sehr am Herzen. Wichtig sind mir jedoch auch die Kirchhellener. Seit mehreren Jahren darf ich über den kleinen Ort berichten und fühle mich daher sehr mit dem Dorf verbunden. Menschen und ihre Geschichten, Bildung und Erziehung – das sind Themen, die mir wichtig sind. Und das liegt nicht nur daran, dass ich zweifache Mutter bin.
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Manuela Hollstegge

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