Erfahren in Videokonferenzen sind Rosanna Thoben, Anna Brockmann (oben von links), Anastasia Duong und Peter Langfeld. Die Referendare am Gymnasium Petrinum müssen in Corona-Zeiten Flexibilität beweisen. © Bastian Becker
Ungewöhnliches Referendariat

Flexibilität gefragt: Dorstener Referendare müssen sich anpassen

Ihr Referendariat in Dorsten hatten sich vier angehende Lehrer etwas anders vorgestellt. Einer von ihnen wird noch einige Zeit auf die Rückkehr zur Normalität warten müssen.

Peter Langfeld ist seit dem 1. November Referendar am Gymnasium Petrinum. Seine Fächer sind Biologie und Sport. Die Sporthalle der Schule hat er allerdings noch nicht von innen gesehen. Die betritt er erst zu seinem ersten Unterrichtsbesuch, wenn er in der leeren Halle eine Stunde simuliert. Das ist bei weitem nicht die einzige Besonderheit, auf die der Lehramtsanwärter sich wie seine Kolleginnen am Petrinum, Anna Brockmann, Rosanna Thoben und Anastasia Duong, einstellen muss.

Rückmeldungen der Schüler fehlen

„Als Lehrer muss man flexibel sein, das lernen wir auf ganz besonderem Level“, meint Rosana Thoben. Zum 1. Februar haben die vier Referendare erstmals eigene Klassen im Unterricht (neun Wochenstunden) übernommen, die sie bis jetzt nur in Videokonferenzen gesehen haben. „Es geht ein bisschen was verloren, weil man so lange nicht im richtigen Klassenraum ist. Aber unsere Ausbildung ist deshalb nicht weniger wert“, unterstreicht Peter Langfeld.

Den Referendaren fehlen im Moment die Rückmeldungen der Schüler. „Man weiß nicht, wie die Schüler das finden, was man macht. In der Schule sieht man, wie sie sich angucken“, erklärt Rosanna Thoben. „Die soziale Interaktion bleibt total auf der Strecke. Das kann im Distanzunterricht nicht annähernd ersetzt werden“, bringt Peter Langfeld an. In der fünften Klasse, die Rosanna Thoben unterrichtet, haben die Schüler deshalb gefragt, ob sie nach der Stunde noch länger in der Videokonferenz bleiben dürfen, um sich zu unterhalten. „Alles dauert viel länger, die technische Ausstattung ist bei den Schülern sehr unterschiedlich“, hat Anastasia Duong bemerkt. Für Schüler, die auf die Schulplattform teilweise nicht zugreifen können, müsse eine Alternative gefunden werden.

Neue Herausforderung im Wechselunterricht

Im Seminar, in dem die Referendare ausgebildet werden, wurde das Thema digitaler Unterricht zwar thematisiert. „Dass es so schnell ging, hat aber alle überrascht. So viel hatten wir noch nicht darüber gesprochen“, berichtet Rosanna Thoben. Das wurde mittlerweile natürlich nachgeholt. „Es war zwar neu, aber an unserer Schule gut organisiert. Die Schüler sind gut auf Online-Unterricht eingestellt“, lobt Anastasia Duong.

Doch die nächste Herausforderung für die Lehramtsanwärter wartet bereits. Im Zuge der Lockerungen soll es bald Wechselunterricht geben. Die eine Hälfte sitzt mit der Lehrperson in der Klasse, die andere wird digital zugeschaltet. „Der Hybridunterricht wird für alle total neu. Es wird wichtig sein, alle Schüler richtig mitzunehmen“, glaubt Peter Langfeld. Das ist gerade bei zurückhaltenden Schülern im Videounterricht schwierig. „Auf die kann man nicht richtig eingehen. Das wird auch bei der Notenvergabe nicht einfach“, weiß Rosanna Thoben. Partner- und Gruppenarbeit, um diese Schüler einzubinden, sei nur in begrenztem Umfang möglich.

Rosanna Thobens derzeitiger Arbeitsplatz ist ihre Wohnung, nicht das Klassenzimmer.
Rosanna Thobens derzeitiger Arbeitsplatz ist ihre Wohnung, nicht das Klassenzimmer. © privat © privat

Anstrengender als Präsenzunterricht

Die Kommunikation mit den erfahrenen Kollegen läuft dagegen gut. „Es ist alles ein bisschen anstrengender, weil man sich nicht auf dem Flur trifft. Es sind aber alle gut zu erreichen“, meint Rosanna Thoben. Auch untereinander tauschen sich die Referendare häufig über ihre Erfahrungen aus.

Fünf Unterrichtsbesuche stehen im Laufe der 18 Monate Referendariat auf dem Plan. Diese werden nach Absprache mit dem Fachleiter derzeit entweder als Besuch in einer Videokonferenz oder als Simulation durchgeführt.

„Die Tage sind durch das lange Gucken auf den Monitor anstrengender als in der Schule. Ich versuche, nach dem langen Tag am Schreibtisch wenigstens eine Stunde an die frische Luft zu gehen“, schildert Anna Brockmann ihren Alltag. Die Arbeit im Homeoffice bewirkt bei Rosanna Thoben eine Verschmelzung von Freizeit und Arbeit: „Wenn ich einschlafe, denke ich an Schule. Wenn ich aufwache, ist es wieder als erstes in meinem Kopf.“

Mit Beginn des Wechselunterrichts werden die Referendare ihre Schüler erstmals persönlich treffen, ein erster Schritt zur Normalität in einem ungewöhnlichen Referendariat. Wann Peter Langfeld die Sporthalle zum Unterricht betreten darf, scheint noch völlig offen.

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Bastian Becker

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