Täter und Betrugsopfer lernten sich einem Fitnessstudio kennen. (Symbolbild). © picture alliance/dpa
Gerichtsprozess

Fitnessstudio-Bekannter entpuppt sich als dreister Serien-Betrüger

Er war spielsüchtig und brauchte immer Geld. Deshalb hat ein junger Mann aus Dorsten zahlreiche Opfer geprellt. Beim Gerichtsprozess gab es keine Milde für den Angeklagten.

Die Dorstenerin lernte den jungen Mann beim Training in einem hiesigen Fitnessstudio kennen. Ein paar Wochen später gaukelte er ihr vor, dass er dringend Geld für ein neues Auto bräuchte. Ob sie ihm nicht 2.500 Euro leihen könne? Er sei nämlich in einen Unfall verwickelt worden, doch die Versicherung habe noch nicht gezahlt.

Geld niemals zurückgezahlt

Die Frau glaubte ihm. Doch auf ihr Geld, das der Dorstener ihr spätestens zehn Tage nach der Übergabe zurückzuzahlen versprach, wartet sie bis heute. Nicht die einzige Straftat, für die sich der Mann, der aktuell hauptberuflich als Altenhilfepfleger in einem Seniorenheim und nebenbei auf 450-Euro-Basis nachts in einer Tankstelle arbeitet, am Mittwoch (17.2.) vor dem Dorstener Schöffengericht verantworten musste.

Denn der Holsterhausener hat sich als dreister Serientäter entpuppt. „Um meine Spielsucht finanzieren zu können“, wie er aussagte. Immer wieder bot er bei Ebay – meist unter dem Tarnnamen „Dore“ – unterschiedliche Sachen an. Mal ein Nachtsichtgerät, dann zwei Karten für die Oper Tannhäuser. Mal eine teure Louis-Vuitton-Tasche und ein Swarovski-Armband, dann ein Samsung-Smartphone und eine Apple Watch.

Seine Opfer überwiesen das Geld, die Ware erhielten sie nicht. 16 Fälle, Schadenssumme: gut 8.000 Euro.

In die Kasse gegriffen

Bereits im Juni 2020 hatte der Angeklagte in Dorsten vor Gericht gestanden: Als damaliger stellvertretender Marktleiter hatte er mehrfach in die Kasse einer Discounter-Filiale in Dorsten gegriffen. Und auch seinerzeit ging es um Ebay-Betrügereien, Schaden: 13.000 Euro.

Schon beim diesem ersten Prozesstermin – bei dem er zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt worden war – war bekannt geworden, dass noch weitere Vorwürfe gegen den Mann im Raum stehen würden. Doch von der Anzahl zeigte sich nun sogar sein Verteidiger überrascht. „Ich war selbst erschrocken, dass wir hier über 16 weitere Fälle reden müssen“, sagte er am Mittwoch.

Zwei Jahre und sechs Monate

Der Angeklagte, Vater eines kleines Kindes, räumte die Taten allesamt ein. Inzwischen mache er eine Therapie, um seine Spielsucht zu bekämpfen: „Ich bin clean und auf einem guten Weg“, betonte er. Dennoch: In seinem Urteil zeigte sich das Schöffengericht streng und verhängte als Gesamtstrafe eine Haftstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten.

Noch aber bleibt dem Dorstener der Weg der Berufung, um dem Gefängnis womöglich doch entgehen zu können. Doch die dürfte sicherlich nur dann von Erfolg gekrönt sein, wenn er bis zu einem etwaigen Prozess vor dem Landgericht den Schaden wiedergutgemacht. Denn nicht nur die junge Frau aus Dorsten, sondern alle Opfer haben ihr Geld bislang noch nicht wiedergesehen.

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Redaktion Dorsten
Geboren 1961 in Dorsten. Hier auch aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach erfolgreich abgebrochenem Studium in Münster und Marburg und lang-jährigem Aufenthalt in der Wahlheimat Bochum nach Dorsten zurückgekehrt. Jazz-Fan mit großem Interesse an kulturellen Themen und an der Stadtentwicklung Dorstens.
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Michael Klein

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