Die derzeitige Schließung des Freizeitbades Atlantis wird genutzt, um unter anderem das abends beleuchtete Kuppeldach zu sanieren. © Stadt Dorsten
Coronavirus

Finanzspritze fürs Atlantis, regulärer Betrieb wohl erst in einem Jahr

Wegen der Coronakrise war das Freizeitbad Atlantis in diesem Jahr schon drei Monate geschlossen. Jetzt gibt es wohl eine Finanzspritze von der Stadt - obwohl sie nicht zwingend nötig wäre.

Das Freizeitbad Atlantis ist ein Verlierer der Coronakrise. Nach der wochenlangen Schließung im Frühjahr ist das Bad schon wieder seit einem Monat dicht. Fast alle Mitarbeiter sind in Kurzarbeit, die meisten schon seit März.

Jetzt liegt ein Vorschlag auf dem Tisch, mit dem sich der Haupt- und Finanzausschuss (9.12.) und der Stadtrat (16.12.) noch vor der Weihnachtspause befassen müssen. Die Bädergesellschaft soll neben dem jährlichen „Verlustausgleich“ (870.000 Euro) eine weitere Million Euro erhalten, um die Einnahmeausfälle zu kompensieren. Mit Blick auf den städtischen Haushalt spricht Bürgermeister Tobias Stockhoff von „Vorsorge“.

Denn tatsächlich könnte die Bädergesellschaft die Verluste in diesem Jahr auch selber auffangen. Das Eigenkapital beträgt momentan fast zwei Millionen Euro. Doch Stockhoff und Kämmerer Hubert Große-Ruiken halten es für denkbar, dass es im nächsten Jahr finanziell eng werden könnte. Dann könnte sich das Atlantis selber helfen, in diesem Jahr tut eine weitere Finanzspritze offenbar nicht weh.

Überraschend hohe Gewerbesteuereinnahmen

Denn die Haushaltslage ist trotz Coronakrise und zusätzlichen Ausgaben von fast zwei Millionen Euro derzeit besser als gedacht. Vor allem die Gewerbesteuereinnahmen waren „entgegen dem bundes- und landesweiten Trend“, so Stockhoff, überraschend hoch. „In der Stadt sind offenbar verhältnismäßig wenig gewerbesteuerzahlende Betriebe von der Pandemie betroffen.“ Die Mehreinnahmen von etwa sechs Millionen Euro würden nicht nur helfen, die Einbrüche bei der Lohn- und Einkommensteuer auszugleichen, sondern eben auch die Kosten der Pandemie.

Anders die Lage im nächsten Jahr: Die Stadt wird in 2021 wegen der guten Entwicklung der Gewerbesteuer ungefähr zwei Millionen Euro an Schlüsselzuweisungen verlieren, glaubt der Kämmerer. Hinzu kommen die Belastungen aus Mindereinnahmen bei der Lohn- und Einkommensteuer und die Pandemiekosten.

Regelbetrieb wohl nicht vor Herbst 2021

Voraussichtlich wird es gelingen, diese Belastungen durch eine geringere Kreisumlage auszugleichen, „aber es ist wichtig, den Haushalt 2021 nicht auch noch mit zusätzlichen Verlusten für den Bäderbetrieb zu belasten und dadurch den Haushaltsausgleich zu gefährden“, sind sich Stockhoff und Große-Ruiken einig.

Das heißt: Mehr als die 870.000 Euro wird‘s für die Bädergesellschaft im nächsten Jahr nicht geben. Auch wenn derzeit völlig unklar ist, wann und unter welchen Bedingungen das Atlantis wieder eröffnen darf. Mit einem Regelbetrieb, wie man ihn aus Vor-Corona-Zeiten kennt, rechnet die Stadt nicht vor Herbst 2021.

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Stefan Diebäcker

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