Feuerwehrmann Jörg Wischnewski aus Dorsten will ein Leben in den USA retten

DKMS

Wer Jörg Wischnewski über den Weg läuft, der gewinnt den Eindruck, dass er ein gestandener Feuerwehrmann ist und richtig zupacken kann. Doch er ist nicht „nur“ von Beruf Lebensretter.

Dorsten

von Markus Terwellen

, 12.09.2019, 16:30 Uhr / Lesedauer: 3 min
Feuerwehrmann Jörg Wischnewski aus Dorsten will ein Leben in den USA retten

Jörg Wischnewski ist von Beruf Feuerwehrmann und spendete innerhalb eines knappen Jahres gleich zweimal Stammzellen an seinen genetischen Zwilling in den USA. © Markus Terwellen

Für Oberbrandmeister Jörg Wischnewski, der seit fast zwei Jahrzehnten seinen Dienst als hauptamtliche Kraft auf der Feuer- und Rettungswache der Dorstener Feuerwehr versieht, ist der Beruf des Feuerwehrmannes nicht nur einfach ein Job, sondern eine Lebenserfüllung und vielmehr Berufung.

Das Schicksal schlug in voller Härte zu

Dass das Schicksal in voller Härte auch bei beruflichen „Rettern“ zuschlagen kann, wurde vor einigen Jahren Jörg Wischnewski sehr bewusst. Als seine Ehefrau Birgitt an Krebs erkrankte, war plötzlich nichts mehr so, wie es einmal war. Nach vielen Höhen und Tiefen, die die Erkrankung mit sich brachte, verstarb seine Ehefrau vor ziemlich genau drei Jahren an der tückischen Krankheit. Nach dem riesigen Verlust eines liebgewonnenen Menschen und viel Trauer, war für Jörg Wischnewski aber auch klar, dass der Kopf im Sand niemandem weiterhilft. Bereits vor vielen Jahren hat er sich bei der heutigen DKMS (ehemals Deutsche Knochenmarkspenderdatei) typisieren und registrieren lassen. Die damalige Motivation zu diesem Schritt, war eine Leukämieerkrankung der Tochter eines Bekannten.

Registrierung war schon in Vergessenheit geraten

Die Registrierung war schon völlig in Vergessenheit geraten, da meldete sich plötzlich die Westdeutsche Spenderzentrale (WSZE) aus Ratingen. Die Kontaktaufnahme gestaltete sich jedoch schwierig, da der Dorstener Feuerwehrmann vor einiger Zeit umgezogen ist. Schließlich konnte der Kontakt über die Feuer- und Rettungswache in Dorsten hergestellt werden. Kurze Zeit später machte sich Jörg Wischnewski auf den Weg nach Ratingen, um dort im Labor die notwendige Kompatibilität mit dem Empfänger überprüfen zu lassen, da er als potenzieller Spender in Frage kam.

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Nach der Überprüfung hörte er zunächst lange Zeit nichts mehr aus Ratingen. Ein halbes Jahr später erfolgte erneut die Kontaktaufnahme und er fuhr wieder nach Ratingen. Spätestens jetzt wurde es ernst, da Jörg Wischnewski nun explizit danach gefragt wurde, ob die Bereitschaft zur Spende in letzter Konsequenz besteht. Nach weiteren Untersuchungen und einer Wartezeit von zwei Wochen war dann klar, dass eine Spende kurz bevorsteht. Um Stammzellen spenden zu können, bekam Jörg Wischnewski ein Medikament, das er sich über sieben Tage selbst verabreichte. Dabei handelte es sich um einen Botenstoff (G-CSF), der es möglich macht, dass die Zahl der Stammzellen im Blut erhöht wird.

Genetischer Zwilling lebt in den USA

Bevor er jedoch für eine Woche nach Hause entlassen wurde, wurde ihm eines ganz besonders klar gemacht. Wenn er jetzt eine Spende verweigern würde, bedeute dies zeitgleich eine absolute Lebensgefahr für seinen genetischen Zwilling, denn dieser muss für die Spende ebenfalls vorbereitet werden. Dabei wird das Immunsystem des Empfängers auf null gesetzt. Dementsprechend verfügt er dann über keinerlei Abwehrkräfte und wird für diesen Zeitraum komplett isoliert. Da Jörg Wischnewski sich allerdings vorher ausführlich mit der Thematik auseinandergesetzt hatte, zu seinem Wort steht und kein Freund von langen Erzählungen ist, sagte er einfach nur ruhrpotttypisch: „Lass gehen, mach fertig!“

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Nach einer Woche war es dann soweit, die Entnahme der Stammzellen stand auf dem Plan. Sein genetischer Zwilling, der übrigens in den Vereinigten Staaten lebt und US-Bürger ist, wurde für die Transplantation vorbereitet und konnte die Spende nun empfangen.

Jörg Wischnewski, der im Kollegenkreis auch einfach „Bärchen“ genannt wird, fühlte sich anschließend sehr gut und wurde zügig wieder nach Hause entlassen. Nach der Entnahme der Stammzellen und der Vorbereitung zur Spende war für Jörg Wischnewski klar, dass er es jederzeit wieder genauso machen würde und als Lebensretter einer anderen „Art“ zur Verfügung steht.

Jörg Wischnewski wurde in zweites Mal um Hilfe gebeten

Eine sehr seltene Tatsache wurde ein Jahr später zur Gewissheit, denn der Empfänger der Spende in den USA erkrankte erneut und Jörg Wischnewski wurde ein zweites Mal um Hilfe gebeten. Er ließ praktisch alles stehen und liegen und war sofort bereit wieder zu helfen. Für ihn stand somit fest, dass ihn ein weiteres Mal das identische Szenario aus dem vergangenen Jahr bevorsteht. Die wiederholte Einnahme des notwendigen Botenstoffes bescherten Jörg Wischnewski zwar grippeähnliche Symptome, allerdings waren diese schnell wieder abgeklungen.

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Die zweite Spende ist jetzt knapp einen Monat her und Jörg Wischnewski hat mittlerweile wieder seinen Dienst bei der Feuerwehr aufgenommen. Eine nachträgliche Betreuung durch die WSZE findet in einem großen Umfang statt. Ob die Spende die endgültige Rettung des US-Bürgers bedeutet, kann Jörg Wischnewski frühestens nach zwölf Monaten in Erfahrung bringen. Jörg Wischnewski, ein Mann mit dem Herz am richtigen Fleck, hat die Probleme seiner Mitmenschen trotz seines persönlichen Schicksalsschlages nie aus den Augen verloren.

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