Dr. Stephan Rüdiger ist Pfarrer der Pfarrei St. Agatha in Dorsten. © Bistum Münster
Fastenzeit

Fasten im Lockdown: Soll man jetzt noch mehr verzichten, Pfarrer Rüdiger?

Keine Kontakte, keine Kultur, keine Restaurants: Das Leben ist von Verzicht geprägt. Am Kerngedanken des Fastens ändert auch Corona nichts. Geht ein Leben im Lockdown als Fastenopfer durch?

Bald ein Jahr ist das Leben nun schon mehr oder weniger von Verzicht geprägt. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie haben das kulturelle Leben zum Erliegen gebracht, Restaurants bleiben weiter ohne echte Perspektive geschlossen und Freunde treffen ist auch nicht drin.

Was aktuell bleibt, sind das eigene Zuhause und kleine Freuden, die man seinen Lieben und sich dort machen kann.

Für manche ist da ein gutes Essen oder ein Glas Wein am Abend ein letzter Rest Lebensqualität. Aschermittwoch (17.2.) hat nun die Fastenzeit begonnen. Einen Corona-bedingten Ausfall der Fastenzeit gibt es natürlich nicht. Sollte man sich jetzt also noch mehr zurücknehmen?

Dreiklang der östlichen Bußzeit

In der römisch-katholischen Kirche heißt die Fastenzeit „österliche Bußzeit“. Es geht darum zu fasten, das Gebet zu intensivieren und Almosen zu geben. Dieser Dreiklang soll helfen, „sich selbst zurückzunehmen und eine neue Beziehung zu Gott und den Menschen zu finden“, erklärt Pfarrer Stephan Rüdiger (St. Agatha).

Aus rein menschlicher Sicht stelle sich aktuell aber tatsächlich die Frage, ob man den aufgedrückten Verzicht sozusagen als Fastenopfer gelten lassen könne, so Pfarrer Rüdiger: „Ich würde sagen: Ja! Das würde schon gehen.“

„Geht um die Frage, was mich beschäftigt“

Sinn des Verzichts ist es ohnehin nicht, einfach nur 40 Tage kein Fleisch zu essen oder keinen Alkohol zu trinken. „Es geht um die Frage, was mich beschäftigt“, sagt Pfarrer Rüdiger. Für manche sei es das Smartphone, für andere der Alkohol oder das Fernsehen.

Sich dann bewusst zu entscheiden, darauf zu verzichten und sich selbst zu zeigen, dass man über sich hinauswachsen kann, das sei der eigentliche Gedanke des Fastens. „Meistens hat es dann auch den positiven Effekt, dass man eben auch etwas für seine Gesundheit tut.“

In der Coronazeit bekommt man die Fastenopfer nun quasi aufgedrückt. Und da kann es laut Pfarrer Rüdiger eben auch einen guten Effekt haben, wenn man sie positiv für sich wendet: „Wenn ich nicht ins Restaurant kann, nehme ich das eben als Chance, zum Beispiel schön mit der Familie zu Hause zu kochen.“

Über den Autor
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Einst aus Sachsen nach Westfalen rübergemacht. Dort in Münster und Bielefeld studiert und nebenbei als Sport- und Gerichtsreporter gearbeitet. Jetzt im Ruhrpott gelandet. Seit 2016 bei Lensing Media.
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Robert Wojtasik

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