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„Fast zwei Todesfälle“: Warum Anwohner in Lembeck um ihr Leben fürchten

dzGeschwindigkeitsmessung

Die Rhader Straße ist gesperrt, Ortskundige nehmen einen Schleichweg über den Endelner Weg - oft zu schnell. Anwohner fürchten sogar um ihr Leben. Für Autofahrer kann das teuer werden.

Lembeck

, 25.05.2019 / Lesedauer: 3 min

„Zu schnell.“ Sabina Radau sagt es ohne Schadenfreude. Sie hat ein gutes Gefühl dafür, wann sich Autofahrer nicht ans Tempolimit halten. Wie zum Beweis blickt sie wenige Sekunden später auf das kleine Display: Mit 47 km/h war der „letzte Übertreter“ demnach auf dem Endelner Weg unterwegs. Und der ist an dieser Stelle eine Tempo-30-Zone.

„Fast zwei Todesfälle“: Warum Anwohner in Lembeck um ihr Leben fürchten

Das Display zeigt an: Der „letzte Übertreter" war mit 47 km/h in der Tempo-30-Zone unterwegs. © Stefan Diebäcker

Sabina Radau steht mit dem dunkelblauen Messwagen nicht zum ersten Mal an der Nebenstraße in Lembeck. Der Endelner Weg ist einer von 168 Messpunkten in Dorsten, an denen das Ordnungsamt mehr oder weniger oft die Geschwindigkeit kontrolliert. Diesmal gibt es allerdings einen aktuellen Anlass: Die Rhader Straße ist seit einigen Tagen gesperrt, Ortskundige nutzen die kleine Straße als Schleichweg ins Dorf. Aber viele schleichen eben nicht.

Anwohner beklagen lebensgefährliche Situationen

„Fast zwei Todesfälle“ hat Dieter Mende dort in den vergangenen Tagen erlebt. „Wenn ich selbst einmal nicht zur Seite gesprungen wäre, hätte mich wohl ein Lkw erwischt“, sagte der Lembecker in dieser Woche im Bauausschuss. Mende ist dort sachkundiger Bürger für die SPD, forderte verstärkte Kontrollen - und machte sich damit in seinem Dorf womöglich keine Freunde.

Denn die Sperrung der Rhader Straße, der Verbindungsstraße zwischen Autobahn und Dorf, wird auf der A 31 beispielsweise schon am Freudenberg angekündigt. „Die Umleitung nach Lembeck ist recht weiträumig“, bestätigte Georg-Karl Lann (Ordnungsamt) den Politikern im Bauausschuss.

Nur Einheimische nutzen den Schleichweg

Was im Umkehrschluss bedeutet: Wer den Endelner Weg benutzt, kennt sich aus, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit Einheimischer. Und sollte eigentlich wissen, dass die schmale Straße, auf der auch Radfahrer, Jogger und Traktoren unterwegs sind, nahe der Wohnsiedlung nur mit Tempo 30 befahren werden darf.

„Fast zwei Todesfälle“: Warum Anwohner in Lembeck um ihr Leben fürchten

In der Nähe des Wohngebietes wird der Endelner Weg zur Tempo-30-Zone. © Stefan Diebäcker

Es gibt schon länger Hinweise, dass auf diesem Weg die zulässige Geschwindigkeit von vielen Fahrzeugen überschritten wird. „Messungen im Januar 2019 haben dies bestätigt“, sagt Stadtsprecher Ludger Böhne. Die Stadt Dorsten hat daraufhin die Genehmigung einer Messstelle für mobile Geschwindigkeitskontrollen bei der Polizei beantragt und aufgrund der Datenlage auch erhalten. „Insofern konnten wir nun sehr schnell reagieren“, so Böhne.

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Sabina Radau hat den dunkelblauen VW Caddy am frühen Morgen auf einem frisch gemähten Seitenstreifen im Schatten eines nahen Baumes und unweit der Häuser abgestellt. Der „Super-Blitzer“ misst Fahrzeuge in beide Fahrtrichtungen. Wer in Richtung Dorf und mit überhöhter Geschwindigkeit dem Messwagen entgegenkommt, merkt nicht einmal, wenn er in die Falle getappt ist.

„Fast zwei Todesfälle“: Warum Anwohner in Lembeck um ihr Leben fürchten

Der „Super-Blitzer" stand im Endelner Feld leicht verdeckt von einem Baum. © Stefan Diebäcker

„Ich habe den Blitz hinter der Windschutzscheibe abgebaut“, sagt Sabina Radau. „Das ist technisch notwendig, denn durch das Gegenlicht der Sonne könnten die Beweisfotos sonst überbelichtet sein.“ So sind die Fotos, auf denen das Auto, das Kennzeichen und der Fahrer zu erkennen sind, gestochen scharf.

„Hier wird oft zu schnell gefahren“

Die Eindrücke der Anwohner bestätigen sich bald. „Hier wird oft zu schnell gefahren“, sagt Sabina Radau. „Das hätte ich nicht gedacht.“ Und die Autofahrer, die aus dem Dorf kommend Richtung Westen fahren, beachten oft die Rechts-vor-Links-Regelung an der Wittestraße nicht.

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Binnen vier Stunden sind an diesem Vormittag 69 Verkehrsteilnehmer zu schnell unterwegs gewesen, bestätigt die Pressestelle der Stadt später, 60 fuhren in Richtung Dorf. „Etwa 30 Verkehrsteilnehmer hatten das Tempolimit um mehr als 20 km/h überschritten“, bilanziert Stadtsprecher Ludger Böhne.

Die Baustelle auf der Rhader Straße soll spätestens Ende nächster Woche aufgehoben werden. Dann wird vermutlich wieder etwas weniger Verkehr sein auf dem Endelner Weg. Trotzdem wird Sabina Radau wiederkommen mit dem Messwagen, schon sehr bald. Und vielleicht wieder einen Kaffee von Anwohnern bekommen. Aus Dankbarkeit.

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