Familienvater gibt am Kanal in Dorsten Drogen an Minderjährige weiter

dzGerichtsprozess

Im heißen Sommer 2018 tummelten sich viele Menschen am Kanal. Darunter auch ein 35-jähriger Mann - er soll dort Drogen an Minderjährige abgegeben und zwei Mädchen sexuell belästigt haben.

Dorsten

, 19.08.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Sommer war heiß vor zwei Jahren. Am Wesel-Datteln-Kanal in Dorsten kam nahe einer Brücke wochenlang eine Traube von Menschen zusammen, mal waren es 30, mal 50, mal noch mehr. Darunter ein 35-Jähriger, häufig von seiner inzwischen getrennt von ihm lebenden Ehefrau und den gemeinsamen Kindern begleitet, darunter auch eine Clique von Schülerinnen und Schülern aus Dorsten, alle 15 bis 17 Jahre alt.

Dass die jungen Leute noch nicht volljährig waren, brachte dem 35-Jährigen nun eine Verhandlung vor dem Dorstener Schöffengericht ein. Er soll nämlich laut Anklage am Kanal Betäubungsmittel in Form von Marihuana an Minderjährige abgegeben haben. Und zudem noch zwei Mädchen sexuell belästigt haben.

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Wegen Drogenbesitzes war der Mann bereits 2017 verurteilt worden. „Damals hatte ich andauernd Stress mit meiner Frau und brauchte abends Cannabis, um später schlafen zu können.“ Am Kanal aber war es nicht der Stress, der ihn zu den Joints greifen ließ. Denn: „Weil es so warm war, bekam ich vom Bier immer Kopfschmerzen“, sagte er. Marihuana habe er besser vertragen.

„Für zehn Tage ein Paar“

Allerdings habe er immer alleine und abseits von anderen gekifft, betonte er. Einmal jedoch habe er ein 17-jähriges Mädchen an dem Joint ziehen lassen, mit dem er Ende August „für zehn Tage ein Paar“ gewesen sei. Im Gerichtssaal sagte eine weitere Schülerin indes aus, auch an sie sei sein Joint rumgegangen.

Die Vorwürfe wegen der sexuellen Übergriffe wurden eingestellt. „Da ist von einige Mädchen im Vorfeld des Verfahrens dick aufgetragen worden“, so Richterin Lisa Hinkers in der Urteilsbegründung, da seien üble Sachen über den Mann erzählt worden, die sich nicht bewahrheitet hätten.

„Bedauerliches Missverständnis“

Dass der Angeklagte zwei Schülerinnen auf den Mund geküsst hatte, blieb unbestritten. Eines der Mädchen war aber sein „Sommer-Flirt“ - auch Mitglieder der Clique sagten aus, die beiden seien damals „kurz zusammen gewesen“ -, bei dem anderem Kuss sprach der Angeklagte von einem bedauerlichen „Missverständnis“.

Er wollte die 16-Jährige an dem Abend damit nämlich nur genauso verabschieden, wie es auch ihre Freunde getan hatten. Die Schülerin fand dieses Verhalten aber „nur eklig, wegen seinem Alter“, sagte sie aus. „Deswegen habe ich ihn weggestoßen, als er noch mal auf mich zukam.“

Gnädiges Urteil

Obwohl der 35-Jährige zum Zeitpunkt der ihm vorgeworfenen Taten unter Bewährung stand, zeigten sich Staatsanwältin und Schöffengericht gnädig: Weitere neun Monate auf Bewährung und 240 Arbeitsstunden - so lautete das Urteil gegen den Umschüler, in dessen Haushalt die beiden gemeinsamen Kinder wohnen und der nach eigenen Angaben mit Drogen nichts mehr am Hut hat.

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