Familienkasse verweigert Kindergeld

WULFEN Er hat alles versucht. Trotzdem wird dem Wulfener Oliver Menzel das ihm zustehende Kindergeld verweigert. Und das nur, weil sein leiblicher Vater seine Unterschrift unter die Abtretungserklärung verweigert

von Von Michael Klein

, 01.07.2008, 17:40 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das Kindergeld könnten Oliver und Annika Menzel mit ihrem Söhnchen Connor gut gebrauchen.

Das Kindergeld könnten Oliver und Annika Menzel mit ihrem Söhnchen Connor gut gebrauchen.

Oliver Menzel, geborener Gasse, ist 22 Jahre alt, in einer Dorstener Pflegefamilie aufgewachsen, seit kurzem verheiratet mit Ehefrau Annika (18) und stolzer Vater von Sohnemann Connor (fünf Monate alt). Der Wulfener hat eine Ausbildung zum Koch in der Evonik-Hauptverwaltung in Essen begonnen, weswegen ihm eigentlich Kindergeld zusteht.

Das wird normalerweise im Falle eines Studiums oder einer Ausbildung bis zum Alter von 25 Jahren ausbezahlt und würde im Falle von Oliver Wenzel 154 Euro pro Monat ausmachen. „Das ist eine Menge Geld für eine junge Familie“, sagt Monika Haase, die Schwiegermutter des Wulfeners, die mit ihrem Lebensgefährten Klaus Schlüter dem jungen Mann bei seinem Kampf mit den Behörden tatkräftig unterstützt.

Zerrüttete Familienverhältnisse

Oliver Menzel ist in zerrütte Familienverhältnisse hineingeboren worden. Seine leiblichen Eltern mussten ihre Kinder abgeben. Oliver hatte das Glück, im Alter von zwei Jahren in eine liebevolle Pflegefamilie in Dorsten aufgenommen zu werden. Bei Ursula und Udo Menzel fühlte er sich so wohl, dass er ihren Nachnamen annahm.

Pflege-Familie Menzel bekam Kindergeld für Oliver, bis der nach der Schule im Alter von 18 Jahren auszog, weil er ein selbständiges Leben führen wollte. Er ging zur Bundeswehr, fing eine Lehre an, brach diese ab, lernte Annika kennen und seiner kleinen Familie zuliebe startete vor einem Jahr einen beruflichen Neuanfang.

Antrag über die leiblichen Eltern 

Damit begann die Odyssee durch die Behörden. Die Familienkasse der Agentur für Arbeit in Recklinghausen lehnte seinen Kindergeld-Antrag ab, mit der Begründung, nach dem Erlöschen des Pflegeverhältnisses müsse der Antrag über die leiblichen Eltern laufen. Da der Vater in Mühlheim-Kärlich lebt, wurde Oliver Menzel an die Arbeitsagentur Hanau in Hessen verwiesen. „Die wollte mit der Unterschrift meines Vaters bestätigt haben, dass er mir das Kindergeld abtritt“, erzählt Oliver Menzel.

Gemeinsam mit seinen Schwiegereltern machte er seinen leiblichen Vater ausfindig. „Wir haben alles soweit vorbereitet und ihm zugeschickt. Er hätte nur unterschreiben müssen“, sagt Klaus Schlüter. Doch der Vater weigert sich bis heute, sein Einverständnis zu geben. Im Gegensatz zur leiblichen Mutter, die erklärt hat, dass das Kindergeld an Oliver ausgezahlt werden kann.

Gesetzeslücke muss geschlossen werden

„Das ist doch eine Gesetzeslücke, die geschlossen werden muss“, fordert Pflegevater Udo Menzel. Unterstützung hat die junge Familie Menzel trotz Anfragen bislang nicht bekommen, weder vom Petitionsausschuss des Bundestages noch von der Stadt Dorsten. Auch eine Rechtsanwältin hat nicht helfen können. Damit, dass Oliver Menzel eine eidesstattliche Versicherung vorgelegt hat, dass der Vater jeglichen Kontakt ablehne, hat er der Familienkasse in Hanau unbewusst in die Karten gespielt. „Weil der Vater nicht mitspielt, müssen wir den Antrag ablehnen“, habe der Sachbearbeiter in seinem letzten Schreiben erklärt.

Keine Ausbildungshilfe

„Der Vorgang wird solange verschleppt, bis wir aufgeben“, befürchtet Schwiegermutter Monika Haase. Sie fragt sich, warum die Behörde keinen Ermessen-Spielraum hat. „Hier verlangt doch nachweislich keiner etwas, was ihm nicht zusteht.“ Besonders schlimm findet sie es, dass Oliver bei seinem geringen Ausbildungsgeld in Höhe von 450 Euro eigentlich Anspruch auf Berufsausbildungshilfe hätte. Doch die wird ihm mit der Begründung verwehrt, er sei ja Kindergeld-berechtigt. 

 

 

   Monika Haase sucht andere Betroffene, die Ihr weiterhelfen können: Tel.: 02369/209248.

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