Familie Jawanda gibt vom Vater gegründetes Restaurant „Bei Mario“ auf

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Seine italienischen Pizzabäcker-Kollegen nannten ihn einfach Mario. Der Spitzname wurde in Dorsten zur Marke. Jetzt hat Familie Jawanda das Lokal „Bei Mario“ aufgegeben.

Dorsten

, 10.09.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Harmail Singh Jawanda als 18-jähriger Auswanderer aus dem indischen Bundesstaat Punjab im Ruhrgebiet landete, hat er sich sicher nicht träumen lassen, dass er als Gastronom in Dorsten eine Institution werden würde.

Schon gar nicht, dass er gastronomisch als „Mario“ durchs Leben gehen, sein Restaurant sogar „Bei Mario“ heißen würde. Der Namensgeber des Restaurants, das zuletzt an der Alleestraße 20 ungezählte Gäste bewirtet hat, hat den Umzug von der Essener Straße zur Alleestraße 2004 nicht mehr miterlebt, er starb im gleichen Jahr zu früh.

Die Italiener konnten den indischen Vornamen nicht aussprechen

Bis dahin hatte er mit viel Herzblut und Leidenschaft gemeinsam mit seiner Frau Gursharanjit Kaur Jawanda das Lokal geführt. Mit dem Gastronom Michele Bonfiglio verband den Inder eine langjährige Freundschaft und Geschäftsbeziehung, die ihm einst einen Aufenthalt in Italien einbrachte. Seine Tochter Jessica erzählt aus der Familiengeschichte: „Papa sollte in Italien das Kochen lernen und vor allem, wie man original italienische Pizza macht. Und weil seine Kollegen seinen Namen nicht aussprechen konnten, nannten sie ihn einfach Mario.“

Von Michele übernahm „Mario“ schließlich die Pizzeria im Turmgässchen an der Essener Straße. Für Tochter Jessica und ihren älteren Bruder Prabjot gehörte „Bei Mario“ von Geburt an zu ihrem Leben. Beruflich haben sie sich jedoch anders orientiert. Beide Kinder haben studiert, Prabjot hat seinen Master in Informationstechnik. Jessica arbeitet nach einer Ausbildung zur Hotelkauffrau und einem Bachelor in Betriebswirtschaft an ihrer Masterarbeit im Personalwesen.

Familie Jawanda will Dorsten nach 33 Jahren verlassen

Damit ihre Mutter sich nach den anstrengenden Jahrzehnten in der Gastronomie endlich etwas mehr Ruhe gönnen kann, hat die Familie beschlossen, „Bei Mario“ für immer zu schließen. „Für uns ist es nun an der Zeit, den Anker zu lichten und die Segel zu setzen“, sagt Jessica Jawanda, mag aber nicht verraten, wo es die Familie nach 33 Jahre in Dorsten nun hinzieht.

„Auf jeden Fall verlassen wir die Stadt mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagt die junge Frau und verbindet dieses Statement mit einem herzlichen Dank an all die treuen Gäste und Freunde für ihre zahlreichen Besuche und die jahrelange Unterstützung: „Ohne Euch wäre ,Bei Mario‘ nicht das, was es geworden ist.“

An der Alleestraße haben die Jawandas ihre Immobilie an den Betreiber eines sizilianischen Restaurants vermietet. Jessica Jawanda legt außerdem Wert auf die Feststellung, dass jedes Restaurant unter dem Namen „Bei Mario“ nicht mehr mit ihrer Familie in Verbindung steht.

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