Corinna Franzen in ihrer feuchten Wohnung. © Guido Bludau
Wasserschaden im Mietshaus

Familie ist am Ende: Wasser läuft in Wohnung, Nachbar stellt sich taub

Für eine Familie aus Dorsten hat im Januar eine harte Bewährungsprobe begonnen. Seitdem dringt Wasser in ihre Wohnung. Zwei Zimmer sind unbewohnbar. „Wir sind am Ende“, sagt die Mutter.

Familie Franzen aus Dorsten war bis Januar 2021 zufrieden mit ihrem Leben. Eine schöne Wohnung an der Barkenberger Allee 114 über zwei Etagen, beide Eltern berufstätig, zwei heranwachsende Kinder. Seit dem 6. Januar 2021 geht der Familienfrieden den Bach runter.

Gesundheitsgefährdender Schimmel macht sich an den Zimmerdecken breit.
Gesundheitsgefährdender Schimmel macht sich an den Zimmerdecken breit. © Guido Bludau © Guido Bludau

„Uns fiel auf, dass unsere Wände und Decken im Wohnzimmer und in einem Kinderzimmer plötzlich nass waren. Schimmel bildete sich“, sagt Corinna Franzen. Der Schaden sei noch am selben Tag der Vermieterin Velero gemeldet worden. „Daraufhin ist leider nicht viel passiert“, so Corinna Franzen.

Familie Franzen richtete sich so gut es eben ging auf die neue Situation ein. „Zwischen wummernden Heizlüftern und Eimern in zwei Zimmern, die das Wasser auffangen. Bei Regen ist es besonders schlimm.“ Belastender aber ist, dass der siebenjährige Sohn vorübergehend zur zwölfjährigen Tochter ins Zimmer einziehen musste, weil sein Zimmer zurzeit unbewohnbar ist.

„Unsere Tochter leidet unter Autismus. Sie kann es nicht ertragen, wenn jemand ihre eigene Ordnung stört – für unsere zwölfjährige Diana ist jede Bewegung von Arian in ihrem Zimmer eine Störung, mit der sie nicht fertig wird.“

Corinna Franzen wünscht sich, dass die Velero umgehend den Wasserschaden behebt und die Wohnung wieder hergestellt werden kann. Das würde die Wohnungsgesellschaft auch gerne tun. Doch die zeitlichen Verzögerungen hängen nicht mit der Vermieterin zusammen.

Ursache für die Wasseransammlung ist bekannt

„Die Ursache für den Wasserschaden in der Wohnung der Familie Franzen ist der darüber liegende Balkon. Wir gehen davon aus, dass hier ein Regeneinlauf undicht ist“, sagt Anke Sostmann, Sprecherin des Unternehmens. Leider seien alle Kontaktversuche gescheitert, um in die Wohnung des Mieters über der Familie Franzen zu gelangen.

Bis in den Keller des Mehrfamilienhauses ist das Wasser vom Balkon eines Mieters ins Haus eingedrungen. Der Schaden konnte bislang nicht behoben werden.
Bis in den Keller des Mehrfamilienhauses ist das Wasser vom Balkon eines Mieters ins Haus eingedrungen. Der Schaden konnte bislang nicht behoben werden. © Guido Bludau © Guido Bludau

„Der Nachbar hat bislang auf keinerlei Kontaktversuche reagiert. Er hat Schreiben bekommen, Handwerker haben geklingelt. Das ist sehr unerfreulich für uns alle“, so Anke Sostmann.

Velero kann Gerichtsbeschluss erwirken

Als letztes Mittel behält sich die Velero rechtliche Schritte vor: „Wenn Gefahr in Verzug ist, kann die Vermieterin mit einem Gerichtsbeschluss auch ohne Zustimmung des Mieters in die Wohnung gelangen, um die Ursache für den Wasserschaden zu beheben.“ Die Kosten für das Verfahren und den zusätzlichen Aufwand trage dann der Mieter; auch für alle Maßnahmen, die bislang wegen seiner fehlenden Mitwirkung eingeleitet werden mussten.

Corinna Franzen, Mann Waldemar und die beiden Kinder sind es leid, zu warten. „Wir nehmen uns frei, um für die Handwerker bereit zu stehen. Wir machen alles, damit unsere Wohnung wieder hergestellt werden kann“, sagt sie.

Velero unternimmt am Dienstag einen letzten Vorstoß

Am Dienstag nach Ostern will die Velero mit ihren Handwerkern einen weiteren Vorstoß unternehmen, um den Schaden zu beheben. Der hat sich mächtig ausgeweitet. Auch der Keller im Mehrfamilienhaus steht mittlerweile unter Wasser.

Sollte sich der Nachbar weiter querstellen, gibt es für die Velero noch eine weitere Karte, die sie ziehen könnte. Das wäre dann aber die denkbar teuerste Lösung, wie Anke Sostmann erfahren hat. „Man könnte von außen über Leitern versuchen, auf den Balkon zu gelangen, um den schadhaften Ablauf zu reparieren“, sagt Anke Sostmann. Das würde dann auf Kosten des Mitbewohners gemacht, der die Handwerker nicht eingelassen hat.

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Redaktion Dorsten
Seit 20 Jahren als Lokalredakteurin in Dorsten tätig. Immer ein offenes Ohr für die Menschen in dieser Stadt, die nicht meine Geburtsstadt ist. Das ist Essen. Ehefrau, dreifache Mutter, zweifache Oma. Konfliktfähig und meinungsfreudig. Wichtige Kriterien für meine Arbeit als Lokalreporterin. Das kommt nicht immer gut an. Muss es auch nicht. Die Leser und ihre Anliegen sind mir wichtig.
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Claudia Engel

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