Familie Huxel wohnt in ehemaliger Kirche

Ganz besonderes Ambiente

Rollerfahren im Wohnzimmer. Mittagessen am 5-Meter-Tisch aus Kirchenbänken. Und ein Büro auf der Chor-Empore – das neue Wohnhaus der Familie Huxel strotzt vor originellen Extras.

Wulfen-Barkenberg

, 29.12.2017, 16:32 Uhr / Lesedauer: 3 min
Von außen gesehen wirkt das ehemalige Kirchengebäude am Hetkerbruch 1 wie ein geräumiges, aber ganz normales Wohnhaus.

Von außen gesehen wirkt das ehemalige Kirchengebäude am Hetkerbruch 1 wie ein geräumiges, aber ganz normales Wohnhaus. © Foto: Anke Klapsing-Reich

Die Kirche der Neuapostolischen Gemeinde Wulfen-Barkenberg steht zum Verkauf? Die Anzeige, die Thorsten Huxel vor einigen Jahren im Immobilien-Portal entdeckte, weckte seine Neugier, der Preis eher nicht.

2010 waren die drei Neuapostolischen Gemeinden in Dorsten aufgrund schwindender Mitgliederzahlen fusioniert. Während die Standorte in Hervest (Am Funkenberg) und in Wulfen-Barkenberg (Hetkerbruch 1) profaniert und aufgegeben wurden, baute man den Standort Holsterhausen an der Zeppelinstraße zur Heimat für alle Gemeindemitglieder aus. Im Herbst 2011 wurde das erweiterte Zentrum feierlich eingeweiht.

Doch einen Käufer für die Ex-Kirche in Barkenberg zu finden, war offensichtlich gar nicht so leicht. So stand das Gebäude zu deutlich günstigeren Konditionen auch 2016 noch zum Verkauf. Ein Fingerzeig Gottes? Familie Huxel schlug zu und kaufte es. „Das ist unser Projekt“, entschloss sich der studierte Hochbauarchitekt mit Schreinerlehre, ein Stückchen Selbstverwirklichung zu wagen.

Mühsame Prozedur


Von der ersten Besichtigung im Oktober 2015 bis zum Einzug vor wenigen Monaten war es allerdings ein mühevoller Weg: Verhandlungen mit den Banken, Verkauf des Hauses in Hervest, Übergangswohnen mit Kind und Kegel auf 60 Quadratmetern im Haus der Eltern, Einzug in eine Baustelle mit behelfsmäßiger Matratzenschlafstätte, und dann der lange, immer wieder von Rückschlägen heimgesuchte Planungsprozess, wie man eine Kirche zu einem Wohnhaus umbauen kann.

34 Fenster eingesetzt

„Da ein Achtel des Wohnraumes Fensterfläche sein muss, haben wir die geschlossene Wand des Kirchraumes aufschlagen müssen“, hat Thorsten Huxel im gesamten Haus insgesamt 34 Fenster mit Dreifach-Verglasung einsetzen lassen müssen. Auch die Empore, vor der einst der Chor sakrale Lieder sang, blieb entgegen erster Planungen drin. „Da richte ich mir jetzt mein Homeoffice ein“, bahnt sich der bei einer dänischen Firma angestellte Projektmanager im Ladenbau durch Umzugskisten einen Weg zum Emporenrand. Tatsächlich: Die Akustik in dem teilweise mehr als sieben Meter hohen Raum ist fantastisch. Auch der Blick aus der Höhe kann sich „gut sehen“ lassen. „Den alten Asphaltboden haben wir rausgerissen “, erzählt Thorsten Huxel.

Energetisch hochwertiges Konzept

Als Dorstener Ratsmitglied für die Fraktion der Grünen versteht es sich von selbst, dass der 43-Jährige ein energetisch hochwertiges Konzept installieren ließ: Elektrische Heizung raus und auf Holzpellets mit Schichtenladespeicher umgestellt plus 15 Quadratmeter Solarfläche als Heizungsunterstützung – so windet sich nun eine 1200 Meter lange Heizschlange unter dem Beton-Estrich-Guss.

Die Glühbirnen in den von den Decken baumelnden Lampen wurden durch sparsame LEDs ersetzt. Auch für einige Kirchenbänke hatte der Do-it-yourself-Mann eine Verwendung: „Die Sitzflächen von fünf Bänken habe ich zu einer fünf Meter langen und 1,40 Meter breiten Tischplatte zusammengesetzt“, tafelt Familie Huxel gern in großer Runde.

Baumhaus im Kinderzimmer

Es wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen, bis die Familie mit persönlichen Arbeitseinsatz all ihre Ideen verwirklicht hat. Zoras Kinderzimmer und das Familienbad „wachsen“ gerade im 1. Obergeschoss. Pauls Kinderzimmer im alten Jugendraum ist schon perfekt: „Weil ich mein Gartenbaumhaus nicht mitnehmen konnte, hat Papa mir ein Baumhaus in mein Zimmer gebaut“, springt er vergnügt in sein Holzhochbett. Er findet’s richtig cool, so viel Platz zu haben: „Meinem neuen Leuchtroller zu Weihnachten konnte ich gleich im Wohnzimmer testen.“

Tja, das gibt’s nicht überall: Auch die Schalter, die die Eheleute in ihrem Schlafzimmer – dem früheren Dienstleiterbüro – fanden, sind ganz besonders: „Von hier aus können wir die Lampen über dem ehemaligen Altar schalten“, verrät der Hausherr und ulkt: „Die schalten wir jetzt beim Aufstehen ein, dann wissen die Kinder, wann das Frühstück fertig sein muss.“

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