Familiäre Trattoria für den gehobenen Anspruch mitten im Dorf Lembeck

dzRestaurant-Check

Gut essen an schönen Orten - aber wo? In unserem Restaurant-Check testen wir für Sie die Lokalitäten in unserer Stadt. Heute: die Trattoria Sardegna da Bruno in Lembeck.

Lembeck

, 29.03.2019 / Lesedauer: 6 min

Jener Tag vor einem Jahr war ein Riesen-Schock für Bruno Scroccu. Am 27. Februar 2018 zerstörte ein Brand in seiner Trattoria in der Wulfener Straße 12 mitten im Dorf Lembeck einen Großteil seines Lokals samt Küche - und damit beinahe seinen Lebenstraum. „Zum Glück wurde niemand verletzt“, sagt er. „Aber schlechter hätte der Zeitpunkt damals nicht kommen können.“ Nämlich mitten während der damaligen revierweiten Gourmet-Aktion „Menü-Karussell“, an der der Gastronom seit vielen Jahren teilnimmt. „Ich hatte sehr viele Reservierungen von auswärtigen Gästen“, erzählt er. „Aber keine Telefonnummern, um ihnen dann wegen des Brandschadens absagen zu können.“

Die zweimonatige Feinschmecker-Reihe fand in diesem Jahr glücklicherweise wieder mit der Trattoria Sardegna statt - denn nach fast fünfmonatiger Komplettrenovierung erstrahlt das Ristorante des von der italienischen Mittelmeer-Insel Sardinien stammenden Gastronomen inzwischen in neuem Glanz. „Mir haben viele Menschen geholfen, auch hier aus Lembeck“, freut sich Bruno Scroccu, der sich für die Unterstützung mit einer Spende an die Freiwillige Feuerwehr Lembeck bedankte.

Vor allem sein Versicherungsbüro habe dafür gesorgt, dass der persönliche finanzielle Schaden nicht noch größer geworden ist. „Aber seitdem arbeite ich noch mehr als sonst“, erzählt der 52-Jährige.

Der Inhaber

1990, mit 22 Jahren, machte der Sarde seine erste Pizzeria in Herne auf. Ende 2003 zog er nach einer Rücken-OP ins sardische Heimatdorf Muravera unweit der Insel-Hauptstadt Cagliari zurück. „Nach zwei Wochen aber war es mir dort so langweilig, dass ich unbedingt wieder nach Deutschland wollte.“ In Lembeck fand Bruno Scroccu zunächst an der Schulstraße am Busbahnhof ein kleines Lokal, seit 2008 residiert die Trattoria Sardegna in der ehemaligen Gaststätte „Driks Bürken“ an der Dorf-Durchgangsstraße.

Familiäre Trattoria für den gehobenen Anspruch mitten im Dorf Lembeck

Im Keller hat der Inhaber seine eigene Nudelfabrik. © Michael Klein

Der Inhaber fühlt sich gut von den Lembeckern angenommen („Ich habe auch Stammtische hier“), mit seiner Kochkunst hat er sich aber vor allem außerhalb von Lembeck einen richtig guten Namen gemacht. Beim „Menü-Karussell“ darf nur eine Handvoll Gastronomen aus Dorsten dabei sein, „dass ich dazu gehöre, empfinde ich als Auszeichnung“, betont er.

Viele Stammgäste kommen aus Marl, Recklinghausen und Gelsenkirchen. „Sie legen Wert auf frische und qualitativ hochwertige Speisen.“ Die bietet die Trattoria Sardegna. Sogar ein Großteil der Pasta ist frisch gemacht. Im Keller befindet sich eine „Nudelfabrik“ - mit Pasteurisierung, Presse und Trockner. „Damit beliefere ich auch mal befreundete Gastronomen“, sagt er.

Die Atmosphäre

Von außen macht das Gebäude nicht allzu viel her. Doch sobald man ins rundum sanierte Innere kommt, wird es gediegen, stilvoll und sehr gemütlich. Terrakotta-Fliesen, dunkelbraunes Mobiliar und klassisch eingedeckte Tische verbreiten eine warme Stimmung. An den Wänden hängen Schwarz-weiß-Fotomotive aus der Heimat, auch Familienporträts.

Familiäre Trattoria für den gehobenen Anspruch mitten im Dorf Lembeck

Im Gastraum herrscht eine gediegene Atmosphäre. © Michael Klein

Vorne im alten Schankraum, in dem sich auch ein offener Kamin befindet, finden 20 Gäste Platz. Im abgetrennten hinteren großen Saal, der ebenfalls sehr geschmackvoll eingerichtet ist, gibt es weitere Sitzmöglichkeiten für 70 bis 80 Gäste. „Bei geschlossenen Gesellschaften auch mal mehr“, so der Chef.

Draußen gibt es eine kleine Terrasse, „ab Sommer können wir auch den Vorplatz vor der Bäckerei Spangemacher nutzen“, kündigt Bruno Scroccu an. In Italien hat er kürzlich einen Steingrill in Auftrag gegeben. „Ich will künftig Barbecue-Abende anbieten, mit Zicklein und Milchferkel am Drehspieß, wie das bei uns in Sardinien so üblich ist“, kündigt er an.

Die Speisekarte

Sie ist eher überschaubar, vier Seiten. Jeweils sechs, sieben Vorspeisen und Salate, Spaghetti-Gerichte und frische Pasta in unterschiedlichen Variationen („aus grobem Hartweizengrieß, das ist für den guten Geschmack sehr wichtig“), viele von ihnen mit frischem Fisch (Seeteufel, Zackenbarsch oder Tintenfisch) oder auf traditionelle sardische Art (wie die Ravioli mit Kartoffelfüllung, gerösteten Zwiebeln, Muskatnuss und Parmesan). Hinzu kommt eine gute Auswahl an Pizzen („Die mache ich immer noch so, wie ich es mit 14 Jahren gelernt habe“), dazu Scaloppa (Kalb), Rumpsteaks und Rinderfilet-Gerichte.

Familiäre Trattoria für den gehobenen Anspruch mitten im Dorf Lembeck

Die Spezialitäten stehen auf der Tageskarte. © Privat

Auf einer Schiefertafel präsentiert der Inhaber dann die regelmäßig wechselnden Spezialitäten. Darunter viel Fisch und Meeresfrüchte (Schwertfisch, Seezunge, Dorade, Lachs). Seine Ware bezieht er vom renommierten Food-Frischemarkt Niggemann in Bochum. „Ich lasse sie nicht liefern, sondern suche sie nur vor Ort aus“, betont Bruno Scroccu.

Das Essen

Wir haben vorweg den Vorspeisenteller „Antipasto Sardo“ (13,50 Euro) gewählt, eine gute Entscheidung: Würziger Gorgonzola, der auf der Zunge zerging, sardischer Pecorino-Käse, Parmaschinken auf Melone, Meeresfrüchte-Salat (eindeutig frisch zubereitet), verschiedene mediterrane Gemüsesorten und wohlschmeckende eingelegte getrocknete Tomaten.

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Der sardische Vorspeisen-Teller © Niklas Klein

Wenn man schon handgemachte Pasta bekommen kann, dann soll man sie auch probieren. Die Spaghetti Scoglio (12,50 Euro) suhlten sich samt ihrer Flusskrebse, Krabben und Garnelen in einer feinen Tomaten-Weißwein-Knoblauch-Sauce, die Ravioli Salmon Aurora (12 Euro) mit Lachsfüllung in bestens abgestimmter Tomaten-Sahnesauce waren ein Gedicht. Und die Pizza Melma mit Spiegelei als „Sahnehäubchen“ (9 Euro) war original italienisch: mit dünnem Boden, krossem Rand und reichlich mit frischen Zutaten belegt.

Familiäre Trattoria für den gehobenen Anspruch mitten im Dorf Lembeck

Die köstlichen Tortellini Salmone Aurora © Niklas Klein

Die Dolce (Nachspeisen) sind ebenfalls selbst gemacht, wer einen leckeren Überblick bekommen will, dem können wir die frei wählbare „Dreier-Combinazione“ (7,50 Euro) empfehlen, zu den süßen Spezialitäten gehören Zabaione, Tartufo, Panna Cotta oder Seadas, das sind sardische Teigtaschen mit Honig.

Der Service

Am Wochenende kümmern sich bis zu vier Service-Kräfte um die Gäste, die Küche ist (samt Vorbereitung am Tage) ebenso stark besetzt. Wir sind relativ spontan samstagsmittags erschienen, da übernahm der Chef selbst die Bewirtung. Sehr nett, sehr kommunikativ, geradezu familiär - wir haben uns wirklich wohl gefühlt.

Preis-Leistungsverhältnis

Wirklich gut. Der Inhaber hat seit Jahren nicht mehr die Preise erhöht. Auch wer - wie wir bei unserem Besuch - mal nicht die Feinschmecker-Variante von der Tageskarte wählt, bekommt auch für wenig Geld richtig gute Qualität geliefert. Pizzen (in zwei unterschiedlichen Größen) sind für fünf bis zehn Euro erhältlich, es gibt auch mehrere Pasta-Gerichte für sechs bis acht Euro, und Rumpsteak und Rinderfilet werden samt Tagesbeilage und Salat auch in kleinerer 180-Gramm-Variante für 15,50 Euro resp. 18,50 Euro serviert.

Familiäre Trattoria für den gehobenen Anspruch mitten im Dorf Lembeck

Frischer Fisch und frische Meeresfrüchte vom Feinkost Food Service Niggemann in Bochum sind die Spezialität in der Trattoria. © Privat

Ansonsten kosten Fisch- und Fleischgerichte zwischen 19 und 29 Euro, die frischen Pasta-Gerichte 12 bis 13 Euro, für die Qualität und Quantität auf alle Fälle angemessen.

Die Getränke

Aperitivi, Bier (0,3 l für 2,30 Euro), alkoholfreie Getränke und eine Extra-Karte mit italienischen Weinen, vom offenen Hausweinen (Glas 4,30 Euro) bis hin zu Flaschenweinen zum Preis von 13,50 Euro bis 27 Euro. Dazu eine große Auswahl von Spirituosen - Grappa-Fan Bruno Scroccu hat viele auch hochpreisige Sorten vorrätig. Und besonders viel Wert legt er auf die Zubereitung eines guten Espressos (1,80 Euro).

Besondere Angebote

Wechselnde Tageskarte, der Saal ist auch für geschlossene Gesellschaften und besondere Familienfeiern zu mieten. Auf Wunsch serviert der Inhaber spezielle Mehrgänge-Menüs. Seine selbst gemachten Nudeln können auf Wunsch verpackt erworben werden.

Familiäre Trattoria für den gehobenen Anspruch mitten im Dorf Lembeck

Die selbst gemachten Gnocchi © Michael Klein

Hin und wieder gibt es italienische Abende mit Live-Musik. Und auch Vegetarier kommen bei den Vorspeisen, Pizza- und Pasta-Gerichten auf ihre Kosten. Besonders erwähnenswert: Das Olivenöl für den Salat und die kalten Vorspeisen kommt von den familieneigenen Olivenbäumen auf Sardinien.

Kinderfreundlichkeit

„Mir ist wichtig, dass auch Kinder meine Küche kennenlernen“, sagt der Chef. „Wer möchte, bekommt für seine Kinder von allen Gerichten eine kleinere und preisgünstigere Portion oder Nudelgerichte für 5 Euro.“

Behindertenfreundlichkeit

Wer gehandicapt ist, hat über den Hinterhof einen ebenerdigen Zugang zum großen Saal. Von hier aus kommen Rollstuhlfahrer oder andere gehbehinderte Personen auch problemlos zu den Toiletten.

Fazit

Keine große Überraschung: Ein Besuch der Trattoria Sardegna ist sehr zu empfehlen. Für den netten gemeinsamen Stopp zwischendurch ebenso wie für den abendlichen Besuch mit gehobenen Anspruch.

Was sagt das Internet?

Beim Restaurant-Bewertungsportal Tripadvisor hat die Trattoria Sardegna 4,5 von 5 Punkten, das ist sehr gut. Die Gäste loben vor allem die Frische, die Auswahl, das Ambiente und die Qualität der Speisen. Auf weiteren Portalen sind insgesamt 114 Bewertungen abgegeben worden, mit einem ebenfalls guten Schnitt von 4,4 von 5 Punkten.

Reservierung und Öffnungszeiten

Trattoria Sardegna, Wulfener Straße 12 in Lembeck, geöffnet Di. bis So. 17 Uhr bis 23 Uhr, Mo. Ruhetag, Fr bis So. und feiertags auch Mittagstisch von 12 bis 14 Uhr. Reservierungen unter Tel. (02369) 20 87 33.

So funktioniert der Restaurant-Check: Wir gehen ohne Vorankündigung in die jeweiligen Restaurants - als ganz normale Gäste. Wie sind keine Gastro-Experten, sondern einfach Menschen, die gerne an schönen Orten gut essen. Wir beschreiben die Läden so, wie wir über sie auch mit unseren Freunden und Bekannten sprechen würden. Mit ihren Schwächen, mit ihren Stärken.
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