Neue Pflanzen: Exoten erobern Straßenränder und Grünflächen in Dorsten

dzNatur

Am Straßenrand und mitten in der Landschaft haben sich in den letzten Jahren viele nicht-heimische Pflanzen angesiedelt - auch die Verwandte einer „Super-Beere“. Nicht alle sind willkommen.

Dorsten

, 09.10.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ihre Früchte sehen aus wie ein „Superfood“, das wegen seiner positiven Eigenschaften für die Gesundheit teuer im Handel verkauft wird. Aufmerksamen Spaziergängern dürfte die Strauch-Art mit den lilafarbenen Blüten und den roten Beeren, die in Dorsten am Feldrand der Kämpchenstiege Wurzeln geschlagen hat, deshalb schon aufgefallen sein.

Es handelt sich bei der Pflanze aber nicht um die berühmte „Goji-Beere“, die als Jungbrunnen und Wunderwaffe gegen alle möglichen Krankheiten eingesetzt wird. „Sondern um die Wolfsbeere“, weiß der Dorstener Pflanzenexperte Martin Lokies. Aber immerhin: Die „Lycium barbarum“, so der wissenschaftlicher Name der „Wolfsbeere“, sei eine nahe Verwandte der Goji-Beere.

Durch Vögel angesiedelt

Vor allem durch „Rhizome“ - das sind unterirdische Sprossen - habe sich die Pflanze dort in Hervest ausgebreitet. Wie die Goji-Beere sei auch die Wolfsbeere normalerweise in unseren Breiten nicht heimisch, sagt Lokies. „Ursprünglich stammt sie aus Osteuropa.“ Vermutlich durch Vögel habe sich diese Beere an diesem Standort angesiedelt.

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Die Wolfsbeere habe ähnliche Eigenschaften wie die Goji-Beere. Aber: „Von der chinesischen Art gibt es eine Kulturform mit größeren und süßeren Früchten“, so Lokies. „Die Wolfsbeere hingegen schmeckt säuerlich.“

Eingeführt und ausgewildert

Die Wolfsbeere gehört hierzulande zu den „Neophyten“, den „neuen Pflanzen“, die im Laufe der Zeit - gewollt oder ungewollt- aus weit entfernten Ländern eingeführt worden sind und sich hier ausgewildert haben. Martin Lokies, gelernter Gärtner, beruflich als Pflanzen-Fachberater im Kirchhellener Raiffeisenmarkt und als Züchter von Hostas (Funkien) weit über Dorsten bekannt, kennt weitere solcher „neuen Pflanzen“ in Dorsten.

Der Japanische Staudenknöterich ist auch in Dorsten zu einem Problem geworden.

Der Japanische Staudenknöterich ist auch in Dorsten zu einem Problem geworden. © picture alliance / Frank Reichel

Als Gärtner, so erklärt er, unterteilt man „Neophyten“ in invasive Arten (die das heimische Ökosystem gefährden) und in solche, die nicht invasiv sind, also nicht die hiesigen Pflanzen verdrängen. Die Wolfsbeere breitet sich kaum aus. „Wahrscheinlich deshalb, weil der Ackerrand dort immer kurz gehalten wird“, sagt Lokies. Und auch die in Dorsten wachsende gebietsfremde „Neubelgische Aster“ (aus Nordamerika stammend) oder die eigentlich asiatisch-afrikanische Kugeldistel (die seit Jahren an der B 225 in Dorsten/Marl wächst) seien nicht invasiv.

„Nektar- und Pollenquelle“

„Die Wildbienen und Hummeln erfreuen sich an den Blüten dieser beiden Pflanzen“, so Lokies. Und im Herbst, wenn viele Pflanzen schon verblüht sind, böten die Neubelgische Aster und die Waldaster den Insekten „eine letzte Nektar- und Pollenquelle“.

Anders sieht es zum Beispiel mit dem einst von Imkern aus Indien importierten „Drüsigen Springkraut“ aus, das am Ufer der Lippe große Bestände gebildet habe. Oder mit der Kanadischen Goldrute und dem Schmalblättrigen Greiskraut (Ursprung: Südafrika) auf dem Zechengelände in Hervest. Alle drei seien invasive Arten.

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Bei der Bekämpfung solcher Arten solle besonders der „Japan-Knöterich“, der sich vor allem in Holsterhausen angesiedelt hat, im Fokus stehen. „Er wird uns mit seinem starken Wuchs noch sehr beschäftigen“, so Lokies. Diese Staude sei vom Klimawandel völlig unbeeindruckt, ihre tief reichenden Wurzeln können noch in über ein Meter Tiefe an Wasser gelangen.“

Wie Martin Lokies erklärt, hat es Neophyten, zu denen auch die ostasiatische „Ausläufer-Fetthenne“ an der Glück-Auf-Straße und der Sommerflieder am Kreisverkehr am Hervester Aldi gehören, hierzulande immer gegeben.

Viele Pflanzen „gut integriert“

Und viele Pflanzen haben sich so gut „integriert“, dass man ihnen ihre fremdländische Herkunft gar nicht mehr abnimmt. „Die meisten von uns nehmen an, dass die im Frühling wachsenden Trauben-Hyazinthen und Narzissen heimische Pflanzen sind“, sagt der Dorstener: „Doch ursprünglich stammen sie aus Südeuropa.“

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