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Jede vierte Stimme hat die AfD bei der Europawahl in einem Wahlbezirk in Wulfen-Barkenberg bekommen. Wie ist das möglich? Eine Spurensuche.

Wulfen-Barkenberg

, 27.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Als die Parteien acht Tage vor der Europawahl wie immer Werbung in der Dorstener Altstadt machten, fehlte die AfD. Sie hatte zeitgleich ihren blauen Pavillon auf dem Parkplatz am Prisma-Einkaufspark in Wulfen-Barkenberg aufgestellt. „Neben großem Lob nehmen wir auch nicht wenige Anregungen für unsere weitere Arbeit mit“, schrieb die Partei anschließend auf ihrer Facebook-Seite.

Barkenberg ist ein gutes Pflaster für die AfD

Barkenberg ist ein gutes Pflaster für die Rechtspopulisten. Bei der Landtagswahl vor zwei Jahren holten sie im Wahlbezirk 7.2 bereits 17,5 Prozent der Stimmen. Diesmal sind sie sogar stärkste Partei geworden im Barkenberger Zentrum. Jede vierte Stimme ging am Sonntag an die Alternative für Deutschland, die es offiziell in Dorsten erst seit Oktober 2018 gibt. Die Wahlbeteiligung in diesem Wahlbezirk war indes die schlechteste in Dorsten: 28,6 Prozent.

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Wer als Journalist mit den Bewohnern auf der Barkenberger Allee, im Surick oder am Himmelsberg über Politik sprechen möchte, erntet oft ein Kopfschütteln oder eine abweisende Handbewegung. „Nee, mit Euch spreche ich darüber nicht.“

„Mehr Kriminalität, mehr Flüchtlinge“

Fanny Hero und Christin Hartwich sind redseliger und erklären bei einem Kaffee an einem Kiosk, was viele Menschen in ihrer Nachbarschaft offenbar denken. „Wenn ich nicht zwölf Stunden hätte arbeiten müssen, hätte ich auch AfD gewählt“, sagt Fanny Hero. „Zum einem nimmt die Kriminalität immer mehr zu, und zum anderen erzeugt der viel zu hohe Anteil an Ausländern und Flüchtlingen hier Ärger und Neid.“

Angst, Wut, Neid: Ein Besuch in der Dorstener AfD-Hochburg

Fanny Hero, Christin Hartwich und Jessica Rieckhof (v.l.) wundern sich nicht, dass die AfD im Barkenberger Zentrum so viele Stimmen erhielt. © Bludau

Es sind genau diese Argumente, die die AfD immer wieder ins Feld führt und im Barkenberger Zentrum offenbar auf fruchtbaren Boden gefallen sind. „Mittlerweile traut man sich als Frau hier abends kaum noch raus. Unseren Töchtern verbieten wir, abends alleine weg zu gehen“, erklären die drei Frauen übereinstimmend. „Man fühlt sich einfach nicht mehr sicher. So kommt halt Hass auf.“

Laut Polizeistatistik ist Wulfen-Barkenberg kein Kriminalitätsschwerpunkt. Und der Ausländeranteil ist in diesem Ortsteil niedriger als in Hervest und Holsterhausen.

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Christin Hartwich berichtet, dass es im Viertel „für die arbeitende Bevölkerung“ nicht möglich sei, eine Wohnung mit Garten zu bekommen. Und Fanny Hero ergänzt: „Diese Wohnungen werden oftmals von der Stadt bei der LEG für Flüchtlinge angemietet und stehen dann für den freien Markt nicht mehr zur Verfügung. Viele ziehen dann weg oder wählen halt so, wie gewählt wurde.“

Auch in zwei von drei anderen Barkenberger Wahlbezirken erhielt die AfD am Sonntag überdurchschnittlich viele Stimmen. Doch nicht nur dort feierte sie Erfolge. Es wäre also falsch, den Stimmengewinn der Partei auf die vermeintlichen Probleme in einem einzigen Ortsteil zu reduzieren.

„Wir können auch in einem dezidiert bürgerlichen Umfeld ein gutes Ergebnis erreichen.“
Marco Bühne

Den Wahlbezirk am Paul-Spiegel-Berufskolleg gewann die AfD ebenfalls mit über 21 Prozent der Stimmen, in Hervest und Holsterhausen lag sie mitunter klar über dem Stadt-Durchschnitt: „Das zeigt, dass die Alternative für Deutschland auch in einem dezidiert bürgerlichen Umfeld mit seinen jungen Familien wiederholt ein gutes Ergebnis erreichen kann“, schrieb Vorsitzender Marco Bühne am Montag.

Es las sich wie eine Kampfansage für die Kommunalwahl im nächsten Jahr, in die Marco Bühne auch den Dorstener Norden mit einschloss: „Auffallend sind die großen Unterschiede zu den nördlichen, stärker ländlich geprägten Stadtteilen, bei denen wir uns noch mit Ergebnissen um die fünf bis sieben Prozent zufriedengeben mussten. Aber darauf können wir aufbauen.“

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