EU will Tattoo-Farben verbieten: Dorstener Tätowierer hat wenig Verständnis

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Eine EU-Behörde will zwei wichtige Tattoo-Farben verbieten. Ein Vorstoß, der beim Dorstener Tätowierer Pascal Kurz auf Unverständnis stößt.

von Jana Mengede

Dorsten

, 05.02.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mehr als ein Drittel aller Deutschen tragen ein Tattoo. Ein neuer Vorschlag der europäischen Chemikalienagentur ECHA will nun zumindest den farbigen Tattoos an den Kragen. Die EU-Behörde hat einen Vorschlag eingereicht, der das Tätowieren sicherer machen soll. Dieser umfasst eine Beschränkung von Stoffen, die unter anderem krebserregend und erbgutverändernd sind, Allergien auslösen oder zu Unfruchtbarkeit führen können.

In einer Erklärung auf ihrer Internetseite begründet die ECHA den Vorstoß damit, dass kaum Informationen über Tätowierfarben verfügbar sind, von ihnen aber möglicherweise Gefahren für die Gesundheit ausgehen. Darum soll die Verwendung geprüft werden.

Sollte es zu einem Verbot kommen, stünden vor allem Tätowierer vor einem Problem. Denn sie dürften die Farbpigmente Blue 15 und Green 7 künftig nicht mehr einsetzen. Pigmente sind der Hauptbestandteil der Tinten und für die Farbgebung verantwortlich.

Petition soll Verbot verhindern

Seit dem 15. Januar läuft eine Petition gegen den Vorstoß der ECHA, denn ein Verbot dieser Pigmente würden zwei Drittel aller am Weltmarkt gehandelten Farben und Farbmischungen betreffen. Daher sind sie für die globale Tattooszene unverzichtbar. Bislang wird die Petition #tattoofarbenretten - 2020 von mehr als 128.000 Personen unterstützt (Stand 4. Februar).

Auch Pascal Kurz und sein Team von Lucky Tattoo by Pascal in Dorsten haben die Petition unterschrieben. Seit 2013 betreibt Kurz das Tattoo-Studio an der Marler Straße. Sein Mitarbeiter Basti Konczak und er bemängeln das Fehlen aussagekräftiger Testergebnisse, die die These der ECHA unterstützen würden.

EU will Tattoo-Farben verbieten: Dorstener Tätowierer hat wenig Verständnis

Pascal Kurz (l.) und Basti Konczak vom Tattoo-Studio „Lucky Tattoo by Pascal“ an der Marler Straße haben wenig Verständnis für die Pläne der EU. © Jana Mengede

Vor diesem Hintergrund sei es „nicht sinnvoll“, derart strenge Regularien oder gar Verbote am Ende der Wertschöpfungskette zu implementieren. Die beiden Tätowierer fordern stattdessen strengere Richtlinien, die schon bei der Eröffnung eines Tattoo-Studios greifen.

„Jeder kann heutzutage hergehen, ein Gewerbe anmelden und ein Tattoostudio aufmachen. Mehr Voraussetzungen gibt es nicht“, sagt Pascal Kurz. Obwohl die Szene nach wie vor wächst und der Bedarf da wäre, ist das Handwerk des Tätowierens nach wie vor kein Ausbildungsberuf.

Zertifizierung von Tattoo-Farben ist wenig transparent

Ebenso unklar ist die aktuelle Zertifizierung der Tattoofarben. Zwar gibt es auch heute schon Tests zur Überprüfung der Farben, aber die Verfahren sind aus Sicht der Dorstener Studiobetreiber intransparent: „Du weißt eigentlich gar nicht, wer solche Entscheidungen trifft“, sagt Basti Konczak.

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Studio-Inhaber Pascal Kurz legt großen Wert auf nachweisbare Qualität und hat sich deswegen im Jahr 2015 vom Bundesverband Tattoo zertifizieren lassen. Seitdem unterstützt er die Ambitionen des Verbands, in Zusammenarbeit mit Gesundheitsämtern und weiteren Institutionen, bundesweit einheitliche Arbeits- und Hygienestandards einzuführen.

Geringe Nachfrage nach farbigen Tattoos

Sollte das Verbot tatsächlich kommen, würde sich zumindest der wirtschaftliche Schaden bei Lucky Tattoo in Grenzen halten. Knapp 80 Prozent der dort tätowierten Motive sind dem Black-and-Grey-Stil zuzuordnen.

Dennoch möchte sich das Team nicht in seiner Kreativität einschränken lassen oder gar Kunden wegschicken müssen, weil gewisse Farben nicht mehr verwendet werden dürfen.

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