Entwicklungspolitik in Dorsten: Jetzt sind die Dörfer an der Reihe

dzStadtentwicklung

75 Millionen Euro aus Fördermitteln sind in den vergangenen 15 Jahren in die Entwicklung Dorstens investiert worden. Vor allem drei Stadtteile haben davon profitiert. Jetzt sind andere dran.

Lembeck, Rhade

, 29.12.2019, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Erst Wulfen-Barkenberg, dann Hervest, derzeit die Altstadt - die Stadtentwicklung Dorstens konzentrierte sich in den vergangenen 15 Jahren vor allem auf drei Bereiche. Denn für die Umbauprogramme gab es viel Geld von Bund und Land, etwa 75 Millionen Euro.

In zweieinhalb Jahren ist „Wir machen Mitte“ Geschichte, dann sind die Dörfer an der Reihe. „Das ist kein Strategiewechsel“, betont Bürgermeister Tobias Stockhoff, „wir setzen neue Schwerpunkte.“

Zu klein für große Programme

„Fast selbstverständlich“ findet es der Technische Dezernent Holger Lohse, dass der Scheinwerfer ab etwa 2021 auf Lembeck und Rhade, vielleicht auch auf Deuten gerichtet wird. „Für Stadtentwicklungsprogramme ist dieser Bereich mit etwa 11.000 Einwohnern zu klein, aber natürlich spürt man die Unzufriedenheit in der Bevölkerung, dass sich hier in den letzten Jahren wenig getan hat.“ Das hatte wegen der Haushaltskonsolidierung vor allem finanzielle Gründe.

„Natürlich spürt man die Unzufriedenheit in der Bevölkerung.“
Holger Lohse

Der Dorstener Norden, wegen seines großen ehrenamtlichen Engagements immer wieder gelobt, fühlt sich trotzdem ein wenig abgehängt. Obwohl es an Ideen nicht mangelt. „Der Rahmenplan Rhade liegt seit Jahren vor, aber getan hat sich wenig“, meint Michael Haake. Auch in Lembeck, ergänzt CDU-Abgeordneter Stefan Risthaus, gibt es seit 2014 ein „Fundböro für Ideen“, ohne dass es bislang gravierende Veränderungen gegeben habe.

Ab 2021 ist „mehr Luft“ im Rathaus

Grünen-Politiker Haake, der 25 Jahre in Rhade gelebt hat und inzwischen noch ein bisschen länger in Lembeck wohnt, spricht von einer „freundlichen Erinnerung“ in Richtung Rathaus, dass nun endlich mal die Dörfer an der Reihe sein müssten. Das könnte schon deshalb klappen, weil laut Stockhoff ab 2021 und mit dem sich abzeichnenden Ende des Mitte-Programms „personell mehr Luft“ sei.

Parteiübergreifend ist man sich einig, dass der Startschuss schon 2020 erfolgen muss. Im ersten Quartal sind Gespräche geplant, in kleiner Runde zunächst, dann aber auch offen für alle Bewohner in Lembeck und Rhade. Im April oder Mai soll es Workshops geben, wie ein Dorfentwicklungsplan aussehen könnte. In Rhade reicht wahrscheinlich eine Fortschreibung des Rahmenplans.

Unterstützung aus Fördermitteln denkbar

Am Ende steht bestenfalls ein Leitbild, wofür Dorstens Dörfer stehen. Und wie sie sich beispielsweise in den Bereichen Verkehr, Wohnen und Nahversorgung in den Jahren entwickeln müssen. Dezernent Holge Lohse ist zuversichtlich, Fördermittel zu bekommen, wenn auch mit höherem städtischen Anteil. Namentlich nennt er das Programm „NRW vital“, von dem dann auch Deuten profitieren könnte, aber vielleicht ginge es auch „noch eine Nummer größer“.

Für den Dorstener Norden, glaubt der Rhader Heribert Triptrap, sind diese geografische Neuausrichtung der städtischen Entwicklungspolitik und das „vernetzte Denken“ existenziell. „Wir stehen in Konkurrenz zu den angrenzenden Kommunen.“

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