Während seine Frau und ihre Freundin sich amüsieren, hat Bernard ganz andere Probleme, denn seine Geliebte will die Affäre auffliegen lassen. In der Aula der St.-Ursula-Realschule wurde am Freitagabend das Theaterstück "Das Blaue vom Himmel" aufgeführt. © Ralf Pieper
Theater

„Endlich wieder Kultur“: 100 Theater-Besucher lachen auch mit Maske

Welches Stück aufgeführt wird, spielte für manche eine untergeordnete Rolle: Hauptsache wieder Kultur! Rund 100 Besucher waren am Freitag in der Aula der St.-Ursula-Realschule zu Gast.

Ende und Anfang zugleich. Das Theaterstück „Das Blaue vom Himmel“ am Freitagabend in der Aula der St.-Ursula-Realschule war das letzte Stück der regulären Abo-Spielzeit 2020/21 und gleichzeitig das erste, das nicht wegen Corona abgesagt werden musste.

Rund 100 Besucher kamen in den Genuss der wiederkehrenden Kulturveranstaltungen. Sie saßen maskiert über die Sitzreihen verteilt und verloren sich fast in dem 700 Personen fassenden Saal.

Bei den Besuchern überwog die Freude, das endlich wieder Kulturveranstaltungen stattfinden: Es sei schon ungewöhnlich, wieder ins Theater zu dürfen, sagte Nikolaus Woronka. „Aber wir freuen uns und hoffen, dass es so weitergeht.“

Kultur- und Rotweinentzug

„Endlich wieder Kultur“, freute sich Anja Knoblauch vor der Aufführung. „Da nehmen wir Test und Maske gerne in Kauf. Wir freuen uns nicht nur aufs Theaterstück, sondern auch auf die obligatorische „Nachbesprechung“ mit der Clique bei einem Gläschen Rotwein. Wir alle leiden nicht nur an Kulturentzug, sondern auch unter Rotweinentzug.“

Durch die Einlasskontrolle verzögerte sich der Beginn des Theaterstücks um einige Minuten.
Durch die Einlasskontrolle verzögerte sich der Beginn des Theaterstücks um einige Minuten. © Ralf Pieper © Ralf Pieper

Gabriele Kleffmann fand es zwar unangenehm, während der 90 Minuten eine Maske zu tragen, „aber trotzdem schön.“ Herbert Köning sagte: „Wir sind seit 30 Jahren treue Kunden des Theater-Abos und freuen uns, dass es wieder los geht.“ Und sein Freund Joachim Zeppke ergänzte: „Außerdem gehören wir auch zur Rotweingruppe und freuen uns auf die legendäre „Nachbesprechung.“

Ein anderer Theaterfreund brachte es auf den Punkt: „Ich weiß gar nicht, worum es in dem Theaterstück geht, aber vor mir aus könnten sie Pumuckl aufführen – ich freue mich!“

Turbulente Geschichte rund ums Fremdgehen

Nein, Pumuckl war es nicht. Die Komödie „Das Blaue vom Himmel“ ist eine turbulente Geschichte rund ums Fremdgehen. Bernard hat alles: er ist gutaussehend, reich, intelligent, sympathisch und glücklich verheiratet.

So scheint es zumindest zu sein, aber die Realität sieht anders aus: Bernard ist auch ein egoistischer Macho, konsequent untreu, ein pathologischer Lügner und Draufgänger. Kurz gesagt ein echtes Ekel. „Meine Frau sucht noch einen Parkplatz. Wir Männer sind doch nicht dazu geboren, um Parkplätze zu suchen“, meint er, als er nach einer Einladung bei seinem Freund Philippe allein vor der Tür steht.

Philippe ist das genaue Gegenteil von Bernard: nett, großzügig und vor allem ehrlich. Doch sein größter Fehler ist, dass er nie Nein sagen kann – vor allem nicht Bernard gegenüber. Als Bernards Geliebte Soraya ihm droht, ihre Affäre auffliegen zu lassen, fordert Bernard Philippe auf, ihm zu helfen und ihn vor seiner Frau zu decken. Notgedrungen willigt Philippe ein und gerät tölpelhaft in eine immer ausweglosere Situation.

Irgendwann schlägt für jeden Menschen die Stunde der Wahrheit, und dann gibt’s nur eins: Lügen, lügen, lügen! Das ist der Tenor der Komödie eines der erfolgreichsten französischen Komödienschreibers Eric Assous.

Hinter den Masken wurde viel gelacht

Eine Ekel-Macho-Figur wie Bernard ins Zentrum eines Theaterstückes zu rücken, könnte ins Auge gehen, doch – typisch französisch – gelingt es Eric Assous, dem Publikum 90 Minuten lang Spaß an der Selbstentblößung des „Frauenbenutzers“ zu bescheren.

Hinter den Masken wurde viel gelacht am Freitagabend. Die Schauspielerinnen und Schauspieler der Komödie im Bayrischen Hof München setzten die Geschichte rund um den „Lügenbaron“ perfekt in Szene.

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Freier Mitarbeiter
Es ist die Unterhaltung mit anderen Menschen bei Reportagen, das Einfangen von Stimmungen bei Veranstaltungen und die Teilnahme an verschiedensten kulturellen Events in erster Reihe, die meine Arbeit so vielfältig machen. Nachdem ich als ausgebildeter Fotograf viele Jahre „nur“ für die Bilder zuständig war, empfinde ich heute das Schreiben als zusätzlichen wertvollen Blick „hinter die Kulissen“.
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