Ein Besuch im Altenheim wird passend zum Muttertag wieder schwieriger. © drubig-photo - Fotolia

Einschränkungen zum Muttertag: Nur noch ein Besucher in Altenheimen

Kurz vor dem Muttertag wird die Zahl der gleichzeitig erlaubten Besucher pro Bewohner deutlich reduziert. Das sorgt bei vielen Angehörigen für großes Unverständnis.

Viele Mütter in fortgeschrittenem Alter leben in Alten- und Pflegeheimen. Deswegen wollen viele Söhne und Töchter sie Sonntag am Muttertag besuchen. Doch das wird jetzt wieder schwieriger. „Wir haben Sonntag Muttertag und alle Bewohner dürfen nur eine Person empfangen“, wundert sich Renate Neuhaus. Die Mutter der Dorstenerin ist 88 Jahre alt, wohnt in der Seniorenresidenz Bellini und ist seit März geimpft, so wie fast alle Bewohner und Mitarbeiter.

Neue Allgemeinverfügung seit Donnerstag

Doch seit Donnerstag gibt es eine neue Allgemeinverfügung „Schutzmaßnahmen in stationären Einrichtungen“ des NRW-Landesministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales. Bislang durften in NRW fünf Personen aus zwei Haushalten gleichzeitig einen Bewohner besuchen, jetzt richtet sich die erlaubte Zahl nach Infektionsschutzgesetz und Coronaschutzverordnung.

Dort ist festgelegt: Überschreitet eine Region die Inzidenz von 100, treten am übernächsten Tag Maßnahmen in Kraft. Diese beinhalten, dass man sich nur mit einer Person außerhalb des Haushalts treffen darf. Das heißt für die Senioren: Nur eine Person darf gleichzeitig kommen. Kinder unter 14 Jahren sind davon ausgenommen.

Ähnlich war die Regelung vor der Lockerung auf fünf mögliche Besucher. „Damals waren die Besucher pro Tag begrenzt, jetzt nur noch pro Besuch“, erläutert Elif Cakir, Leiterin des Bellini-Heims. Am Freitag musste sie nach einer Mitteilung des Ministeriums mit ihrem Team alle Angehörigen informieren und stieß dabei naturgemäß nicht nur auf Verständnis. „Die Angehörigen sind oft sehr erbost. Gerade geht ja durch die Medien, dass es Lockerungen für Geimpfte und Genesene geben soll“, berichtet Elif Cakir.

Elif Cakir muss sich als Leiterin der Seniorenresidenz Bellini um die Umsetzung der neuen Richtlinien kümmern.
Elif Cakir muss sich als Leiterin der Seniorenresidenz Bellini um die Umsetzung der neuen Richtlinien kümmern. © Guido Bludau (A) © Guido Bludau (A)

Angehörige kritisiert Umgang mit Bewohnern

„Das kann ja nicht sein, wir diskutieren über Lockerungen. Ich finde, das kann man mit den alten Leuten nicht machen“, ärgert sich Renate Neuhaus. Sie besuche ihre Mutter eigentlich immer zusammen mit ihrem Mann und spiele zu dritt Karten. „Als ich nur alleine kommen durfte, war mein Mann nicht mehr dabei. Das war für meine Mutter verwirrend“, erinnert sich die Dorstenerin. Dabei betont sie, dass sie keineswegs Kritik am Heim üben wolle. Das Bellini habe sich sehr bemüht, an Weihnachten hätten die Mitarbeiter etwa Überstunden gemacht. „Die Mitarbeiter haben andere Aufgaben, als sich um diesen Käse zu kümmern“, schüttelt sie den Kopf.

Elif Cakir gibt zu, dass für die Mitarbeiter natürlich mehr Arbeit anfällt. Sie müssen unter anderem kontrollieren, dass nicht zu viele Besucher auf dem Zimmer sind. Mit dem Blick ein Jahr zurück fasst die Leiterin zusammen: „Vor einem Jahr hat man zum Muttertag die Türen aufgemacht, jetzt grenzt man die Besucherzahlen ein.“ Allerdings könne jede Änderung am entsprechenden Paragrafen des Infektionsschutzgesetzes wieder für neue Bedingungen sorgen. Wenn die Inzidenz unter 100 fällt, ist sowieso wieder mehr möglich.

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Bastian Becker

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