Mathias Armerling würde gerne regelmäßig Kunden die Haare schneiden und stylen. Momentan entscheiden sich aber viele gegen einen Besuch mit negativem Schnelltestergebnis. © Bastian Becker
Corona-Notbremse

Einige Friseursalons bleiben verwaist: „Das ist ein Trauerspiel“

Wer aktuell in Dorsten zum Friseur will, muss einen aktuellen negativen Schnelltest vorweisen. Das ist vielen zu aufwendig, einigen frustrierten Friseuren geht die Arbeit aus.

Mathias Armerling schüttelt beim Blick in den nahezu verwaisten Friseursalon Hair-Pirat in der Innenstadt den Kopf. „Das ist ein Trauerspiel“, fasst der Stylist die Entwicklung der letzten Tage zusammen. Die bundesweiten Regelungen zur Notbremse beinhalten, dass Kunden vor einem Besuch bei Dorstener Friseuren seit Samstag einen negativen Schnelltest vorweisen müssen. Das führt für die Mitarbeiter des Salons dazu, dass sie nur noch vereinzelten Kunden die Haare schneiden können. „Die Kunden setzen ihre Prioritäten anders. Es ist den Leuten zu viel Aufwand, vorher einen Test zu machen, einen Zettel zu unterschreiben und FFP2-Masken zu tragen“, beobachtet Mathias Armerling.

Während sich zuvor fünf bis sechs Friseure regelmäßig um die Kunden kümmerten, hätten sich mehrere Kollegen am Donnerstag bereits freigenommen, weil alle Kunden abgesagt haben. „Das ist echt beängstigend und erschreckend“, meint der Friseur und verweist auf einen Kollegen in Österreich. Eigentlich habe man bei diesem zwei Jahre auf einen Termin warten müssen. Seit Februar müssen sich die Kunden vor dem Besuch testen lassen, seitdem sei niemand mehr gekommen und er habe den Laden schließen müssen.

Friseur am Dienstag nur zu 10 Prozent ausgelastet

Auch Annegret Tegelkamp-Hoffmann, Inhaberin des Salons Picobello, merkt den Kundenrückgang deutlich. „Üblicherweise haben wir dienstags eine Auslastung von 70 bis 80 Prozent, heute sind es nur zehn Prozent“, berichtet sie beim Blick auf den Terminkalender. Das sei natürlich auf die Testpflicht zurückzuführen. Viele Kunden springen ab, weil sie keinen Test machen wollten.

„Die Kunden müssen erst zu einem Testzentrum. Wenn sie den Test zu Hause machen könnten oder wir Tests anbieten können, wäre das besser“, regt Annegret Tegelkamp-Hoffmann an. Ansonsten hofft der Salon auf die Lockerungen für bereits Geimpfte, die es den Betroffenen ermöglichen könnten, wieder ohne Test zum Friseur zu gehen.

Gedanken an eigenes Selbsttestzentrum

Kerstin Chemnitzer stellt ebenfalls fest: „Es ist auf jeden Fall ruhiger.“ In welchem Ausmaß die Kundenzahlen zurückgehen, könne man nach wenigen Tagen noch nicht beurteilen. „Die Kunden melden sich schon mal ab, nennen aber nicht immer den Grund“, berichtet die Inhaberin eines Salons in der Recklinghäuser Straße. „Natürlich wünsche ich es mir anders, aber ich bin froh, dass wir weiterarbeiten dürfen“, ist sie derzeit gemischter Stimmung.

Kerstin Chemnitzer freut sich, dass sie weiter öffnen darf, bemerkt aber auch, dass der Besuch zurückgeht.
Kerstin Chemnitzer freut sich, dass sie weiter öffnen darf, bemerkt aber auch, dass der Besuch zurückgeht. © Bastian Becker (A) © Bastian Becker (A)

Nicht ganz so stark betroffen ist der Friseur Kopfsache mit Salons in Wulfen und Schermbeck. „Der eine oder andere tut sich schwer mit dem Testen, aber die Kunden sind trotzdem noch mit dabei“, berichtet Inhaberin Aldona Slodczyk. Das liege an den zahlreichen Teststationen in den Dörfern. Sie überprüfe gerade, wie sie in ihren Läden selbst Tests durchführen kann. „In Gladbeck macht das ein Friseur schon. Wenn das bekannt wird, werden das viele Unternehmen überlegen“, glaubt Aldona Slodczyk.

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Bastian Becker

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