Der Rhader Autor Ralf Sikorski hat ein Buch mit ungewöhnlichen Gerichtsurteilen und Gesetzen veröffentlicht. © Michael Klein

Ein Buch voller verrückter Urteile und absurder Gesetze

Er hat den alltäglichen Wahnwitz aus Gerichtssälen und Gesetzestexten gesammelt - nun hat Autor Ralf Sikorski aus seinen Fundstücken mit spitzer Feder ein lesenswertes Buch geschrieben.

Ralf Sikorski sagt es mit einem Augenzwinkern. Aber es steckt mehr als nur ein Fünkchen Wahrheit in seiner Aussage. „Den Deutschen zeichnen vor allem zwei Charaktereigenschaften aus“, betont er: „Er regelt gerne alles und er streitet gerne über alles.“ Zum Glück für den Rhader. Denn so gehen ihm die Ideen und gesammelten Stilblüten für seine Buchveröffentlichungen niemals aus.

Ralf Sikorski ist beruflich in einem eher trockenen Metier tätig. Doch darin hat er sich zum Trüffelsucher entwickelt. Immer interessiert an originellen und verqueren Steuerrechtsfällen. „Meine Frau ist eine außergewöhnliche Belastung“, „Wo bitte kann ich meinen Mann absetzen“ und „Ich war Hals über Kopf erleichtert“, hießen die ersten Werke.

Ungewöhnliche Rechtsprechungen

Jetzt hat der 62-jährige Leiter der Betriebsprüfungsstelle im Finanzamt Borken ein neues Werk vorgelegt. Während es bei dem 2015 erschienenen Vorgänger „Von Steuereyntreibern und anderen Blutsaugern“ noch bisweilen sehr selbstironisch um historisch belegte steuerliche Absurditäten ging, hat er nun bei ungewöhnlichen Rechtsprechungen gewildert.

„Im Namen des Volkes“ heißt der 216-Seiten-Band. Dafür hat er viele lesenswerte, verrückte Urteile zusammengetragen. „Urteile, bei denen die Richter mit spitzer Feder und feinfühligem Humor, manchmal auch sarkastisch und frustriert, zur Sache Stellung nehmen.“ Und an vielen Stellen rundet Autor Sikorski selbst mit Anekdoten und humorvollen Kommentierungen die Fundstücke ab. Gespickt ist das Buch zudem mit satirischen Illustrationen von Zeichner Philipp Heinisch.

Ralf Sikorski war lange Jahre Dozent an der Fachhochschule für Finanzen in Nordkirchen und hält immer noch viele rechtliche Vorträge. „Wenn mir bei den Vorbereitungen darauf ein gutes Urteil in die Hände fiel, habe ich es beiseite gelegt und gesammelt“, erzählt er. Die Corona-Zeit nutzte er, um die besten für sein Buch auszuwählen.

„Alle Gesetze und Urteile sind authentisch, auch wenn man es bei vielen nicht glauben mag“, sagt Ralf Sikorski. Anders als in vergleichbaren Büchern (meist mit absurden Rechtsgrundlagen der jeweiligen US-Staaten) hat er deswegen in den Fußnoten die Aktenzeichen beigefügt.

Die Illustrationen sind von Philipp Heinisch. © Privat © Privat

Und das natürlich auch zu seinem „unübertroffenen Lieblingsurteil“, bei dem das Amtsgericht in Mönchengladbach zur Frage entschied, ob zwei Einzelbetten statt eines Doppelbettes im Urlaubshotel einen Reisemangel wegen gestörter Schlaf- und Beischlafgewohnheiten darstelle.

Nicht nur in dem Mönchengladbacher Fall geht es mitten hinein in den Wahnwitz des prallen Lebens. Ob die beleidigende Wirkung von Gartenzwergen, die Einstufung eines alkoholhaltigen Frischkäses als Branntweinerzeugnis oder das Recht der Schweinehaltung in einer Mietwohnung, wenn es zwei Monate lang im Treppenhaus nicht nach Ferkelvieh riecht – nur einige der höchst amüsanten juristischen Momente, die Ralf Sikorski zutage gefördert hat.

Auch an Laien gerichtet

„Das Buch richtet sich nicht nur an Rechtsanwälte, Richter und Steuerberater, sondern ausdrücklich auch an Laien“, betont der Rhader. „Deswegen sollte es in Buchhandlungen eigentlich nicht in der Abteilung Fachliteratur einsortiert werden“, sagt er. Sondern in den Regalen mit den Aufschriften ‚Humor‘ oder ‚Geschenkideen‘“.

„Im Namen des Volkes“ von Ralf Sikorski, erschienen im Erich Schmidt-Verlag, ist im Buchhandel zu bestellen, 216 Seiten, fester Einband

ISBN 978-3-503-19521-3, Kosten: 34,80 Euro.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Geboren 1961 in Dorsten. Hier auch aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach erfolgreich abgebrochenem Studium in Münster und Marburg und lang-jährigem Aufenthalt in der Wahlheimat Bochum nach Dorsten zurückgekehrt. Jazz-Fan mit großem Interesse an kulturellen Themen und an der Stadtentwicklung Dorstens.
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Michael Klein

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